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Reise und Tourismus

11. Dezember 2016 | 09:03 Uhr

Tel Aviv : Wolkenkratzer und Bibelgeschichte

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Einst Vorort der historischen Hafenstadt Jaffa, jetzt moderne Metropole und lohnendes Reiseziel

Ausgerechnet Tel Aviv? Lässt die Stadt   nicht   an Krieg und Terror denken, an bewaffnete Soldaten auf Straßen und Märkten, an Dauerkonflikte mit den Palästinensern?

Israelkenner halten dagegen: „In Tel Aviv pulsiert das Leben bis tief in die Nacht, das türkisfarbene Meer lädt selbst im November noch zum Baden ein, und die Menschen sind ausgesprochen freundlich.“

Letzteres ist oft die Rettung: Bereits am Flughafen Ben Gurion sehen sich Touristen mit einem Hauptproblem konfrontiert: die hebräische Sprache ist Trumpf, wenn es um Informationen jeglicher Art geht. Die Ziele von Bus und Bahn, die Fahrpläne und Hinweisschilder: alles in den eleganten, hebräischen Hieroglyphen.

Ganz offenbar sind die Israelis stolz auf ihre Tradition, so stolz, dass selbst Bus- und Taxifahrer immer wieder müde abwinken: „No English“.

Doch irgendein hilfsbereiter Geist ist stets zur Stelle. So landen die Ankömmlinge bald in dem Zug, der vom Flughafen in die City braust und tauchen wenig später in die sommerwarme Stadt mit ihrer betörend schönen Strandpromenade ein.

 

Unter Palmen schlendern zu vorgerückter Stunde junge Nachtschwärmer vorbei an beschirmten Strandcafés, hell erleuchteten Volleyballfeldern und glitzernden Hochhäusern.

Ins arabisch geprägte Jaffa, das bereits 3500 Jahre vor unserer Zeitrechnung besiedelt war und in der Bibel (Buch Jona) auftaucht, zieht es Touristen aus aller Welt, die um die alten Gemäuer des Hafens streifen. Tagsüber ist der Flohmarkt ein beliebtes Ziel, aber nach Sonnenuntergang verlocken vor allem die Restaurants zu einem Besuch. Unter freiem Himmel findet sich immer noch ein Plätzchen am Hafen.

Eine besondere Verkehrsruhe bricht an Jom Kippur aus (September/Oktober). Selbst Radio und Fernsehen schweigen. Dafür fluten Kinder auf Rollern und Dreirädern und junge Leute auf zwei Rädern die Straßen von Tel Aviv, bis tief in die Nacht herrscht ein friedliches Treiben, dem die älteren Leute vergnügt zuschauen.

Eine ältere Dame auf einer Bank an der Promenade kann sich nicht sattsehen an den Kindern, die glücklich am Strand spielen. Dass sie perfekt Deutsch spricht, hat einen schlimmen Hintergrund. Mit sechs Jahren kam sie nach Theresienstadt und blieb dort zweieinhalb Jahre. Sie erinnert sich: „Nach der Befreiung wollte ich kein Deutsch mehr sprechen, es war doch die Sprache des Feindes, aber mein Vater sagte: Die Sprache kann nichts dafür, dass es einen Hitler gab, es gab ja auch Goethe und Bach!“

Die Erinnerung an das unfassbare Grauen des Holocausts wird in Jerusalems Museum Yad Vashem wach gehalten. Es erinnert mit seiner Schiffsform an eine Arche und dokumentiert in neun unterirdisch angelegten Galerien die Geschichte der Judenverfolgung. Hier bellt Hitler seine Hasstiraden und berichten Zeitzeugen von den Greueln dieser Zeit. Filmdokumente bestimmen die eindrucksvolle Ausstellung, für die man mindestens einen halben Tag veranschlagen sollte. Besonders nachhaltige Eindrücke hinterlässt die Kindergedenkstätte. Mit diesem einzigartigen Mahnmal, ausgehoben aus einer unterirdischen Höhle, soll der etwa 1,5 Millionen jüdischer Kinder gedacht werden, die im Holocaust ermordet wurden. Der Besucher hört beim Gang durch die Höhle im Hintergrund die Namen ermordeter Kinder, ihr Alter und ihre Herkunftsländer.

Eine Stunde dauert die Fahrt vom zentralen Busbahnhof Tel Aviv mit dem Bus 405 nach Jerusalem, und immer ist die Hauptstadt eine Begegnung mit der Geschichte und dem Ursprung von Religionen. Allein in Felsendom und Grabeskirche möchte man viele Stunden verbringen, die tiefe Religiösität der Besucher aller Länder erfahren, sehen, wie inbrünstig sie sich in der Grabeskirche auf den Salbungsstein werfen und ihn küssen oder vor der Klagemauer ihre innersten Wünsche ausrufen.

Nicht nur alte, auch viele sehr junge Juden tragen die runde Kappe auf dem Haupt. Und dann das orientalische Treiben in den Basargewölben der Altstadt mit Händlern, die alle Register ziehen, um ihr Geschmeide an die Frau zu bringen, die Gewürzhändler und und und. Zurück in Tel Aviv warten die Boulevards mit ihrer wunderschönen Bauhausarchitektur und türkisfarbenes Meer.

 

 

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erstellt am 19.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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