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Umwelt

26. September 2016 | 22:45 Uhr

KLIMADISKUSSION : Umweltgötter – die neuen Religionsstifter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Glaube an den Klimawandel gleicht heute einer Religion, findet der Autor. Ein wenig mehr Aufklärung täte da gut.

Das hier soll kein Geständnis sein, sondern eine Erklärung: Ich war sehr lange Mitglied der evangelischen Kirche, fast mein ganzes Leben. Nicht deshalb höre ich Bach, aber so habe ich zu ihm und seinem Werk gefunden – eine kontinuierliche Liebe meines Lebens.

Die Karriere bei „Kirchens“ ging sogar mal über ein Dasein als Karteileiche und Bachliebhaber hinaus. In meiner Jugend ließ ich mich konfirmieren und danach habe ich der Gemeinde als Konfirmandenhelfer gedient und später Jugendgruppen geleitet. Was das Christentum angeht, immerhin die größte Religion der Welt, bin ich also praktisch und theoretisch einigermaßen auf Zack.


Religion hilft vergleichen
 

Was sich während meiner Kirchenlaufbahn an Wissen ansammelte, hilft mir seit Jahren, wenn es um den Klimawandel und die Debatten drumrum geht. Wir haben es schließlich mit einer Religion zu tun und allem Beiwerk, das dazugehört. Da wären:

1.) Düstere Endzeiterwartungen: Anstieg des Meeresspiegels, Dürre, Hungersnöte, Klimakriege und Klimaflüchtlinge

2.) Propheten: Klimaforscher, Grüne, Umweltschützer, Windradbauer

3.) Vergebung der Sünden und Buße: EEG-Umlage, CO2-Kompensationsprogramme bei Flugreisen, Dosenpfand, Benzinpreis, grassierender Vegetarismus)

4.) Sakramente und Gottesdienste: Mülltrennung, Weltklimagipfel

5.) Kirche und Kirchenvolk: Weltklimarat IPCC, Greenpeace-Unterschriftensammler

6.) Heilige Schriften: IPCC-Sachstandsberichte

Die Bewegung ist im Umbruch. Das zeigt die Lektüre des neuen IPCC-Klimareports. Die bisherigen Ausgaben dieser heiligen Schrift der Gläubigen erinnerten an die Offenbarung des Johannes – aus jeder Zeile triefte der Weltuntergang. Wissenschaftsjournalisten staunen dieser Tage über den neuen Ton der jüngsten Ausgabe des Sachstandsberichts. Sie vermelden, dass dort erstmals Unsicherheiten der eigenen Prognosen zugegeben würden. Die Kirchenleitung räumt also zaghaft ein, nicht unfehlbar zu sein.

Eine besonders düstere, fast neun Jahre alte Prophezeiung wurde vor drei Jahren bereits gestrichen. 2010, so hieß es in einer Vision von 2005, werde es weltweit 50 Millionen „Umweltflüchtlinge“ geben. Nachdem in einigen der betroffenen Regionen sogar Bevölkerungszuwächse verzeichnet wurden, distanzierte sich die Uno von den apokalyptischen Reitern, die sie selbst auf die Pferde gesetzt hatte.


Stoff für Panikmacher

 

Man könnte nun einwenden, dass das doch selbstverständlich sein muss, wenn die Realitäten nicht mit den eigenen Annahmen übereinstimmen. Doch das ist bei Gläubigen eher selten der Fall.

Und noch bietet der aktuelle IPCC-Bericht allerdings genug Stoff für Panikmacher. Umweltministerin Barbara Hendricks verkündete nach dessen Veröffentlichung, wir hätten uns darauf einzustellen, unsere Wohnungen nicht mehr auf 22 oder 23 Grad, sondern nur noch auf 20 oder 21 Grad zu heizen.

Es ist also zu früh, von einer Reformation der Klimakirche zu sprechen. Aber es ist ermutigend, mittlerweile auch abwägende und skeptische Töne zu hören. Es deutet sich an, dass die Panikmacher und Apokalyptiker im Klimaklerus auf dem Rückzug sind.

Jetzt bleibt zu hoffen, dass Politik und Gesellschaft eine ähnliche Entwicklung durchlaufen. Das Leitmotiv des letzten Jahrzehnts war die Bekämpfung des menschengemachten Klimawandels. Dieser Kampf wurde zur Dauerlegitimation umfassender Einschränkungen, Verbote und Drangsalierungen, die uns nicht von der Politik aufgezwungen wurden, sondern die wir freiwillig gewählt haben. Während die katholische Kirche par ordre de mufti alles, was Spaß macht sanktioniert, haben wir eine ähnliche Politik in geheimen, gleichen und freien Wahlen immer und immer wieder bestätigt, weil eine in Teilen zur Religion mutierte Wissenschaft in immer schillernderen Farben den Weltuntergang an die Wand malte.

Mit der daraus resultierenden Angst wurde und wird Politik gemacht. Dass Strom an der Strombörse so günstig wie noch nie und zugleich für die Endkunden so teuer wie noch nie war, ist ein Ergebnis. Dass stromintensive Unternehmen deswegen mehr oder weniger laut darüber nachdenken, das Land zu verlassen, ist ein anderes Ergebnis. Solche Dinge werden schulterzuckend zur Kenntnis genommen. Dass wir in einem Land leben, das seinen Wohlstand und seine vergleichsweise komfortable Situation nur dem Umstand verdankt, dass wir günstig Energie produziert haben, kümmert keinen, seit die Klimakirche ihre Lehren unters Volk brachte.

In den Evangelien der Klimakirche wird einfach eine ganz andere Geschichte erzählt. Zum Beispiel die, dass wir Vorreiter bei der Entwicklung und dem Zubau erneuerbarer Energie zu sein hätten.


Subventionen für China

 

Die Schöpfer dieser Schriften dachten sich, dass die ganze Welt unserem Beispiel folgen würde und ein jeder auf diesem Planeten seine Windräder und Solarkollektoren bei uns in Deutschland ordern würde. Darin steckt nicht nur eine zeitgenössische Variante von „am Deutschen Wesen soll die Welt genesen“, sondern auch grenzenlose Naivität gepaart mit ökonomischer Dummheit. Und für diese Dummheit lachen uns die Chinesen aus. Sie produzieren nämlich die Solarpaneele, die jeder Deutsche Stromkunde mit seinen Abschlägen beim Energieversorger subventioniert. Jüngst wurde eine ketzerische Schrift bekannt. Die „Expertenkommission Forschung und Innovation“ stellte in einem Jahresgutachten fest, dass das EEG nicht nur unfassbar teuer sei, sondern dabei nur eine „sehr geringe technologiespezifische Innovationswirkung in Deutschland“ entfalte. Doch die Klimakollekte ist seitdem nicht in die Diskussion geraten. Das Papier der wissenschaftlichen Regierungsberater landete umgehend bei den verbotenen Schriften. Verwunderlich ist das nicht in einem Land, in dem zu den Mitgliedern einer „Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung“ der Präsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken, der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, eine Philosophin und der Erzbischof von München und Freising gehörten.

Der Hauch eines neuen Gestus’, der gerade in der Klimaforschung zu spüren ist, diese ganz neuen, fast selbstkritischen Töne, das Zweifelnde, täten dem deutschen Klimaschutzdiskurs verdammt gut. Nicht jeder, der Kritik am Erneuerbare Energien-Gesetz, am Glühbirnenverbot, Greenpeace oder an einer „Earth Hour“ übt, ist ein Ketzer. Wer auf die Schwächen und die negativen Folgen der sogenannten Energiewende hinweist, ist nicht zwangsläufig ein Ewiggestriger, der seinen Kindern einen überhitzten Planeten und eine zerstörte Umwelt hinterlassen will.

Für die Kirche und die Gebiete, die sie prägte, war die Aufklärung ein Segen. Als dem Klerus die Autorität abhanden kam, konnten sich freies Unternehmertum, freie Gedanken, freie Liebe und freie Menschen entwickeln. Zwar ist die Klimakirche nicht so totalitär wie es die katholische Kirche zu ihren finstersten Zeiten war, doch auch ihr kann Revolution nicht schaden. Zweifel kann nicht Sünde sein.

Und vielleicht lernen wir dann auch das Gute, das sie ermöglicht und geschaffen hat, zu schätzen. Bach und sein Werk überstrahlen schließlich auch alle christlichen Irrlehren, die in Jahrhunderten gepredigt wurden.

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erstellt am 12.Apr.2014 | 14:00 Uhr

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