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Familienmodell : Mutti soll zu Hause bleiben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mama bleibt bei den Kindern, Papa verdient das Geld – so läuft es in den meisten Familien. Cornelia und Alf Brokmeier haben es anders gemacht – und erzählen von Karriereknicks und nervigen Sprüchen.

Cornelia Brokmeier, 37, ist Fachärztin für Allgemeine Chirurgie

Sie hat bei ihrem ersten Kind Magnus (fast 3) nach Ablauf der Elternzeit voll gearbeitet. Jetzt ist sie mit ihrem zweiten Kind schwanger und seit einigen Wochen in Mutterschutz.

„Die Entscheidung für ein Kind war gar nicht so einfach, weil man als Klinikärztin mit Nachwuchs eigentlich verloren hat. Da heißt es klipp und klar: ‚Mit Kind können Sie die Oberärztin aber vergessen!‘ Doch ich hatte Glück mit meinem Chef und bin im vergangenen Jahr trotzdem Oberärztin geworden. Ich hatte nach der Geburt von Magnus zunächst ein Jahr Elternzeit. Dass ich danach wieder voll eingestiegen bin, hatte mit einem Engpass in der Klinik und mit finanziellen Gründen zu tun: Ich verdiene drei bis vier Mal so viel wie mein Mann.

Als ich wieder anfing zu arbeiten, sagten viele: ‚Du arbeitest voll? Ich könnte das nicht!‘ Das hat mich echt genervt. Oder die Leute fragten: ‚Hat dein Mann denn kein Problem damit?‘ Da merkt man, wie wir in unseren Rollenbildern sind: Es wird erwartet, dass Mutti zu Hause bleibt. Ich wurde schon sehr in die Ecke der Karrieremutter geschoben, die sich nicht um ihr Kind kümmert. Und Alf wurde idealisiert. Wenn ich müde zur Arbeit kam, weil ich mir die Nacht mit unserem fiebernden Sohn um die Ohren geschlagen hatte, hieß es: Selber Schuld. Tat Alf das Gleiche, war er der Superpapa, der sich für sein Kind aufopfert.

Ich bin durch Bereitschaftsdienste auf 60 bis 70 Stunden Wochenarbeitszeit gekommen. Manchmal habe ich mich schon ein bisschen außen vor gefühlt und war traurig, wenn ich nicht bei meiner Familie sein konnte. Andererseits habe ich nicht das Gefühl, viel verpasst zu haben. Manche sagten: ‚Aber dann siehst du ja seine ersten Schritte gar nicht!‘ Doch, es waren dann meine ersten Schritte von Magnus. Ich glaube nicht, dass er darunter gelitten hat, dass ich nicht da war. Die beiden haben das echt gut gemacht. Natürlich hat Magnus mich vermisst – aber er vermisst auch seinen Papa, wenn der nicht da ist. Dass Mütter besser für ihre Kinder da sind als Väter, stimmt nicht. Nach unserem zweiten Kind würde ich gern etwas reduzieren und Alf etwas aufstocken, so dass die Kinder von uns und wir von ihnen etwa gleich viel haben. Ich würde dann aber immer noch 50 bis 55 Stunden pro Woche arbeiten.“

Alf Brokmeier, 38, ist Physiotherapeut

Nach elf Monaten Elternzeit bei seinem Sohn Magnus hat er seine Wochenarbeitszeit auf 20 Stunden reduziert.

„Conny ist ehrgeizig und nicht angetreten, um in ihrem Job dahinzudümpeln. Wenn sie die Chance hat Karriere zu machen, was ja auch ein Stück weit Zufriedenheit bedeutet, ist das gut und völlig in Ordnung für mich. Wir haben gar nicht lange diskutiert, es lag wegen ihres höheren Gehalts auf der Hand, dass ich reduziere.

Mir kommt der Gedanke sehr deutsch vor, dass der Mann arbeiten geht. Ich habe nicht den Anspruch, der Familienernährer zu sein. Zum Glück habe ich eine unglaublich nette Chefin und kann mir meine Arbeitszeiten relativ frei einteilen. Ich habe Magnus morgens zum Kindergarten gebracht und ihn nachmittags wieder abgeholt.

Bevor ich zur Arbeit gegangen bin, habe ich dann noch den Haushalt gemacht. Mir macht es sehr viel Spaß, mit Magnus zusammen zu sein; ich fühle mich manchmal sogar privilegiert, dass ich so viel Zeit mit ihm verbringen darf.

Die Menschen in meinem Umfeld haben ganz unterschiedlich darauf reagiert, dass ich in Teilzeit arbeite: Die Frauen finden es toll, dass ich mich so viel um Magnus kümmere. Viele ältere Frauen sagen: ‚Bei mir wäre nicht daran zu denken gewesen!‘

Sie hätten aber gern die Möglichkeit gehabt und finden es gut, dass sich die Gesellschaft ändert. Es sind eher ganz alte Damen, die fragen: ‚Warum bleiben Sie denn zu Hause? Meinen Sie, Ihr Kind braucht Sie?‘

Die Männer haben dagegen eher den klassischen Gedanken, dass der Mann Geld verdienen muss, sie fragen dann Sachen wie: ‚Was machen Sie nochmal? Babyurlaub?‘ Oder sie sagen: ‚Das könnte ich ja nicht, dass meine Frau das Geld nach Hause bringt und ich mich um das Kind kümmere.‘

Manchmal ist es schon ein wenig merkwürdig, dass Conny die Rechnungen bezahlt, aber es ist ok für mich. Erst kam sie dran, jetzt lege ich langsam los. Ich mache ein berufsbegleitendes Master-Studium – irgendwann möchte ich mich selbstständig machen.

Von Conny ist es eine Riesenleistung: Sie kommt nach einem langen Tag nach Hause und ist sofort Mama.“

 

 

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