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Ratgeber

07. Dezember 2016 | 09:40 Uhr

Berufskunde : Sattler 4.0

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wie die digitale Welt das Handwerk verändert

Früher musste Sattlermeister Tom Büttner mit Biegelineal, aufwendigen Pappschablonen und allerlei anderen Gerätschaften anrücken, um einen Pferderücken zu vermessen. Heute reicht ein kleiner rechteckiger Kasten, den er ein paar Sekunden über den Rücken des Tieres hält. Ein kurzer „Piep“ – dann werden die Daten an den Computer übermittelt. „Die Digitalisierung hat uns ganz neue Möglichkeiten eröffnet“, sagt der 53-Jährige, der in Dresden eine Sattlerei und einen Pferdesportladen mit 18 Mitarbeitern betreibt.

Büttner hat einen 3-D-Scanner entwickelt. Dieser misst zuerst den Umriss des Pferderückens, bevor ein „digitaler Rückenabbilder“ in Sekunden ein naturgetreues Modell erstellt. Die Maschine mit fünf motorgetriebenen „Wirbeln“ steht in Büttners Werkstatt. Per Mausklick lassen sich diese so verändern, dass sie der Anatomie des jeweiligen Pferdes entsprechen – und der Sattel genau angepasst werden kann.„Ein Haflinger hat eine andere Form als ein Vollblut, ein Rennpferd ist anders als Brauereipferd“, erklärt Büttner. Neben dem Scanner stehen die hölzernen Werkbänke, auf denen die Sättel angefertigt werden. Es riecht nach Leder, es wird gehämmert und geklopft.

Berührungsängste kennt Büttner nicht. Er spricht von einer „wunderbaren Chance“: „Die Digitalisierung soll ja nicht gegen uns, sondern mit uns arbeiten.“ Die Vorteile liegen für den Meister auf der Hand. Mit dem Scanner können mehr Pferde pro Tag vermessen werden, weniger Nachbesserungen sind nötig, der Sattel sitzt passgenau. Nachfragen kommen aus ganz Deutschland, das System hat er auch an eine englische Sattelbaufirma verkauft. „Wir könnten das theoretisch weltweit aufziehen.“ Vom Sattlermeister zum Entwickler, der den Scanner selbst oder auch Daten weiter vertreibt: Büttner ist ein Beispiel dafür, wie das Digitale neue Geschäftsfelder öffnen kann. „Digitalisierung betrifft letztlich alle Branchen – auch das Handwerk, so heterogen es mit seinen verschiedenen Gewerken ist“, sagt der Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Karl-Sebastian Schulte.

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erstellt am 12.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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