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Digital

10. Dezember 2016 | 03:59 Uhr

Aufrüstung bei Deutscher Bahn : Wlan im Zug: 2. Klasse ausgebremst

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kein Internet-Zugang und abgebrochene Telefonate sorgen bei Bahnfahrern häufig für Verdruss: Das soll sich nun ändern

In den ICE-Zügen der Deutschen Bahn soll ein stabiler Internet-Zugang ab 1. Januar Standard sein – auch in der 2. Klasse. Die Bahn erläuterte jetzt die Details der Aufrüstung – mit Grenzen.

Was ist neu bei der Bahn?

Sie stattet die drahtlosen Funknetze (Wlan) ihrer rund 250 ICE derzeit mit einer modernen Technik aus. Dabei werden alle Mobilfunknetze an einer Bahnstrecke genutzt. Das Steuerungssystem greift auf die jeweils schnellsten Netze (LTE, UMTS) zu und kann die Kapazitäten mehrerer Netzbetreiber bündeln. Bislang wurde nur das Telekom-Netz angezapft.

Was liegen die Probleme bei Datenverbindungen in einem Zug?

Der schnelle Wechsel der Funknetze bei bis zu Tempo 300 mit bis zu 800 Fahrgästen pro ICE, die gleichzeitig ins Internet wollen, ist schwierig. Das neue System verteilt die vorhandene Bandbreite möglichst gerecht, wobei Fahrgäste der 1. Klasse einen Tempo-Vorteil beim Surfen haben.

Wie schnell und wie viel kann man das Internet nutzen?

In der 2. Klasse liegt die Datenrate laut Bahn bei knapp unter einem Megabit, in der 1. Klasse bei über einem Megabit pro Sekunde. Für Fahrgäste der 2.  Klasse gilt ein Datenlimit von 200 Megabyte (MB) pro Tag und Gerät – auch dann, wenn man mehrere Züge benutzt.

Mit dieser Datenmenge lassen sich bei einer mehrstündigen Fahrt problemlos E-Mails auch mit Anhängen senden und empfangen, man kann chatten und Seiten im Internet aufrufen. Wer sich allerdings Videos ansieht, hat das Limit schon nach einigen Minuten erreicht. Sobald die Grenze von 200 MB erreicht ist, wird die Verbindung langsamer, das Tempo soll aber nach Auskunft der Bahnexperten noch deutlich über 128 Kilobit pro Sekunde liegen.

Kann man mehr Volumen nachkaufen?

Noch nicht. Die Bahn will den Praxistest abwarten. Wenn es technisch möglich ist, will sie später eine Speed-on-Option anbieten, also mehr schnelles Internet für einen Extra-Preis.

Was kann das Netz im Zug ausbremsen?

Insgesamt soll der Internet-Zugang im ICE „deutlich schneller und stabiler“ werden als bisher, verspricht die Bahn. Es gilt aber auch: Je mehr Geräte am zuginternen Wlan hängen, desto geringer die Bandbreite für jeden Einzelnen. Außerdem sind die Mobilfunknetze entlang der ICE-Trassen unterschiedlich stark. „Wir können nur das einsammeln, was da draußen ist“, erläutert Bahn-Fernverkehrschefin Birgit Bohle.

Zehn Megabit pro Sekunde sieht die Bahn als minimale Bandbreite an, um allen Fahrgästen noch eine halbwegs komfortable Internet-Verbindung ermöglichen zu können. An 15 Prozent der ICE-Strecken werde das jedoch auch mit der neuen Technik nicht erreicht. Auf diesen Abschnitten kann eine Verbindung abreißen, muss es aber nicht, denn oft sind die Lücken nur kurz und kaum spürbar.

Wie weit ist die Bahn mit der Umrüstung?

Die neue Wlan-Technik ist nach Angaben der Bahn in 90 Prozent der 250 ICE eingebaut, bis Jahresende sollen alle Züge der Flotte umgerüstet sein. Die Bahn investiert in diese Technik und in ein neues Unterhaltungsprogramm mit Spielfilm-Angeboten rund 120 Millionen Euro.

Was ändert sich noch, zum Beispiel beim Telefonieren?

Der Abbruch von Telefonaten in ICE und Intercitys soll bald die Ausnahme sein. Dafür installiert die Bahn im Großteil ihrer Flotte neue Signalverstärker (Repeater). In einem ersten Schritt werden bis Sommer 2017 in den Handy-Bereichen der ICE die alten Repeater durch neue ersetzt. Bis Ende 2018 sollen die übrigen Wagen folgen.

Neu ist auch, dass die Fahrgäste dank der Repeater den Internet-Datentarif ihres eigenen Anbieters nutzen können. Sie haben so außer dem Bahn-Wlan eine Zusatzmöglichkeit zum Surfen.

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erstellt am 30.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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