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Recht und Gesetz

05. Dezember 2016 | 21:40 Uhr

Lesertelefon Extra: Erben und vererben : Damit das Erbe nicht zur Belastung wird

vom
Aus der Onlineredaktion

Unsere Experten beantworteten beim Telefonforum zahlreiche Leserfragen zum Thema Erbrecht

Das Interesse an unserem gestrigen Telefonforum „Erbrecht“ war enorm. Die Fragen beantworten die Notarinninen Ute Paetz, Heike Bressel und Birgit Hähling. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir für Sie notiert.

Meine Eltern haben handschriftlich ein Testament errichtet. Ist das gültig?
Ja, wenn es folgende Formvorschriften erfüllt: Das Testament muss von einem Ehegatten mit der Hand geschrieben sein, und beide müssen eigenhändig unterschrieben haben. Auch Ort und Datum sollten nicht fehlen. Das Testament sollte klar und präzise formuliert sein. Schätzungsweise 90 Prozent aller handschriftlichen Testamente enthalten unklare Regelungen. Es empfiehlt sich daher, insbesondere umfangreiche und komplizierte Verfügungen beim Notar zu treffen.

Meine Schwiegermutter ist verstorben. Der Nachlass ist überschuldet. Wie kann meine Frau die Erbschaft ausschlagen?
Ihre Frau hat ab dem Tag, an dem sie von dem Todesfall ihrer Mutter erfahren hat, sechs Wochen Zeit, die Erbschaft auszuschlagen. Dies erfolgt durch eine Erklärung der Ausschlagung beim Nachlassgericht oder vor einem Notar. Zu beachten ist, dass nach der Erbausschlagung die nächsten Verwandten erben. Haben Sie Kinder, sollten auch diese die Erbschaft ausschlagen.

Meine Eltern sind beide verstorben. Wir haben das Testament und den Verzicht meiner Schwester auf den Pflichtteil in einer Schublade gefunden. Was ist zu tun?
Sie sind verpflichtet, das Testament beim zuständigen Amtsgericht (Nachlassgericht) abzuliefern. Der Pflichtteilsverzicht ist nur gültig, wenn er notariell beurkundet ist.

Ich bin Witwer und habe einen Sohn aus erster Ehe, zu dem ich nie Kontakt hatte. Kann ich ihn vom Erbe ausschließen? Ich möchte, dass meine Tochter alles erbt.
Sollen gesetzlich erbberechtigte Personen von der Erbfolge ausgeschlossen werden, muss ein Testament errichtet werden. Bestimmen Sie im Testament Ihre Tochter zur Alleinerbin, ist der Sohn automatisch von der Erbfolge ausgeschlossen. Der Sohn hat jedoch Pflichtteilsansprüche, die durch die Tochter als Erbin zu erfüllen sind. Wie groß der Pflichtteil ist, bestimmt sich nach dem Wert des gesetzlichen Erbteils. Da der Sohn nach dem Gesetz einen Anspruch auf die Hälfte des Erbes gehabt hätte, besteht der Pflichtteil in der Höhe eines Viertels.

Vor zehn Jahren habe ich mir eine Wohnung gekauft und bin Alleineigentümer. Wie kann ich nun absichern, dass nach meinem Tod meine Ehefrau Alleineigentümerin wird und die Wohnung nicht an die Kinder fällt?
Mit einem Testament können Sie Ihre Ehefrau zu Ihrer Alleinerbin bestimmen. Da Sie eine Immobilie vererben, empfehle ich die Errichtung des Testaments vor einem Notar. Das spart die Kosten für die Erteilung eines Erbscheins. Das notarielle Testament reicht als Erbnachweis, der für die Umschreibung im Grundbuch erforderlich ist. Bedenken Sie jedoch auch, dass Ihren Kindern Pflichtteilsansprüche zustehen, die nur durch einen notariellen Pflichtteilsverzicht beseitigt werden können.

Ich habe vor 28 Jahren beim staatlichen Notar ein Testament errichtet. Ist das noch gültig, auch wenn sich die Vermögensverhältnisse geändert haben?
Testamente aus DDR-Zeiten sind nach wie vor gültig. Haben sich die Vermögens- oder Familienverhältnisse gravierend geändert, sollte der Inhalt überprüft und eventuell ein neues Testament erstellt werden.

Sollen Eheleute ein Berliner Testament errichten, wenn jeder der Partner Kinder aus früheren Ehen hat und auch gemeinsame Kinder vorhanden sind?
In Familien mit Kindern aus verschiedenen Ehen kann ein Berliner Testament problematisch sein. Bei einem Berliner Testament setzen sich die Eheleute zunächst gegenseitig zu Erben des jeweils Erstversterbenden ein und bestimmen die Kinder zu sogenannten Schlusserben. Stirbt der erste Partner, sind dessen Kinder enterbt und können Pflichtteilsansprüche gegenüber dem überlebenden Ehepartner geltend machen. Das kann den Verteilungsplan der Ehegatten stören. Es gibt allerdings Möglichkeiten, derartige Ansprüche durch besondere Testamentsgestaltungen, etwa Anordnung einer sogenannten Vor- und Nacherbfolge, zu minimieren.

Ich habe ein Grundstück. Meine Sohn ist Hartz-IV-Empfänger. Was passiert, wenn ich ihm das Grundstück übertrage oder vererbe?
Das Grundstück stellt dann für Ihren Sohn Vermögen dar und muss dem Sozialleistungsträger angezeigt werden. Je nachdem wie werthaltig die Immobile ist, wird die Leistung gekürzt oder muss vor Leistungsempfang unter Umständen verwertet werden. Sie sollten sich bei einem Notar beraten lassen, um Ihrem Sohn wenigstens einen Teil des Vermögens zu sichern.

Ich habe ein handschriftliches Testament errichtet und will jetzt heiraten. Ist das Testament auch danach gültig?
Ja, die Eheschließung ändert nichts an der Gültigkeit des Testaments. Sie haben jetzt jedoch auch die Möglichkeit, gemeinsam mit Ihrem Ehegatten ein sog. gemeinschaftliches Testament zu errichten.

Was kostet ein gemeinschaftliches Testament beim Notar, wenn mein Mann und ich ein gemeinsames Vermögen von 90 000 Euro haben?
Bei Beurkundung eines gemeinschaftlichen Testaments bzw. eines Erbvertrags fällt bei einem Reinvermögen von 90  000 Euro eine Gebühr in Höhe von 492 Euro an. Hinzu kommen jeweils die Schreibauslagen sowie weitere Auslagen wie Telefon und Porto, 15 Euro für die Registrierung im Zentralen Testamentsregister, sowie die Umsatzsteuer von derzeit 19 Prozent.


Wann ist die Festlegung einer Testamentsvollstreckung im Testament sinnvoll?
Die Testamentsvollstreckung ist ein wichtiges Instrument der Testamentsgestaltung. Sie löst Probleme, die entstehen können, wenn zum Beispiel die Erben noch minderjährig sind, Erbengemein-schaften oder behinderte Menschen als Erben bestimmt werden. Wichtig dabei ist, einen guten Vollstrecker zu benennen und diesem präzise Anweisungen zu erteilen. Als Testamentsvollstrecker können Notare, Rechtsanwälte aber auch Angehörige tätig werden.

Können wir durch lebzeitige Übertragung unseres Einfamilienhauses auf unsere Tochter Pflichtteilsansprüche unseres Sohnes verringern, zu dem ich keinen Kontakt habe?
Grundsätzlich ja. Zu beachten ist jedoch, dass die Berücksichtigung schenkungsweise übertragener Gegenstände bei der Pflichtteilsberechnung erst in voller Höhe ausgeschlossen ist, wenn seit der Übertragung zehn Jahre vergangen sind. Der anzurechnende Wert schmilzt jedoch nach jedem Jahr, das seit der Schenkung vergangen ist, um ein Zehntel ab. Fünf Jahre nach der Schenkung sind somit nur noch 50 Prozent des Grundstückswertes zu berücksichtigen. Nach zehn Jahren oder mehr ist die Schenkung insgesamt „pflichtteilsfrei“. Die Zehn-Jahresfrist beginnt allerdings nicht zu laufen , wenn Sie sich umfangreiche Rechte (zum Beispiel ein Wohnungsrecht am gesamten Haus) vorbehalten. Bei der Übertragung auf den Ehegatten beginnt die Zehn-Jahresfrist erst mit Beendigung der Ehe.

Mein Freund und ich sind nicht verheiratet. Ich habe ein Kind, er hat drei Kinder. Derzeit bauen wir. Das Grundstück, auf dem das Haus gebaut wird, gehört mir. Wie können wir uns gegenseitig absichern, wenn einer von uns sterben sollte?
Anders als in einer Ehe sind die Lebensgefährten einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft nicht schon nach dem Gesetz gegenseitig erbberechtigt. Wollen Sie sich gegenseitig absichern, müssen Sie selbst tätig werden. Sie können jeder ein Testament zugunsten des anderen errichten. Der Nachteil besteht jedoch darin, dass jeder sein Testament ohne Wissen des anderen ändern kann. Empfehlenswert wäre ein notarieller Erbvertrag, mit dem beide Partner sich erbrechtlich binden und der nicht einseitig geändert oder widerrufen werden kann. Zu bedenken sind dabei die Pflichtteilsansprüche der jeweiligen Kinder sowie die erbschaftsteuerliche Belastung.


 

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