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Eltern und Kind

25. Februar 2017 | 01:15 Uhr

Familie : Eine Kita wie im „Märchen“

vom
Aus der Onlineredaktion

Mitten in Sibirien werden Mädchen und Jungs in einem deutschen Kindergarten betreut – und wir können von ihnen lernen.

„Alle Vöglein sind schohon daaaa!“ Hell klingen die Kinderstimmen durch den Raum. Es geht musikalisch zu im Kindergarten. Zu volkstümlicher Ländlermusik wirbeln Mädchen und Jungen über einen weichen Teppich. Das alles wirkt ein bisschen altmodisch und ist doch irgendwie vertraut.

Wir sind zu Gast in der Kita „Märchen“, mitten in Sibirien – im deutschen Herzen Russlands, dem Regierungsbezirk „Asowo“. Die Kinder führen ihren Besuchern vor, was sie alles können. Sie stammen aus Familien, deren Ururururgroßeltern Ende des 19. Jahrhunderts die Dörfer gegründet haben, in denen sie heute leben. Sprache, Traditionen und Kultur von damals sind hier mit nur wenigen Veränderungen bewahrt worden. Und so ist es ein Stück deutsche Vergangenheit, die in dem Gebiet – in etwa so groß wie die Insel Rügen – überlebt hat.

Dennoch: Das Leben in Asowo ist „in vielen Bereichen sehr modern und offen. Da können wir für unsere Bildungs- und Betreuungsarbeit etwas lernen“, sagt Heiko Frost, und deshalb ist er auch hier. Als Geschäftsführer eines großen Kinder- und Jugenddienstleisters ist der Flensburger auf der Suche nach Austausch und Anregungen für die pädagogische Arbeit zu Hause. Mitten hier, im deutschtümelnden Russland?

Was auf den ersten Blick etwas seltsam erscheint, wird klar, wenn Tatjana Gommer – Leiterin der Kita „Märchen“ – über ihre Arbeit erzählt. Gemeinsam mit 26 Mitarbeitern kümmert sie sich täglich in großen, offenen Räumen um 290 Kinder.

Manche der Mädchen und Jungs sind fix im Kopf, andere brauchen Zeit, um hinterherzukommen, wieder andere haben körperliche Einschränkungen – aber trotz all dieser unterschiedlichen Begabungen sprechen viele ziemlich gutes Deutsch. Alle Kinder verbringen ihre Zeit in der Kita gemeinsam. Es macht keinen Unterschied, ob eines besonderen Unterstützungsbedarf hat oder nicht. Jeder wird individuell nach seinen Bedürfnissen persönlich gefördert.

Tatjana Gommer engagiert sich für „ihre“ Kinder und deren deutsche Wurzeln. Vor drei Jahren reiste sie deshalb zu einem Treffen deutscher Minderheiten nach Dänemark. Das, sagt Heiko Frost, sei „eine glückliche Fügung“ gewesen. Sie kamen persönlich in Kontakt und schnell folgte der berufliche Austausch.

Was können wir von euch lernen?, lautet die gegenseitige Frage mit Blick auf die gemeinsame Kultur, die heute verschiedene Gesellschaften ausgeprägt hat. Was die Antwort darauf betrifft, sind sich die Beteiligten einig: Ein offenes und tolerantes Miteinander zu leben, stehe im Vordergrund.

Aufeinander neugierig zu sein und „auch mal kritisch bei sich selbst zu schauen“, helfe der persönlichen wie der gesellschaftlichen Entwicklung, meint Heiko Frost. „Wir teilen im Austausch eigene Erfahrungen und lernen selbst menschlich und methodisch dazu.“

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