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Reise und Tourismus

09. Dezember 2016 | 06:47 Uhr

Tourismus : Kroatiens Unterwelt

vom
Aus der Onlineredaktion

In der Höhle der Drachenlarven leben geheimnisvolle Wesen.

Der Abstieg in die Höhle des Drachen führt vorbei an versteinerten Vorhängen. Hunderte von meterlangen Tropfsteinen sind zu riesigen Felsenschleiern verwachsen. Dazwischen führt der Weg tiefer und tiefer in die Finsternis. „Früher glaubten die Menschen, dass dort unten Drachen die unterirdischen Wasserläufe bewachen“, sagt Igor Rimanic. „Niemand weiß so recht, woher diese Legenden stammen.“ Am Ende steht der Höhlenführer 60 Meter unter der Erdoberfläche vor einem See. In dem dunklen Wasser spiegeln sich Hunderte Stalaktiten wie karamellfarbene Eiszapfen.

In den 70er Jahren drangen Taucher tiefer in die Baredine-Höhle in Istrien ein. „Der Höhlentaucher ist der letzte Forscher“, sagt Rimanic. „Solange der Sauerstoff reicht, dringt er in Räume vor, die zuvor niemandem zugänglich waren.“

 

Die Baredine-Höhle im Westen der istrischen Halbinsel ist nur eine von mehr als 10  000 bekannten Höhlen und Grotten in Kroatien. Die weit verzweigten Karstschächte zwischen Slowenien und Montenegro gehören zu den tiefsten der Erde. Sie sind die Heimat des größten und geheimnisvollsten Lebewesens der Unterwelt, des Grottenolms. Das fleischfarbene Tier ähnelt in seiner Körperform einem Aal, hat jedoch zwei ausgedünnte Vorder- und Hinterfüßchen. Der blinde Schwanzlurch verbringt sein ganzes Leben in absoluter Dunkelheit. Hinter den von pigmentloser Haut überwachsenen Augenstellen sitzen rote Kiemenbüschel. Sein larvenähnliches Aussehen verliert er nie.

„Grottenolme werden etwa hundert Jahre alt“, erklärt Rimanic. „Anders als andere Amphibien durchlaufen sie nicht die komplette Metamorphose.“ Das Geheimnis der ewigen Jugend des Olms bleibt jedoch weiter im Dunkeln.

Seit seiner Entdeckung beflügelt die sagenhafte Kreatur aus der Unterwelt die Fantasie des Menschen. Früher erzählte man sich, dass die bis zu 35 Zentimeter langen Lurche in Wahrheit Drachenlarven seien. Manche Kulturwissenschaftler glauben, dass der Grottenolm zur Entstehung europäischer Lindwurmsagen beigetragen haben könnte. Womöglich wurde vor vielen Jahrhunderten einmal einer der furchteinflößenden Höhlenbewohner ans Tageslicht gespült, und die Sage von den Drachenlarven aus der Unterwelt nahm ihren Ausgang.


Informationen: www.croatia.hr



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