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Medizin und Gesundheit

06. Dezember 2016 | 22:47 Uhr

Entzündung : Mandeln als Infektionsherd

vom
Aus der Onlineredaktion

Gerade Kinder und Raucher sind gefährdet. Mit einer medikamentösen Therapie heilt die Entzündung aber in aller Regel folgenlos aus

Die Zunge weit herausstrecken und dann lang und gedehnt „A“ sagen. Wer das wegen Halsschmerzen vor dem Spiegel macht und dabei sieht, dass der Rachen gerötet ist und die Mandeln geschwollen sind, sollte einen Arzt aufsuchen. Kommen zu diesen Symptomen auch noch Fieber und Abgeschlagenheit hinzu, dann verdichten sich die Anzeichen für eine akute Mandelentzündung.

Die Gaumenmandeln, medizinisch Tonsillen genannt, befinden sich im menschlichen Körper quasi am Eingang der Atem- und Speisewege. Gelangen Keime oder Viren in den Mund oder die Nase, werden sie von den Mandeln in der Regel abgefangen. „Insofern schützen die Mandeln den Körper vor Krankheiten und trainieren am Lebensanfang das Immunsystem“, sagt Prof. Jochen Windfuhr. Er ist Chefarzt der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohren-Heilkunde, Plastische Kopf- und Hals-Chirurgie und Allergologie am Krankenhaus Maria Hilf in Mönchengladbach.

Ist der Körper geschwächt – etwa durch Erkältungskrankheiten, psychischen oder körperlichen Stress – dann besteht die Gefahr, dass die Abwehrmechanismen nicht optimal funktionieren. Dann kann es passieren, dass sich Krankheitserreger in dem weichen Gewebe der Rachenregion rasant vermehren. Am Anfang steht oft eine virale Infektion, der in vielen Fällen ein Bakterien-Befall folgt. Aber auch unabhängig davon können sich bakterielle Entzündungen entwickeln. Typische Auslöser sind Streptokokken. Kommt es zu einer bakteriellen Infektion, dann sind auf den geschwollenen Mandeln Eiterstippchen zu sehen. Das sind weiß-gelbliche Ausscheidungsprodukte, die zügig abgelassen werden sollten.

An einer akuten Mandelentzündung können Menschen in jedem Alter erkranken. Aber am häufigsten betroffen sind Kleinkinder, denn im Alter bis zu fünf Jahren sind die Abwehrmechanismen noch nicht so ausgereift wie bei Älteren.

Doch auch Erwachsene können noch eine Tonsillitis bekommen. „Ein Risikofaktor hierfür ist das Rauchen“, sagt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer. Die Entstehung von Entzündungsherden in der Mund-Rachen-Region wird nach ihren Angaben durch Nikotin gefördert.

Ist eine Mandelentzündung erst einmal da, bekommt ein Arzt sie meist problemlos in den Griff. „Verschrieben werden je nach Beschwerden und Verlauf entweder fieber- und schmerzsenkende Präparate oder auch Antibiotika“, sagt Sellerberg.

Der Heilpraktiker Rene Gräber aus Preetz rät, sich zusätzlich einen kalten Wickel um den Hals zu legen, um die Hitze abzuleiten und Schmerzen zu lindern. Um die Halsregion nicht unnötig zu reizen, sollte der an einer Mandelentzündung erkrankte Patient nur weiche Nahrung zu sich nehmen. Wichtig ist auch, viel zu trinken, damit die Krankheitserreger ausgeschieden werden. Am besten nur Wasser oder Kräutertees, da Obstsäfte wegen des Säuregehalts schmerzhaft sein können. Hilfreich kann es auch sein, mit Salbeitee zu gurgeln.

Eine akute Mandelentzündung heilt in aller Regel ohne Komplikationen in einem Zeitraum von ein bis zwei Wochen aus. „Die Infektion ist allerdings für eine bestimmte Zeit ansteckend“, sagt Windfuhr. Erkrankte sollten deshalb erst nach Rücksprache mit dem Arzt wieder in den Kindergarten, in die Schule oder zur Arbeit gehen.

Wird die Krankheit nicht behandelt oder verschleppt, droht eine chronische Mandelentzündung. Da ständig entzündete Mandeln ein Infektionsherd sind, kann dies schwerwiegende Folgeerkrankungen wie etwa Herz- oder Nierenentzündungen nach sich ziehen. Um Komplikationen zu vermeiden, ist manchmal auch eine komplette Mandelentfernung nötig.

Ob eine solche operative Mandelentfernung nötig ist oder nicht, hängt von der Zahl der Mandelentzündungen ab, die in den zurückliegenden zwölf Monaten eine Antibiotika-Therapie erforderten. Haben sich innerhalb eines Jahres mehr als drei akute Mandelentzündungen entwickelt, kann ein Eingriff in Erwägung gezogen werden. „Bei einer Häufigkeit von sechs Mal in einem Jahr ist der Eingriff sicher effektiver als eine alleinige Antibiotikumtherapie“, sagt Windfuhr.

Bei Kindern und Jugendlichen ist das anders: Bei ihnen sind häufig „riesige Mandeln zu finden, die sich für eine Verkleinerung ideal eignen“, erklärt der Facharzt. „Ein eingeschränktes Schlucken und Atmen lässt sich bei derartigen Befunden sofort durch die Operation beseitigen.“ Gerade kleinere Kinder können nach einem solchen Eingriff nachts viel besser atmen.

Studien haben laut Windfuhr auch einen positiven Effekt der Teilentfernung von Mandeln bei deren akuten Entzündungen nachweisen können. Dadurch lassen sich im Vergleich zur Komplett-entfernung Schmerzen nach der OP reduzieren. Außerdem kommt es weniger häufig zu Blutungskomplikationen.

Blutungen nach einer Komplettentfernung sind gefürchtet – denn sie können mitunter lebensgefährlich sein, sagt Windfuhr. „Wegen dieses Risikos sind Mandelentfernungen keine Bagatelloperationen, was vielen Menschen so nicht klar ist.“

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