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Moorlärche Weißenstein : Der Ötzi unter den Bäumen

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Moorlärche aus dem Südtiroler Eggental ist ein Stück Erdgeschichte.

Wenn der Wötschl-Seppl in seinem breiten Südtiroler Dialekt von der Moorlärche spricht, klingt das in deutschen Ohren immer wie Moorleiche. Hört sich irgendwie nach Edgar Wallace an. Tatsächlich war besagte Moorlärche 7600 Jahre lang unter der Erde begraben, auf einer Wiese im wunderschönen Südtiroler Eggental, in einem Weiler namens Petersberg. Bis zu jenem Tag, als ein Baggerfahrer, der auf der Wiese vom Wötschlbauer eine Drainage zur Entwässerung legen wollte, auf den uralten Baumstamm stieß und Nachbar Toni Santa Wind davon bekam.

Sepp, der alte Bauer mit dem sonnengegerbten Gesicht, wollte den Baum zu Brennholz zerhacken. Doch Toni Santa, immerhin auch schon 60, funkte dazwischen: „Ich hab sofort gespürt, dass das was Besonderes ist“. Er kaufte den Baum was die Dorfgemeinde, einschließlich seiner Ehefrau, für eine spinnerte Idee hielt. Doch Toni blieb standhaft.

Er schickte Holzproben an die Uni Innsbruck, zu den Spezialisten, die sich mit der Dendrochronologie, also der „Lehre vom Baumalter“, beschäftigen. Die Experten fanden heraus, dass die Moorlärche 7600 Jahre alt ist – dagegen ist der Ötzi mit seinen 5200 Jahren ein Jungspund. Toni fühlte sich bestätigt und machte fortan das Projekt Moorlärche zu seiner neuen Lebensaufgabe.

Das alles erzählt Toni, während wir auf einer Bank am Kloster Maria Weißenstein sitzen. Er hat seinen Fund „Moorlärche Weißenstein“ genannt, nach eben jenem Kloster, dem bekannten Wallfahrtsort Südtirols, nur ein paar Kilometer von Petersberg entfernt. Der sympathische Tausendsassa will seine Lärche wissenschaftlichen Zwecken zur Verfügung stellen, etwa um neue Erkenntnisse über die Klimaveränderung zu gewinnen. Auch Künstler hat er ins Boot geholt. Die „Moorlärchen-Art-Family“ schnitzte das Konterfeit von Papst Johannes Paul II., der 1988 Kloster Weißenstein besuchte, ins Lärchenholz, schuf die Ötzi-Familie oder kleine, in Gold gefasste Weinreben und Südtiroler Äpfel aus dem alten Holz. An den Schmuckstücken hängen Echtheitszertifikate auf Englisch, Russisch, Arabisch und Chinesisch. Santa will die Lärche bekannt und auch zu Geld machen. Zunächst einmal, um seine Kosten wieder reinzuholen: „Die Gutachten, die Radiokarbondatierung und das alles hat eine Menge gekostet“. Er spricht von einem sechsstelligen Betrag.

Ein Schweizer Golfmagazin brachte die Moorlärche neulich in einem Bericht über den Petersberger Golfplatz, dem ältesten Südtirols, ins Spiel. „Ein paar Meter südlich von Loch vier“, schrieb der Autor, seitdem schauen eidgenössische Golfer in diesem Bereich ganz genau hin. Auch im Merian-Reiseführer findet der bemerkenswerte Baum Erwähnung. Das Archäologiemuseum Bozen, die neue Heimat des Ötzi, winkte dagegen zu Santas Bedauern ab, als er die Lärche als Ausstellungsobjekt anbot. Also machte der Mann mit der Moorlärche ein eigenes Museum auf – in einer Tankstelle in Aldein. Der Verkaufsraum neben den Tanksäulen, ein Lädchen von 70 Quadratmetern, beherbergt nun einen Teil des Baumstamms. Natürlich sind auch die Werke der Moorlärchen-Family zu sehen: der Ötzi und die Weintrauben aus Lärchenholz, eine Moorlärchentrommel, verschiedene Madonnen. Und vielleicht findet der nimmermüde Südtiroler ja auch noch einen Krimiautoren, der eine Geschichte mit Leiche im Dunstkreis der Lärche zusammenspinnt.


Infos: www.moorlaerche.info




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