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Reise und Tourismus

11. Dezember 2016 | 12:56 Uhr

Litauen : Wo Sand die Seele berührt

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Kurische Nehrung steht auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes. Im litauischen Nida finden sich viele Spuren deutscher Kulturgeschichte.

Es war die Abgeschiedenheit einer eindrucksvollen Dünenlandschaft, das einfache Leben der Fischer und das komplexe Licht zwischen Ostsee und Kurischem Haff, das viele Künstler schon vor 150 Jahren ins ehemalige Nidden zog. Bis heute ist dort alles zu beobachten. Himmel und Wasser zeigen sich in unendlichen Abstufungen von Blau, Wolkengebirge türmen sich auf, weiß strahlend oder dunkel drohend, und die Abendsonne taucht die Landschaft in Orange. Auch damals beliebte Motive sind im heutigen litauischen Nida wieder da: bunte Holzhäuser, blühende Gärten, geschnitzte Wimpel der Kurenfischer, die sich im Wind drehen, sowie der eine oder andere restaurierte Kurenkahn.

Von der knapp hundert Kilometer langen und zwischen 3800 und 380 Meter breiten Kurischen Nehrung gehören heute 52 Kilometer zu Litauen und 46 Kilometer zur russischen Provinz Kaliningrad. Ein kurzer Fußmarsch führt von Nidden hinauf zur Parnidis Düne. Aus 52 Metern Höhe bietet sich der Blick hinüber nach Russland und über einen Lebensraum, der stets in Bewegung ist. Wasser und Sand sorgten seit Jahrhunderten für Faszination und Furcht gleichzeitig. Bis der Preußische Staat sich entschloss, die Nehrung wieder aufzuforsten, was letztlich auch 100 Jahre dauerte, hatten die Wanderdünen bereits 14 Dörfer verschluckt. Sechs Meter pro Jahr kam der Sand voran. Erst ein paar Millionen Kiefern konnten ihn größtenteils stoppen.

 

Dieser Sand sei sicher auch etwas gewesen, das Thomas Mann bewog, in Nidden sein Sommerhaus zu bauen, meint Uwe Meyer, der von Fehmarn auf die Nehrung zog und dort die Spuren von Thomas Mann verfolgt. Noch heute stehe sein Name im Grundbuch von Klaipeda. Und die Landschaftsbeschreibungen aus Manns „Joseph in Ägypten“ erinnerten durchaus an Impressionen von der Kurischen Nehrung. Wer heute an Nidas gut besuchtem Ostseestrand durchs warme Wasser watet, kann sich kaum vorstellen, dass Thomas Mann damals auf 100 Kilometern den einzigen, aus Lübeck importierten, Strandkorb besaß.

Drei Litauern, einem Handwerker, einem Schriftsteller und einem Journalisten, sei es zu verdanken, dass das im Krieg beschädigte Haus nicht abgerissen wurde und noch heute besichtigt werden könne, erzählt Meyer. Sie hätten im Moskauer Kultusministerium listig vorgeschlagen, man könne doch das Haus eines Antifaschisten nicht abreißen. Dem wurde nicht widersprochen. Auch wenn der sogenannte „Italienblick“ von der Terrasse nicht an Pinien, sondern nur an Kiefern vorbei weit über das Haff reicht, könnte man geneigt sein, sich dem Urteil Wilhelm von Humboldts anzuschließen, der, lange bevor die ersten Künstler anreisten, bereits festgestellt hatte, die Kurische Nehrung sei so merkwürdig, dass man sie ebenso wie Spanien und Italien gesehen haben müsse, „wenn einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen soll.“
 

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