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Reise und Tourismus

07. Dezember 2016 | 09:39 Uhr

Äthiopien : Am brodelnden Höllenschlund

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Norden Äthiopiens wartet auf Touristen ein extremes Erlebnis: Eine Wanderung am Kraterrand eines aktiven Vulkans.

Nach Einbruch der Dunkelheit wird es in der nordäthiopischen Danakil-Wüste endlich kühler. Bei nur noch 35 Grad Celsius beginnt für abenteuerlustige Reisende der Aufstieg zum aktiven Vulkan Erta Ale. Im Schein der Taschenlampen bahnt sich der Führer vom Nomadenvolk der Afar einen Weg quer über das Lavagestein. Nach rund vier Stunden Aufstieg ist der Kraterrand erreicht: Der Blick der Reisenden schweift in Richtung der brodelnden Lava.

„Einen aktiven Vulkan zu sehen, ist einfach faszinierend“, sagt die Schweizerin Fabienne Marbacher. Der Erta Ale ist einer der wenigen Vulkane in der Welt, der einen permanenten Lavasee aufweist. Die Mühen des schweißtreibenden Aufstiegs auf den gut 600 Meter hohen Gipfel sind schnell vergessen: Im Dunkel der Nacht wälzt sich die Lava im Vulkankessel vorwärts, bei Eruptionen spritzen glühende Lavafunken meterhoch heraus.

Kamelkarawanen halten die brutale Hitze aus, aber Menschen  leben hier kaum.
Kamelkarawanen halten die brutale Hitze aus, aber Menschen leben hier kaum. Foto: dpa
 

Eigentlich spricht alles gegen eine Reise in die Danakil-Wüste: Sie ist einer der heißesten Orte der Welt, die Unterbringung ist primitiv, Sanitäreinrichtungen gibt es keine, Kalaschnikows dagegen fast überall. Doch belohnt das menschenfeindliche Gebiet Reisende mit faszinierenden Landschaften, die kaum von dieser Welt zu sein scheinen: ein speiender Vulkan, ein Salzsee, der bis zum Horizont reicht, brodelnde Schwefellöcher und schier endlose Kamelkarawanen.

Vom einfachen Lager am Kraterrand des Erta Ale führt ein steiler Weg hinab in die Lava-Wüste des Kraterinneren. Rund um den aktiven Lavasee ist große Vorsicht geboten. Es gibt keinen markierten Weg, keine Sicherheitsvorkehrungen. Die ortskundigen Führer nutzen Erfahrungswerte und Augenmaß, um nicht auf Lava zu treten. An vielen Stellen ist grau-schwarze, frische Lava zum Liegen gekommen und wirft Falten wie zerzauste Bettwäsche. Durch kleine Lücken ist darunter an manchen Stellen noch glühende Lava zu sehen. Die oberste Schicht ist oft noch brüchig.

Nach Mitternacht haben sich alle erstmal am Vulkan sattgesehen. Einfache Matratzen werden ausgebreitet, geschlafen wird unter einem beeindruckenden Sternenhimmel. Um der schlimmsten Hitze zu entgehen, beginnt der Abstieg am Morgen schon vor Sonnenaufgang.

grafik reise dpa danakil 11-2016
Foto: dpa
 

Die Danakil-Wüste sitzt auf einer Kreuzung tektonischer Platten der Erdkruste. Das erklärt die vulkanische Aktivität. Die karge Region des sogenannten Afar-Dreiecks wird vom muslimischen Nomadenvolk der Afar dominiert. Es lebt seit Jahrhunderten vom Salzabbau und der Aufzucht von Kamelen, Eseln und Ziegen.

Das Auswärtige Amt rät von Reisen in das Gebiet ab. Im Januar 2012 ereignete sich am Erta-Ale-Vulkan ein Raubüberfall, bei dem unter anderem zwei deutsche Touristen getötet wurden, weitere wurden wochenlang festgehalten. Seither wurden die Sicherheitsmaßnahmen im Gebiet der Danakil merklich verstärkt: Unterhalb des Vulkans und am Kraterrand sind Soldaten stationiert, genauso in der Dallol-Senke. Das Auswärtige Amt warnt, in der Region könnten „Überfälle durch Banditen“ und „Entführungen“ nicht ausgeschlossen werden. Seit 2012 hat es dort jedoch keine bekannten Zwischenfälle mehr gegeben. Die Sicherheit hat ihren Preis. Der Anblick von Soldaten in kurzen Hosen und bunten Plastiksandalen mit lose über der Schulter hängender Kalaschnikow ist keine Seltenheit.

Die Fahrt vom Vulkan zur sogenannten Dallol-Senke, die gut 100 Meter unterhalb des Meeresspiegels liegt, beansprucht fast einen ganzen Tag – obwohl es nur rund 80 Kilometer sind. Lange geht es quer durch die brütend heiße Einöde, bis endlich der Assale-Salzsee am Horizont sichtbar wird. Das Wasser des Sees steht etwa knöcheltief auf den schneeweißen Salzplatten. Gespeist aus unterirdischen Quellen, bildet es einen perfekten Spiegel. Die intensiven Farben und das brutale Klima lassen die Szenerie wie erscheinen wie in einem Computerspiel.

Für die Afar ist die surreale Landschaft Alltag, der Salzsee ist die wichtigste Einkommensquelle der Region. Seit Jahrhunderten baut das Volk hier Salz ab. Im 21. Jahrhundert scheint der mühsame und langsame Transport auf dem Rücken der Kamele ein Anachronismus. Doch die stolzen Afar halten an ihrer Tradition fest.

Die Jeeps der Tourgruppen brausen über die flache Salzpfanne nach Osten. Dort warten die Schwefelfelder der Dallol-Senke. Das Gebiet ist nur wenige Kilometer von der eritreischen Grenze entfernt, daher sind nun pro Gruppe drei Soldaten mit Kalaschnikows Pflichteskorte.

Unterirdische vulkanische Aktivität bringt die Mineralien hier an die Oberfläche: Der Schwefel schimmert in allen Gelbschattierungen, aus schneeweißen Salztürmen brodelt Wasser hervor, Eisenablagerungen sorgen für dunkle Rot- und Brauntöne. Es gibt keine Wege, keine Absperrungen, als Besucher wird man Teil des Naturspektakels.

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erstellt am 12.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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