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Medizin und Gesundheit

26. April 2017 | 10:00 Uhr

Herpes : Bläschen auf den Lippen

vom
Aus der Onlineredaktion

Herpes kommt unbemerkt und bleibt für immer. Säuglinge müssen sofort zum Arzt

Heute geekelt, dann kommt morgen der Lippenherpes - so heißt es im Volksmund. Ganz so einfach ist es aber nicht. Herpes-Viren können im Körper schlummern, ohne dass es der Betroffene merkt. Warum manchmal Bläschen sprießen und dann wieder monatelang gar nichts passiert, wissen Ärzte noch nicht so genau. Vor dem Ausbruch schützen spezielle Cremes - allerdings nur zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Woher kommen die schmerzhaften Bläschen auf der Lippe?

Ursache für den Lippenherpes ist eine Infektion mit Herpes-simplex-Viren. „Die meisten Menschen infizieren sich bereits vor dem fünften Lebensjahr, in der eigenen Familie“, sagt Hermann Josef Kahl. Er ist Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte und auch selbst Kinder- und Jugendarzt. In Deutschland tragen nach Angaben des Robert Koch Instituts schätzungsweise 85 Prozent der Bevölkerung das fachsprachlich HSV-1 abgekürzte Virus in sich. Übertragen wird es über den Speichel oder die Finger - häufig unbemerkt. Denn wer infiziert ist, kann auch jemanden anstecken, kurz bevor ein Bläschen auftaucht. „Häufig verläuft die erste Infektion unbemerkt oder nur mit untypischen Symptomen“, erklärt Prof. Thomas Mertens, Präsident der Gesellschaft für Virologie. Das heißt, die Viren dringen in den Körper ein und vermehren sich, es gibt aber nicht die üblichen Symptome mit Bläschen auf der Lippe.

Wird der Erkrankte die Viren wieder los?

Herpes-simplex-Viren dringen in die Nervenzellen ein und wandern entlang der langen Fortsätze bis in einen Nervenknoten, der in etwa unterhalb der Schläfe sitzt. „In diesem Nervenknoten des sogenannten Trigeminusnervs verbleiben die Viren ein Leben lang“, sagt Prof. Mertens. Die meiste Zeit sind sie inaktiv, das heißt, es werden keine infektionstüchtigen Viren gebildet. Durch bestimmte Trigger können sie jedoch reaktiviert werden und wandern entlang der Nervenzellen zurück an die Hautoberfläche. Während solcher Reaktivierungen treten dann die schmerzhaften Lippenbläschen auf. Sie sind gefüllt mit einer Flüssigkeit, in der sich sehr viele Viren befinden. Kommt ein noch nicht infizierter Mensch mit dieser Flüssigkeit in Kontakt, ist das Risiko einer Infektion besonders hoch.

Was führt zur typischen Bläschenbildung?

Das ist noch nicht ganz genau geklärt. Ärzte vermuten, dass UV-Strahlung oder auch emotionaler Stress Herpes-simplex-Viren aktivieren können. „Manche Frauen beobachten, dass periodische Schwankungen im Zyklus einen Einfluss haben“, sagt Folke Habermann, Dermatologe aus Koblenz. Auch ein geschwächtes Immunsystem kann einen Ausbruch fördern. „Daher bekommen viele Menschen während eines grippalen Infekts zusätzlich einen Lippenherpes“. Dass Ekel zu Lippenherpes führt, sei wenig wahrscheinlich, stellt Habermann klar.

Ist Küssen mit Lippenherpes erlaubt?

Wenn man nicht genau weiß, ob der andere bereits infiziert ist, natürlich nicht. Betroffene sollten dann häufig ihre Hände waschen und die Handtücher, die sie benutzen, öfter wechseln als sonst. „Das Ablecken eines Baby-Schnullers während eines akuten Lippenherpes sollte vermieden werden“, warnt Kahl. Ist der Partner bereits Virenträger und hat selbst regelmäßig Bläschen auf der Lippe, ist es hingegen unwahrscheinlich, dass der direkte Lippenkontakt eine neue Infektion verursacht. Allerdings dürfen die Viren nicht versehentlich auf andere Schleimhäute übertragen werden, beispielsweise in die Augen. Das passiert leicht beim Entfernen von Make-up. Obwohl für Genitalherpes hauptsächlich ein anderer Typ der Herpes-simplex-Viren verantwortlich ist, ist eine Infektion von den Lippen zum Genitalbereich oder umgekehrt grundsätzlich möglich, warnen Ärzte.

Wie wird Lippenherpes behandelt?

Nur in den ersten fünf Tagen wirken Cremes, die bei Lippenherpes die Virenvermehrung eindämmen. Betroffene benutzen sie am besten schon, wenn sie ein leichtes Kribbeln verspüren. „Sobald die Bläschen eintrocknen und die typische Kruste entsteht, sind sie wirkungslos“, erklärt Dermatologe Habermann. Dann reiche auch eine einfache Zink-Lotion aus.

Bei häufig wiederkehrenden und großflächigen Herpes-Infektionen helfen eventuell antivirale Tabletten. Einen Impfstoff gegen das Herpes-simplex-Virus gibt es dagegen noch nicht.

Kann es Komplikationen geben?

In Ausnahmefällen treten bei Säuglingen schon nach der ersten Infektion schwere Symptome auf. „Bei ihnen ist teilweise die ganze Mundschleimhaut mit Aphten überzogen, so dass sie nicht mehr trinken wollen“, erklärt Kinder und Jugendarzt Kahl. Im Volksmund spricht man auch von Mundfäule. „In seltenen Fällen kann es auch zu einer Enzephalitis, einer Gehirnentzündung, kommen“, warnt Kahl.

Unbehandelt kann sie tödlich enden, in vielen Fällen bleiben Folgeschäden. Deswegen sollten Eltern schon zum Arzt gehen, wenn sie den Verdacht haben, dass ihr Kind sich mit Herpes angesteckt hat.

 

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