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Eltern und Kind

03. Dezember 2016 | 12:32 Uhr

Sehschwächen bei Kindern : Guck doch mal!

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sehschwächen bei Kindern werden oft nicht richtig erkannt, dabei ist gutes Sehen für ihre Entwicklung entscheidend. Worauf Eltern achten sollten, weiß Augenärztin Carola Ackermann.

Wenn die Kleinen abgeschlagen aus der Schule nach Hause kommen und oft über Kopfschmerzen klagen, die Hausaufgaben zur echten Qual werden oder Zappelphilipp der zweite Vorname ist, dann macht sich bei Eltern Hilflosigkeit breit. Dabei kann es oft eine ganz einfache Erklärung dafür geben: einen Sehfehler.

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland 10 bis 15 Prozent der unter Sechsjährigen unter einer Sehstörung. Doch oft werden diese nicht richtig oder überhaupt nicht diagnostiziert. Während der regelmäßige Kontrollbesuch beim Zahnarzt fest im Kalender steht, werden Augen eher stiefmütterlich behandelt. „Dabei ist gutes Sehen maßgeblich für die schulischen Leistungen und eigene Persönlichkeit mitverantwortlich. 80 Prozent unserer Informationen kommen über das Auge“, so Carola Ackermann, Fachärztin für Augenheilkunde.

Neben einer Entwicklungsverzögerung, Konzentrationsschwäche, permanenter Unruhe oder dichtem Herangehen an Bücher und Fernseher können auch häufiges Blinzeln und ein Schiefhalten des Kopfes Hinweise sein. Da das Sehen und die Zusammenarbeit beider Augen sich in den ersten acht bis zehn Lebensjahren entwickeln, kann auch nur in diesem Zeitraum eine Sehschwäche positiv beeinflusst werden. Häufige Ursachen sind Fehlsichtigkeiten, wobei vor allem die Kurzsichtigkeit immer mehr zunimmt. „Wenn Kinder viel auf Handy, Tablet oder Fernseher gucken, stellt sich das Auge auf Dauer oft auf Kurzsichtigkeit ein und verlernt quasi in die Ferne zu sehen“, erklärt Carola Ackermann.

Eine der wenigen offensichtlichen Schwächen ist das Schielen (Strabismus). „Durch Abkleben des gesunden Auges kann man das schwächelnde Auge meist gut trainieren“, so die Ärztin. Selten sind auch Erkrankungen wie Tumore und Grauer Star die Ursache. „Aber das kann bereits bei Kindern vorkommen“, weiß die Fachfrau. Ist erst einmal ein Defizit festgestellt, geht es meist nicht mehr um ein „Happy End ohne Brille“, sondern um ein möglichst gutes Sehvermögen ein Leben lang. Die Möglichkeit, die Linse per Laser korrigieren zu lassen, ist erst im Erwachsenenalter möglich. „Das Auge muss ausgewachsen und die Sehstärke über eineinhalb Jahre konstant geblieben sein“, erklärt die Augenärztin.

Schlechtes Sehen kann man übrigens erben und das über Generationen hinweg. Deswegen mahnt Carola Ackermann auch: „Besonderns wenn es in der Familie Brillenträger und Augenerkrankungen gibt, sollte man bei seinen Kindern genauer hinsehen. Lieber einmal zu viel beim Augenarzt zu Besuch sein, als einmal zu wenig.“

Ergeben muss man sich seinem Schicksal nicht, denn man kann vorbeugen. Wenn es um die kindliche Augengesundheit geht, spielt für Carola Ackermann eine gute Ernährung eine besonders Rolle. „Die Augen sind ein Teil des Gehirns und so extrem auf eine gute Versorgung angewiesen. Sie sind beispielsweise viel anspruchsvoller als unsere Gelenke.“

Um gut funktionieren zu können, benötigt das Auge Nähr- und Sauerstoff. Auch genügend Flüssigkeit (keine koffeinhaltigen Getränke), ausreichend Bewegung und Schlaf gehören unbedingt dazu. „Das Auge erholt sich nur, wenn es dunkel ist.“ Bei extremer Mangelernährung kann im schlimmsten Fall der Sehnerv absterben.

Damit Kinderaugen fit bleiben, brauchen sie reichlich Tageslicht und einen „weiten Blick“. „Die Kleinen sollten möglichst oft draußen spielen und immer wieder dazu animiert werden, in die Ferne und nicht nur auf Bildschirme zu gucken,“ gibt Carola Ackermann Eltern mit auf den Weg.

 

 

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erstellt am 15.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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