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Essen und Trinken

02. Juli 2016 | 09:23 Uhr

Rechte der Gäste : Kinderteller auch für Erwachsene?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Häufige Fragen in Restaurants haben weniger mit Gesetz und Recht als mit guten Manieren und Dienst am Kunden zu tun

Wer Christopher Lück die vermeintlich wunderliche Frage stellt, ob sich auch ein Erwachsener – oder gar ein Kind – einen Seniorenteller bestellen dürfe, erfährt zunächst, dass dieses Begehren nach Auskunft „überhaupt nicht kurios“, sondern „eine Klassiker-Frage“ sei. Und Lück muss es wissen, denn er ist Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Berlin.

Entsprechend routiniert verweist er denn auch da-rauf, dass es in diesem Bereich keinerlei gesetzlich verbriefte Ansprüche des Gastes gebe. Strenggenommen könne ein Restaurantbesucher nicht einmal verlangen, überhaupt ein bestimmtes Gericht gebracht zu bekommen, das auf der Karte stehe. Dieser Service sei vor Gericht nicht einklagbar, sondern unterliege letztlich einzig und allein dem Hausrecht des Wirts. „Es gibt keinen juristischen Vollzugszwang, dass eine bestellte Pizza auch serviert werden muss“, sagt Lück – so wie ein zimmersuchender Hotelgast auch keinen Anspruch auf ein Zimmer habe, wenn dies dem Hotelier nicht passe. Der Gast muss eine Speise umgekehrt allerdings bezahlen, wenn er sie geordert hat, egal ob er sie dann isst oder nicht.

„Letztendlich bestimmt ein Gastronom die Spielregeln, und der Kunde muss sich danach richten“, sagt Lück. Ins Absurde gesteigert, dürfte ein Wirt seinen Schweinebraten sogar ausschließlich Frauen anbieten, ihn Männern also verweigern – das alles ist allein seine Entscheidung, sein Geschäftskonzept. Doch „natürlich soll der Gast ja wiederkommen“, weshalb strittige Fragen „im Optimalfall“ einvernehmlich geklärt werden könnten.

Davon abgesehen hat ein Restaurantbetreiber oder Gastwirt mehrere Möglichkeiten, statt des altmodisch klingenden Seniorentellers kleinere Portionen anzubieten, und tatsächlich werde dies heutzutage durch eine vielfältige und flexible Wortwahl auch getan. Der Gastronom kann zum Beispiel formulieren: „Für den kleinen Hunger“ oder „Für zwischendurch“ – und beim Kinderteller entsprechend: „Für unsere jungen Gäste“, „Für Kinder“ oder auch – mit einem hoffentlich erkennbaren Augenzwinkern – „Für halbe Portionen“.

„Jeder Gastronom, der seine Gäste behalten möchte, sollte kleinere Portionen anbieten, erst recht, wenn danach gefragt wird“, sagt der Dehoga-Sprecher. „Zum Beispiel dann, wenn ein Gast darum bittet, ob er etwas weniger haben könne als die normale Portion, und ob man dann auch beim Preis etwas machen könne.“ In der Regel werde in der Verköstigungsbranche auf solche Wünsche „auch eingegangen“.

Anders liege der Fall, „wenn ein Gast gerne die beiden Fischstäbchen für 2,50 Euro haben möchte“, die auf der Speisekarte eigentlich für Kinder vorgesehen sind. Ein solches Ansinnen missachte die ungeschriebenen Spielregeln. Speisekarten sind schließlich mit Bedacht durchkalkuliert, und manche Gerichte subventionieren andere – so wie generell die relativ teuren Getränke das vergleichsweise billige Essen. Deshalb finden viele Wirte es auch nicht so prickelnd, wenn ein Gast auf dem Trockenen sitzen bleiben möchte. Und deswegen auch die häufigen, bisweilen auch hartnäckig erscheinenden Fragen nach einem weiteren Glas Bier oder Glas Wein.

Allerdings könne ein Gast mit Faible für Fischstäbchen sein Glück mit einer charmanten Frage an den Kellner versuchen, etwa so: „Darf ich Sie mal ganz ehrlich fragen: Mich lächeln hier auf der Speisekarte die beiden Fischstäbchen an – darf ich die bitte auch als Erwachsener haben?“ Werde der Wunsch abgelehnt, sind laut Lück zwei Konsequenzen denkbar: Entweder der Gast bringt Verständnis für diese Weigerung auf, oder er wird das Lokal nie wieder betreten. Vorstellbar auch, dass der Kellner sagt: „Natürlich bringe ich Ihnen das!“ Und möglich ist auch, dass dafür 4,50 Euro verlangt werden, „weil die 2,50 eben ein Kinderpreis sind“, den der Wirt eigens für die jüngsten Gäste „rationiert und kalkuliert hat“.

Lück zufolge ist jedoch Flexibilität in der Gastronomie ein Unternehmensziel, und insofern solle man ruhig danach fragen, ob ein Sonderwunsch erfüllt werden könne, auch wenn es darauf keinen Rechtsanspruch gebe. Und schließlich könne der enttäuschte Kunde zur Not „ja auch das Restaurant verlassen“.

Manche älteren – oder um Klartext zu reden: alten – Gäste mögen einen Begriff wie Seniorenteller unhöflich oder gar diskriminierend finden. Dann könnten sie den Restaurantbetreiber darauf ansprechen. Und wer sich als Vierzigjähriger geniert, den Seniorenteller zu bestellen, dem bleibt noch der lächelnd vorgetragene Verweis, er sei schließlich Senior-Consultant, Senior-Partner oder Senior-Agent. Die Stellenbörsen in Zeitungen oder im Netz wimmeln nur so von diesen Bezeichnungen. Und auch solche Leute müssen essen.

Der Sinn des Seniorentellers besteht übrigens weniger darin, alten Menschen leichter kaubare oder besser verdauliche Gerichte anzubieten. „Es geht dabei unserer Beobachtung nach um die Portionsgröße“, sagt der Dehoga-Sprecher. Denn ältere Menschen sind dafür bekannt, dass sie oft nicht so viel schaffen wie jüngere. Dem kommen Wirte durch kleinere Portionen entgegen.
Dass für die halbe Portion allerdings auch nur die Hälfte berechnet werde, müsse nicht sein. Denn auch bloß ein Kloß statt zweier oder die Hälfte der üblichen Kartoffelbeilage muss ja die Personalkosten für Zubereitung und Service einspielen – oder diese wenigstens angemessen widerspiegeln. „Ein Unternehmer muss rechnen, sonst wäre er keiner, und auch die Gastronomie will Geld verdienen“.

Deshalb hofft Lück auf Verständnis bei den Besuchern von Gasthäusern und Restaurants, wenn ein Wirt freundlich erläutere, warum er ein bestelltes Gericht nicht als halbe Portion anbieten oder auf andere Weise teilen könne oder möchte. Er wird dies in aller Regel sorgfältig durchgerechnet und dafür seine Gründe haben. Und eine halbe Ente lasse sich eben nicht gut noch einmal teilen, insgesamt also vierteln.

Das alles lässt sich auch auf andere Sonderwünsche übertragen. Weigert sich ein Gastronom zum Beispiel, einem Gast eine Portion Fritten für den kleinen Hunger zuzubereiten, weil dieses simple Gericht gar nicht auf der Karte stehe, dann ist das sein gutes Recht. „So etwas passiert in der Praxis auch“, sagt Lück. „Der Gast kommt nicht wieder, der Gastronom hat einen Kunden verloren.“ Und dennoch: „Das Restaurant muss dem Gast die Pommes nicht machen.“ Aber natürlich sei jeder Sonderwunsch eine Chance, einen womöglich noch neuen Gast für sich zu gewinnen und dauerhaft ans Haus zu binden – vom Zufallsgast über den Sonderwunsch zum Stammkunden, sozusagen.

Was Sie im Restaurant beachten sollten

Trinkgeld

Beim Trinkgeld im Café oder im Restaurant sollten Sie nicht knauserig sein. Angemessen sind  etwa 10 Prozent des gemachten Umsatzes, sagt Hans-Michael Klein von der Knigge-Akademie. Die Servicekräfte in der Gastronomie seien auf das Trinkgeld angewiesen. Die Wirte zahlten selbst häufig nur einen sehr geringen Lohn – und planten das Trinkgeld der Gäste fest mit ein. Deshalb sei es nicht in Ordnung, dem Kellner das Geld vorzuenthalten. Außerdem haben die, die sich einen Restaurantbesuch leisten können, ehrlicherweise auch noch 10 Prozent Trinkgeld über, erklärt Klein.

Hunde

Wer seinen Vierbeiner mit ins Restaurant nehmen will, muss einiges beachten. Hundehalter sollten sich einen ruhigen Platz suchen, am besten irgendwo am Rand. Hier ist der Hund keinem im Weg und kann sich auch mal ausstrecken. Damit das Tier im Lokal keine Unruhe verbreitet, sollte er das Kommando „Platz“ beherrschen. Denn nichts ist für die anderen Gäste lästiger als ein fremder Hund, der ihnen um die Beine streicht und sie anbettelt.  Besitzer sollten ihrem Tier etwas zum Spielen mitnehmen. Geruchsintensive Leckerlis, die beim Zerkauen Krach machen, sind nicht geeignet.

Handy auf dem Tisch

Viele legen das Smartphone direkt neben den Teller – ein absolutes Tabu. Dabei gibt es keinen Unterschied zwischen  Fast-Food-Kette oder Sterne-Restaurant. Das Handy sollte auf jeden Fall stumm geschaltet werden und nicht auf dem Tisch liegen. Wer essen geht, sollte die Gesellschaft und die Speisen genießen.  Andere Gäste wollen nicht hören, welche Probleme man gerade in der Firma oder mit dem Ehemann hat. Wer ständig das Handy fixiert, wird schnell zum Ärgernis für seine Begleitung. Lässt sich ein Gespräch gar nicht vermeiden, sollte man schon vorher nachsehen, wo man ungestört telefonieren kann.

 
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