zur Navigation springen

Ratgeber

27. Juli 2016 | 15:29 Uhr

Telefonforum - Altersvorsorge : Tipps zum altersgerechten Wohnen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Welche Umbauten sind sinnvoll, was zahlt die Pflegekasse und wo gibt es soziale Betreuung? – Experten gaben Auskunft bei unserem Telefonforum

Was heißt barrierefreies Bauen?
Dieser Begriff und die sich daraus ergebenen Anforderungen sind in der Bauordnung des jeweiligen Bundeslandes geregelt. In den Ländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wurde 2011 die DIN 18040 in den Teilen 1 und 2 als technische Baubestimmung eingeführt. Deren Anwendung ist bei Neubauten vorgeschrieben, bei Umbauten und Modernisierungen kann diese angewendet werden. Hier werden beispielsweise die stufenlose Erreichbarkeit von Gebäuden und Einrichtungen, die Durchgangsbreite von Türen, die Gestaltung von Treppen inklusive Handläufe, die Gestaltung von Treppenabsätzen und Toilettenräumen geregelt. Die Anforderungen können in Bestandsbauen nicht komplett umgesetzt werden. Es bestehen aber Möglichkeiten, Barrieren zu reduzieren.

Welche Unterstützung erhalten wir mit einer Pflegestufe?
Für Wohnumfeldverbesserungen kann bei der Pflegekasse ein Zuschuss von maximal 2557 Euro beantragt werden. Dies gilt aber nur bei Vorliegen einer Pflegestufe. Verschlechtert sich die Pflegesituation, gibt es wiederholt die Möglichkeit, diesen Zuschuss erneut zu erhalten. Wichtig ist, dass der entsprechende Antrag noch vor Beginn der Baumaßnahme gestellt wird. Allerdings sollte immer zuerst geprüft werden, ob nicht durch Hilfsmittel ein gleicher Effekt erreicht werden kann. Beispiel: Badewannenlifter statt Einbau einer Dusche. Der Vorteil ist, dass die Kosten für diese Hilfsmittel meist vollständig und nicht nur anteilmäßig von der Pflegekasse übernommen werden. Darüber hinaus sollten Sie bei der Wohnungsbauförderstelle wegen Fördermitteln für einen behindertengerechten Umbau Ihrer Wohnung aus der Landesförderung vorsprechen.
 
Wir wohnen seit 40 Jahren in einer Genossenschaftswohnung im Erdgeschoss. Können wir schon vorausschauend Umbauten vornehmen lassen? Muss die Genossenschaft dem barrierefreien Umbau zustimmen?
Reden Sie im Vorfeld auf jeden Fall mit Ihrem Vermieter. Nach Paragraf 554a BGB muss er sein Einverständnis zum barrierefreien Umbau der Wohnung geben. Wünschenswert ist natürlich die Suche nach einer einvernehmlichen Lösung. Vereinbaren Sie aber unbedingt schriftlich, dass Sie bei Auszug keinen Rückbau auf Ihre Kosten vornehmen müssen. Wenn Sie die Umbauten ohne Einverständnis vornehmen, kann sonst der Rückbau gefordert werden. Meist sind Vermieter aber aufgeschlossen, da sich ja gerade eine Erdgeschosswohnung, die behindertengerecht ausgestattet ist, gut vermieten lässt.
Was muss ich eigentlich unter einer Wohnraumanpassung verstehen?
Die Wohnraumanpassung ist die Alternative für einen Umzug in eine barrierefreie oder behindertengerechte Wohnung. Sie haben die Möglichkeit, in Ihrem gewohnten Umfeld zu wohnen und die vertraute Wohnung an Ihre individuellen Bedürfnisse anzupassen. Die Wohnung kann mit Hilfsmitteln so eingerichtet werden, dass eine selbständige Haushaltsführung auch mit Behinderung möglich ist. Einzelne Räume werden umgestaltet, zum Beispiel wäre das der Einbau einer bodengleiche Dusche im Bad.

Auch die Vergrößerung der Türen, der Abbau von Schwellen, die Anbringung von Türgriffen und Lichtschaltern in Greifhöhe sind umsetzbar. Lassen Sie sich hierzu umfassend beim Sozialamt, dem Behindertenbeirat, bei der Wohnungsförderung oder auch einer Wohnraumanpassungsstelle beraten.

Wir möchten neu bauen und in unserem Alter auch dabei gleich möglichst altersgerecht. Wer berät uns bautechnisch über die Möglichkeiten?
Barrierefrei gebaute Wohnungen sind auch für jüngere Menschen attraktiv. Darum sollten sie bei Ihrem Neubau auf Flexibilität und Barrierefreiheit achten. So sparen Sie sich im Alter höhe Umbaukosten. Barrierefreies und damit altersgerechtes Bauen muss nicht teuer sein. In jedem Fall ist es billiger als eine spätere Nachrüstung. Architekten sind für den vorausschauenden Bauherren die richtigen Berater bei der Planung. Auch bei einem Umbau einer bestehenden Wohnung ist der Architekt Ansprechpartner. Architekten mit dieser Spezialisierung finden Sie bei den Architektenkammern.

Wir haben schon einmal eine Förderung für eine Wohnraumanpassung erhalten. Ist absehbar, dass dies noch einmal möglich ist?
Immer wenn sich der Gesundheitszustand verschlechtert, können Sie einen weiteren Zuschuss beantragen. Er muss wieder bei der Pflegekasse beantragt werden, bevor der Umbau begonnen wird. Zur Zeit beträgt die Förderung bis 2557 Euro. Das Pflegestärkungsgesetz sieht eine Anpassung der Pflegeleistungen ab dem 1. Januar 2015 vor. Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen können dann möglicherweise mit bis zu 4000 Euro bezuschusst werden.

Für die ersten Erleichterungen bei der Pflege meines Mannes würden zum Beispiel schon Haltegriffe im Bad helfen. Wer hilft mir bei der Beschaffung?
Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten. Mit einem Rezept für die Hilfsmittel übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten und Sie müssen nur eine geringe Zuzahlung leisten.

Wo beantrage ich bei Pflegebedürftigkeit behindertengerechte Umbauarbeiten in unserem Haus, zum Beispiel im Bad. Benötige ich eine Bescheinigung vom Arzt?
Bei Vorliegen einer Pflegestufe ist ein formloser Antrag an die Pflegekasse ausreichend. Unter Umständen kann noch eine Überprüfung des Medizinischen Dienstes erfolgen. Sie erhalten von der Pflegekasse einen Zuschuss von 2557 Euro pro Maßnahme. Sollten später weitere Maßnahmen nötig werden, können Sie einen weiteren Zuschuss beantragen. Außerdem können Sie auch Fördermittel oder Zuschüsse der KfW für den altersgerechten Umbau nutzen.

Kann ich mit meinem Bausparvertrag auch altersgerechte Modernisierungen
finanzieren?

Ja, einen Bausparvertag können Sie auch hierfür einsetzen. Zum Beispiel können Sie das Bad barrierefrei umbauen oder die Türen verbreitern. Dafür genügt ein kleineres Darlehen. Viele Bausparkassen verzichten zudem bei Darlehen bis 30 000 Euro auf eine Grundschuld. Die Kredite sind zinsgünstig und der Eigentümer spart außerdem Notar- und Grundbuchgebühren. Selbst der Erwerb eines eigentumsähnlichen Dauerwohnrechts in einem Seniorenwohnheim ist mit einem Bausparvertrag möglich.

Wir sind beide Ende Vierzig und werden demnächst das geerbte Haus meiner Eltern grundlegend sanieren. Es soll auch altersgerecht umgebaut werden. Wird das von der KfW unterstützt?
Das Förderprogramm Altersgerecht Umbauen unterstützt solche Vorhaben mit einem effektiven Zinssatz ab 1 Prozent pro Jahr für ein Darlehen bis zu 50 000 Euro pro Wohneinheit. Gefördert werden alle Baumaßnahmen, die zu Barrierereduzierung führen und eine angenehme Wohnqualität – unabhängig von körperlichen Einschränkungen und Lebensalter – gewährleisten. Hierbei sind spezielle technische Anforderungen zu erfüllen und die Arbeiten von Fachunternehmen durchzuführen. In jedem Fall muss der Antrag vor Beginn der geplanten Maßnahmen bei Ihrer Hausbank gestellt werden. Seit Oktober 2014 gibt es von der KfW auch eine Zuschussvariante. Kombiniert werden können die Zuschüsse mit den Programmen zur energetischen Gebäudesanierung. Hier können bis 4000 Euro zur Barrierereduzierung, maximal jedoch 4000 Euro pro Wohneinheit, in Anspruch genommen werden.

Welche öffentlichen Mittel können für eine Hausmodernisierung beantragt werden?
Die Investitionsbank des Landes Brandenburg fördert die behindertengerechte Anpassung bei vorhandenem Wohnraum mit Zuschüssen, wenn Barrieren abgebaut werden. Für bauliche Maßnahmen beträgt der Zuschuss bis zu 10 000 Euro und für Höhen überwindende Maßnahmen bis zu 12 000 Euro. Diese Förderbestimmungen gelten rückwirkend ab dem 1. Januar 2014 bis zum 31. Dezember 2015.

Was sind Pflegestützpunkte? Ich habe davon gehört, kann mir aber nichts darunter vorstellen. Gibt es so etwas in Perleberg auch?
Pflegestützpunkte sind neutrale kostenlose Beratungs-, Informations- und Koordinierungsstellen. Sie beraten und unterstützen kompetent zu pflegerischen und sozialen Fragen, wie zum Beispiel Vorsorgevollmacht und Schwerbehindertenrecht. Die Pflegestützpunkte bauen ein Netzwerk auf, um eine enge Zusammenarbeit mit den verschiedenen Einrichtungen und Diensten der pflegerischen, medizinischen sowie rehabilitativen Versorgung zu ermöglichen. Die Beratung erfolgt durch Pflege- und Sozialberater. Sie verfügen über Wissen aus den Bereichen des Sozialrechts, der Pflege und der Sozialarbeit. Diese Beratung kann auch zu Hause vorgenommen werden.
In Brandenburg gibt es 19 Pflegestützpunkte, zum Beispiel in Perleberg und Neuruppin. Pflegestützpunkte finden Sie auch unter www.pflegestuetzpunkt.de.

Erhalte ich Zuschüsse, wenn ich auf Grund der Erkrankung meines Mannes unser Haus behindertengerecht umbauen muss?
Stellen Sie einen Antrag bei Ihrer Pflegekasse. Sie gewährt finanzielle Zuschüsse für Verbesserungen des individuellen Wohnumfeldes, beispielsweise für technische Hilfen im Haushalt wie fest installierte Rampen, Verbreiterung der Türen, Entfernen von Türschwellen, den Umbau von Bad und Küche. Der Einbau eines Treppenlifts oder Sitzlifts ermöglicht im Einzelfall die häusliche Pflege und erleichtert sie erheblich. So wird auch unter Umständen eine möglichst selbständige Lebensführung des Pflegebedürftigen wiederhergestellt.
Voraussetzung ist eine Pflegestufe. Sie erhalten 2557 Euro pro Maßnahme. Ändert sich die Pflegesituation oder werden weitere Maßnahmen notwendig, kann ein neuer Antrag gestellt werden. Einnahmen weiterer Angehöriger im Haushalt werden nicht berücksichtigt. Hat der Pflegebedürftige keine eigenen Einnahmen, entfällt der Eigenanteil.

Ich bewältige nicht mehr alle Arbeiten in meiner Wohnung allein. Muss ich jetzt in eine Wohnung für betreutes Wohnen?
Nein. Sie haben auch die Möglichkeit, eine ambulante Betreuung in Anspruch zu nehmen. Fragen Sie bitte bei Ihrem Pflegestützpunkt nach. Dort liegt ein komplettes Angebot an Pflegeleistungen vor, zum Beispiel fahrbarer Mittagstisch und auch Reinigungsleistungen. Die ambulante Betreuung hat immer Vorrang vor der stationären.

Wohin können sich Bewohner einer Einrichtung (oder seine Angehörigen) wenden, wenn er nicht zufrieden ist?
Immer dann, wenn es sich um eine Art Heim im Sinne des Heimgesetzes handelt, ist die Heimaufsicht beim Landesamt für Soziales und Versorgung als zuständige Kontrollbehörde zuständig. Rat und Hilfe erhalten Sie auch bei den Seniorenbeiräten der Kommunen oder der Verbraucherzentrale. Werden Pflegeleistungen gewährt, ist die Pflegekasse ein Ansprechpartner. Auch ein Umzug wäre letztlich möglich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen