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Eltern und Kind

09. Dezember 2016 | 01:00 Uhr

Cyber-Grooming : Gefährlicher Chatpartner

vom
Aus der Onlineredaktion

Sexuelle Anmache nach harmlosen Dialogen: Beim Cyber-Grooming stellen Erwachsene Kindern im Internet nach.

Ein vermeintlich harmloser Chat, bei dem es aber nach einer Weile um Sex und Nacktfotos geht: Beim Cyber-Grooming stellen Erwachsene Kindern im Internet nach. Betroffene sollten sich in einem solchen Fall Eltern oder Freunden anvertrauen – und Beweise sichern.

Cyber-Grooming passiert in Chats, sozialen Netzwerken oder beim Spielen von Onlinegames: Harmlose Dialoge verwandeln sich in sexuelle Anmache. Betroffen sind Kinder und Jugendliche, die von vermeintlich Gleichaltrigen angeschrieben werden. In Wirklichkeit verbergen sich dahinter aber meist Erwachsene mit sexuellem Interesse an Kindern. Sie versuchen anfangs durch unverfängliche Themen, Vertrauen zu den Kindern aufzubauen. Später verlangen sie dann intime Bilder oder wollen sich sogar treffen.

„Wenn Kindern oder Jugendlichen so etwas passiert, ist ihnen das sehr peinlich“, erklärt Susanne Rödiger. Sie ist Medienpädagogin bei „Juuuport“, einem Portal, das von der Niedersächsischen Landesmedienanstalt getragen wird. Auf dem Portal beraten ausgebildete Jugendliche Gleichaltrige, die im Netz belästigt werden.

Die Scham sei das größte Hemmnis, sich Eltern oder Freunden anzuvertrauen, sagt Rödiger. „Außerdem kommt es natürlich sehr stark auf das Vertrauensverhältnis zu den Erwachsenen an.“

Wenn sich Kinder in einem Fall von Cyber-Grooming an ihre Eltern wenden, sei die erste Reaktion sehr wichtig. Die müsse lauten: „Was da passiert ist, muss dir nicht peinlich sein. Es ist richtig, dass du auf mich zugekommen bist.“ Wenn möglich, sollten sich Eltern den Chatverlauf zeigen lassen und einen Screenshot machen. Nur so kann die Anmache im Netz zur Anzeige gebracht werden. Außerdem sollte man den Chatpartner dem Betreiber der Website oder des Chats melden. „So verhindert man, dass derjenige andere anschreibt“, erklärt Rödiger.

Können Eltern ihr Kind davor schützen, dass es im Internet angemacht wird? „Eine umfassende Kontrolle ist natürlich nicht möglich.“ Aber Eltern können mit ihren Kindern besprechen, was sie von sich in Chats preisgeben: Der Nachwuchs sollte mit Namen, Adressen, Urlaubsbildern im Bikini oder Badehose und anderen Daten geizig umgehen.

Auch Telefonnummern sollten Chatpartner auf keinen Fall bekommen. „Wichtig ist auch, sich bei Chats nicht gleich in private Chats zurückzuziehen, nur weil man dazu aufgefordert wird“, rät Rödiger.

Während des Chatverlaufs sollten Kinder immer wieder hinterfragen: Schreibt der andere so, wie ich das auch von meinen Freunden kenne? Oder stellt der oder die mir komische Fragen? Wenn jemand nachhakt: „Was trägst du gerne für Unterwäsche?“, muss man stutzig werden, sagt die Medienpädagogin.

Eltern sollten ihrem Kind außerdem einschärfen, dass es sich auf keinen Fall mit dem Chatpartner treffen soll – vor allem nicht alleine bei ihm zu Hause oder an einsamen Orten. „Wir wissen, dass es leider trotzdem oft gemacht wird. Dann sollten sich Jugendliche wenigstens einen guten Freund als Unterstützung mitnehmen.“

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erstellt am 26.Nov.2016 | 07:30 Uhr

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