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Gesundheitsreport : Volkskrankheit Schlafstörung - die unterschätzte Gefahr

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schlafstörungen erhöhen das Krankheitsrisiko – Hintergründe zum DAK-Gesundheitsreport

Alarmierender Befund der DAK-Gesundheit: Schlafstörungen sind zur Volkskrankheit geworden. Seit 2010 ist die Zahl der Menschen, die nur schwer
ein- oder durchschlafen können, dramatisch gestiegen, um 66 Prozent bei den 35- bis 65-Jährigen. Jeder zehnte Arbeitnehmer leidet inzwischen unter besonders schweren Schlafstörungen, heißt es im am Mttwoch vorgelegten Gesundheitsreport der Krankenkasse.

Hintergründe zu den Befunden aus dem Gesundheitsreport 2017 von Tobias Schmidt.

Wie viel Schlaf braucht der Mensch, wo beginnt die Schlafstörung?
Für Erwachsene sind sieben Stunden Schlaf pro Nacht optimal. Bei einer regelmäßigen Schlafzeit von fünf Stunden oder weniger „beginnt die Gefahrenzone“, erläuterte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. Das Risiko für Demenz, Depression, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Schlaganfälle steigt erheblich. Auch wer deutlich länger als sieben Stunden schläft, lebt ungesund, dann steigt insbesondere das Diabetes-Risiko. Von Schlafstörungen sprechen Experten, wenn das Ein- oder Durchschlafen dreimal pro Woche über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten schwerfällt.

„Insomnie“, eine schwere Schlafstörung, liegt vor, wenn die Betroffenen auch tagsüber müde sind und im Beruf und im Sozialleben beeinträchtigt sind.

Schlafen die Deutschen wirklich immer schlechter?
Die DAK hat 5200 Männer und Frauen befragt und die Krankenstand-Daten von
2,6 Millionen Erwerbstätigen ausgewertet. Demnach leiden hochgerechnet 34 Millionen Menschen unter Schlafstörungen, fast 70 Prozent mehr als vor sieben Jahren. Von Insomnie sind laut der Studie 9,4 Prozent der Arbeitnehmer betroffen, 60 Prozent mehr als 2010.

Was passiert bei schweren Schlafstörungen?
Die Ausschüttung von Stresshormonen verändert sich: Betroffene empfinden sich ständig Bedrohungssituationen ausgesetzt. Der Stress wiederum verstärkt die Schlafstörungen – ein Teufelskreis. Oft ist es schwer zu erkennen, ob Schlafstörungen Depressionen verursachen oder umgekehrt. Wer zu wenig schläft, kann sich tagsüber nicht mehr richtig konzentrieren.

Warum leiden immer mehr Menschen darunter?
„Im Job nehmen schwere körperliche Arbeiten seit Jahrzehnten ab, psychische Belastungen hingegen zu“, erklärte DAK-Chef Andreas Storm. Am stärksten betroffen sind Managerinnen und Manager auf der mittleren Ebene, die Druck von ihren Vorgesetzten bekommen und sich überfordert fühlen. Mangelnde Bewegung gilt ebenso als eine mögliche Ursache. Aber auch die Schwierigkeit, vor dem Zubettgehen Handy oder Laptop auszuschalten.

Was hilft?
„Bei ausgeprägten Problemen ist ein Schlafmittel manchmal die einzige Möglichkeit“, erklärte Gesundheitsfachmann Lauterbach. Doch dann muss die Ursachenforschung beginnen: Stecken Mobbing, eine Depression oder andere psychische Belastungen dahinter? Meditation und Ausdauersport können helfen, ebenso regelmäßige Zubettgehzeiten. Oft ist eine Psychotherapie angezeigt. Allerdings sind vergangenes Jahr nur 4,8 Prozent der Erwerbstätigen wegen Schlafstörungen zum Arzt gegangen. Jeder Zweite greift hingegen ohne Rezept und Beratung zur Pille.

>> RKI zu Schlafstörungen
>> Gesundheitsblatt RKI
>> DAK Gesundheitsreport 2017
 

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erstellt am 15.Mär.2017 | 20:45 Uhr

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