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Brandenburg

03. Dezember 2016 | 01:21 Uhr

Brandenburg : Ärzte sind an manchen Orten rar

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mehr Mediziner in Brandenburg – dennoch droht regional Unterversorgung / In der Prignitz gibt es keine akuten Probleme

Laut Statistik gibt es in Brandenburg keinen Ärztemangel. Die Zahl der Ärzte ist sogar leicht angestiegen. Doch im Alltag machen Patienten andere Erfahrungen: Monatelanges Warten auf einen Facharzttermin, lange Wege zu den Praxen und überfüllte Wartezimmer – vielerorts fehlen Mediziner. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) droht in 13 der 46 Regionen eine Unterversorgung mit Hausärzten.

In den Regionen Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland), Eisenhüttenstadt (Oder-Spree), Kyritz (Ostprignitz-Ruppin), Lübben (Dahme-Sprewald), Rathenow (Havelland) und Templin (Uckermark) fehlen Augenärzte, in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) sogar massiv. Templin ist auch mit Dermatologen unterversorgt. Für KVBB-Sprecher Christian Wehry ist der große Bedarf vor allem auf die gestiegene Lebenserwartung zurückzuführen. „Die Menschen leben immer länger, dadurch gibt es auch immer mehr Kranke.“

Laut KVBB gab es Ende vergangenen Jahres 3695 Vertragsärzte in Brandenburg – 74 mehr als zwölf Monate zuvor. Mit 733 Einwohnern pro Mediziner hat Brandenburg bundesweit die geringste Ärztedichte. Im Schnitt der Länder liegt sie bei 670 Einwohnern auf einen Arzt. Zudem sind die Ärzte in Brandenburg älter als anderswo: Knapp 29 Prozent der Hausärzte sind 60 Jahre und älter, bei den Fachärzten sind es etwa 20 Prozent.

Dringend gesucht werden Hausärzte, aber auch Frauen- und Kinderärzte sowie Fachärzte für Augen-, Haut- und Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen.

Dabei ist die Situation im Land sehr unterschiedlich. Zwar sind die ländlichen Gebiete vom Ärztemangel am ehesten bedroht. Doch klagen auch Einwohner in den Gemeinden im Umkreis Berlins über lange Wege zum Doktor. So fehlten in Neuenhagen (Märkisch-Oderland) Hausärzte, während die Region Elsterwarda-Bad Liebenwarda (Elbe-Elster) als hausärztlich überversorgt gilt.

Wegen des vergleichsweise hohen Alters der Mediziner droht die Arztdichte weiter abzunehmen. Von einem generellen Ärztemangel will Wehry aber nicht sprechen. „Die Ärztezahlen entwickeln sich über alle Bereiche positiv“, sagt er.

Das wird beim größten Sozialverband Brandenburgs, der Volkssolidarität, anders bewertet. Andrea Schiller, Chefin der Sozialstation in Wittstock sagt, die heutige Lage sei eindeutig nicht besser als vor fünf Jahren. Etliche Praxen in ihrem Gebiet hätten geschlossen.

Cornelia Kossatz, Leiterin der Sozialstation in Cottbus, sieht ebenfalls keine Verbesserung. Viele Ärzte seien alt und suchten einen Nachfolger für ihre Praxis. Doch selbst in Cottbus, der zweitgrößten Stadt Brandenburgs, gebe es zu wenig Interessenten. „Die Warteräume sind voll, die Facharzttermine rar“, lautet ihr Urteil.

In der Prignitz sieht es nicht so düster aus. In Wittenberge gibt es für gleich drei Praxen eine Nachfolge. Das betrifft die Chirurgie im Gesundheitszentrum und die Kinderpraxis Georgii. Beide Ärzte gehen in den Ruhestand, aber es fanden sich Nachfolger. Auch der Radiologe Frank Schniewind fand nach seinem Wegzug in diesem Jahr einen Nachfolger. Bereits im vergangenen Jahr konnte in Wittenberge wieder eine Hautarzt- und in Pritzwalk eine Kinderarztpraxis eröffnen. Beides hat das Kreiskrankenhaus Perleberg ermöglicht.

In der an Polen grenzenden Stadt Guben (Spree-Neiße) hilft die Naemi-Wilke-Stiftung mit ihrer Tochter Medizinische Einrichtungsgesellschaft, die ärztliche Versorgung zu sichern.

Etliche Mediziner seien aus Polen angeworben worden, sagt Claudia Stein, Vizechefin der dortigen Sozialstation. Dennoch fehlten Augenärzte und Diabetologen. Längere Zeit habe es auch keinen Neurologen und Psychologen in der Stadt gegeben. Nun komme wenigstens an drei Tagen in der Woche ein Neurologe aus Berlin.

Um die Situation zu verbessern, bieten KVBB und Krankenkassen Ärzten für eine eigene Praxis finanzielle Hilfen bis zu 50 000 Euro an.Dennoch ziehe es viele junge Mediziner wegen besserer Verdienstmöglichkeiten ins Ausland oder nach Berlin, sagt Wehry.

Aufwind erhofft sich die KVBB von einem Projekt in Templin. Dort sollen mit der AOK Nordost, der Barmer GEK und dem Sana Krankenhaus neue Strukturen für den ländlichen Raum erprobt werden. So soll unter anderem ein regionales Ärztenetz die Zusammenarbeit zwischen Klinik und Praxen verbessern.

Geplant sind ein ambulant-stationäres Zentrum und ein Pflege-Netzwerk. Für die verschiedenen Behandlungswege soll es eine zentrale Anlaufstelle für die Patienten geben. Verläuft das mit 14,5 Millionen Euro geförderte Projekt erfolgreich, soll es auf andere Regionen Brandenburgs übertragen werden.  
 

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erstellt am 20.Nov.2016 | 14:58 Uhr

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