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Liebe, Flirt und Partnerschaft

08. Dezember 2016 | 09:00 Uhr

Liebe : Monogamie auf dem Prüfstand

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zwei Wissenschaftler stellen die klassische Paarbeziehung in Frage.

Wer auf Zweisamkeit als Basis einer Partnerschaft baut, muss jetzt ganz stark sein: Der Mensch ist nicht für Monogamie gemacht. Das jedenfalls behaupten der Psychologe Christopher Ryan und die Psychiaterin Cacilda Jethá, die seit Jahren das Sexualleben der menschlichen Spezies sowie ihrer prähistorischen Vorfahren untersuchen. Ihre Erkenntnisse fassten sie in ihrem Buch „Sex. Die wahre Geschichte“ zusammen. Und das stellt den verhaltensbiologischen Mainstream auf den Kopf. Es sind revolutionäre Ansichten, die die Autoren zwar nicht wirklich beweisen können, mit anthropologischen Erkenntnissen aus den Anfängen der Menschheit vor gut fünf Millionen Jahren und dem Gattungsverhalten der nächsten Verwandten heute, den Menschenaffen, durchaus überzeugend untermauern. Gleichzeitig nehmen Ryan und Jethá die menschliche Doppelmoral aufs Korn, die so gern den sexual-gesellschaftlichen Standard, also das übliche Partnerschaftsmodell, als ethisch saubere Norm propagiert und dabei stets und überall gegen diese Norm verstößt. Ryan und Jethá kommen zu dem Schluss, dass der Mensch im Vergleich zu anderen Lebewesen eine „übersteigerte Sexualität“ besitzt. „Kein Tier macht über weite Teile der ihm zugedachten Lebensspanne einen derartigen Wirbel um Sex – noch nicht einmal die Bonobos mit ihrer bekanntermaßen ausgeprägten Libido.“ In Paarbindung lebende monogame Tierarten seien in der Regel hyposexuell, sie praktizierten Sex nur zum Zweck der Fortpflanzung. Es gibt etliche weitere Aspekte, die die Sexualforscher analysieren, zum Beispiel „Das Märchen von der schwachen weiblichen Libido“, Strategien im „Kampf der Geschlechter“, die „Genetische Vaterschaft“ oder „Das wahre Maß des Mannes“ – um nur einige zu nennen. Am Ende aber münden alle Überlegungen in dem Wunsch des Menschen nach Abwechslung. Die beiden in Barcelona lebenden Wissenschaftler wollen damit nicht zum Fremdgehen aufrufen. Vielmehr soll es als Denkanstoß für neue Lebensmodelle wie Patchworkfamilie verstanden werden.

 

 

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erstellt am 12.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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