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Liebe, Flirt und Partnerschaft

16. Januar 2017 | 11:57 Uhr

Studie : Warum leise im Bett besser ist

vom
Aus der Onlineredaktion

Viele Männer, deren Partnerin beim Sex laut stöhnt, fühlen sich bestätigt. Doch das ist so nicht richtig

Es ist in Stein gemeißelt, auf endlose Filmrollen gebannt, von der Werbeindustrie in unzähligen Variationen genutzt und natürlich am (Männer-) Stammtisch immer und immer wieder bestätigt: Frauen, die beim Sex laut stöhnen, sind glücklich. Denn Stöhnen klingt nach Lust und Leidenschaft. Doch viele Frauen stöhnen aus einem ganz anderen Grund.

In der Logik von Pornoindustrie, Sexfilmen oder Werbebranche gilt: Je lauter die Frau stöhnt, desto größere Lust bereitet ihr der Mann. Nimmt Mann sich dieser Logik an, wird er sich über lautstarke Bekundungen der Partnerin sicherlich freuen. Doch womöglich zu Unrecht. Denn zwei britische Forscher haben sich mit diesen, wie sie es nennen, „copulatory vocalizations“ (in etwa: Kopulationslaute) von Frauen beschäftigt und dabei festgestellt, dass Frauen diese Laute nicht aus Lust, sondern eher aus Frust von sich geben. Im Rahmen der Studie wurden 71 Frauen zwischen 18 und 48 Jahren befragt. Die Forscher wollten wissen: Welche Geräusche geben die Frauen beim Sex von sich? Warum, und vor allem wann machen sie diese Geräusche? Vor, während oder nach ihrem Orgasmus? Dabei stellten die Forscher fest, dass viele Frauen den eigenen Orgasmus lieber im Stillen erleben. Lautes Stöhnen begleite hingegen eher den männlichen Höhepunkt. Und zwar aus einem bestimmten Grund: Denn – davon gingen 92 Prozent der befragten Frauen aus – Stöhnen würde das männliche Selbstbewusstsein fördern. 87 Prozent gaben an, ihr Stöhnen auch genau zu diesem Zweck einzusetzen. Denn „Kopulationslaute“, so die Befragten, sollen dazu dienen, dem Sex ein schnelleres Ende zu bereiten. Sprich: den Mann schneller kommen zu lassen. Gründe dafür seien Müdigkeit, Schmerzen, Langeweile, aber auch Zeitdruck, so die Studienteilnehmerinnen.

Tja, von wegen sexuelle Lust. Stöhnen, so lassen sich diese Ergebnisse interpretieren, ist vielmehr Teil eines sexuellen Skripts, das die eigentlichen Bedürfnisse und Wünsche überschreibt. Lautes Stöhnen, so interpretiert es die Studie, ist demnach nichts anderes als Sprachlosigkeit. Denn es überdeckt das, was wirklich gemeint ist – und führt dazu, dass Frauen wie Männer in ihren sexuellen Rollenbildern steckenbleiben. Dabei lässt sich über Lust und Unlust doch auch reden. Und zwar bestenfalls offen und ehrlich. Das ist zwar sicherlich nicht immer einfach, aber befriedigender.

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