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Reise und Tourismus

03. Dezember 2016 | 01:18 Uhr

Rio Grande : Zeitreise ins unbekannte Texas

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im „Großen Bogen“ des Rio Grande hat der amerikanische Pioniergeist deutliche Spuren hinterlassen.

Die Erdkugel von oben? Texas liebt es höher, schneller und weiter. Dies gilt natürlich auch für die Stadt Midland im Südwesten des Staates. Denn diese verfügt bereits heute über die technischen Möglichkeiten, mutige Zeitgenossen in gerade einmal drei Minuten hundert Kilometer nach oben zu katapultieren. Vierhundert zahlungskräftige Mutige haben sich, so Luftfahrtingenieur Mark Peck, bereits mit dreifacher Schallgeschwindigkeit in Richtung Weltraum schießen lassen, um sich mit diesem Parabelflug im Zustand der Schwerelosigkeit ihren persönlichen Lebenstraum zu erfüllen.

Der spiralförmige Wiedereintritt des eleganten Raumgleiters in die Erdatmosphäre gibt schließlich den Blick frei auf eine bizarre Felslandschaft im südlichen Texas. Und auf den sie weiträumig umfließenden Rio Grande, der hier mit seinem „Großen Bogen“ zugleich die texanisch-mexikanische Grenze markiert.

Während in Midland die Zukunft offensichtlich schon begonnen hat, scheint hier im „Big Bend“ die Zeit stehen geblieben zu sein. Besonders dort, wo sich das alte wilde Texas in seiner Lebensweise noch erhalten hat. Mit seiner Frontier-Mentalität, die heute allerdings keine Apachen oder Komantschen mehr zu fürchten braucht und aus diesem Grund von rassigen Pferden auf röhrende Bikes umsteigen konnte. So bestimmen die „Easy Rider“ vielerorts das Straßenbild und lassen das Herz höher schlagen. Bis hinüber zum Santa Elena Canyon, in dem sich der Rio Grande in zäher Kraftanstrengung durch eine Gebirgsformation hindurchsägt und mit steilen vulkanischen Felswänden die geologischen Geheimnisse der Region preisgibt.

Ungleich schwerer als die heutigen Biker hatten es vor mehr als hundert Jahren die Minenarbeiter, die dem felsigen Boden bis in zweihundert Metern Tiefe ihren kargen Lebensunterhalt abtrotzen mussten. So wie in der Quecksilbermine von Terlingua, deren Vorräte sich irgendwann erschöpften und nur eine verfallene, aber für heutige Besucher umso aufregendere Geisterstadt zurückließen. Das Interessanteste jedoch sind illustre Gestalten wie Bill und Matthews, die sich auf der Veranda vor dem Souvenirladen tummeln und das Gespräch nicht scheuen. Und die dabei ihre Sehnsucht nach Ferne kompensieren mit dem weiten Blick hinüber zu der Bergkette des angrenzenden Big Bend Nationalparks. Zunächst gleitet er jedoch hinweg über den etwas heruntergekommenen Friedhof aus jener alten Zeit. Schlichte Holzkreuze bestimmen hier das Bild und darauf die Namen der natürlich verstorbenen oder aber auf unsanfte Art ums Leben gekommenen Minenarbeiter.

Als eine Welt für sich präsentiert sich auch das Lajitas Golf Resort mit seinen im Gelände versteckten Pferdeställen. Dies ist das Reich von Kellie und Janelle, die als Cowgirls mit Erfahrung und Autorität ihre Reitergruppe durch das schwierige Gelände hindurchmanövrieren. Steil führt der Pfad auf gut trainierten Westernpferden über Stock und Stein hinauf ins Gebirge. So folgt man abschließend bereitwillig dem am Stallgebäude angebrachten Hinweis: „If you like your ride kiss the horse and tip your guide.“

Zivilisierter geht es dagegen zu in Marfa. In jenem einst verschlafenen Städtchen, das in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts als Drehort des Films „Giganten“ mit James Dean und Elisabeth Taylor Berühmtheit erlangte. Und durch Donald Judd, der hier nach dem Zweiten Weltkrieg in Anlehnung an den New Yorker Kunstbetrieb die abstrakte Kunst in die texanische Pampa hineinbrachte. Und dies mit der Absicht, Kunst, Architektur und Landschaft harmonisch miteinander zu vereinen. Texas von seiner kulturell modernsten Seite, wie man sie hier im Big Bend des Rio Grande wahrlich nicht erwartet hätte.

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erstellt am 05.Nov.2016 | 10:00 Uhr

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