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Digital

04. Dezember 2016 | 15:19 Uhr

Alter und technik : Welche Technik Senioren brauchen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ein Smartphone versteht Oma sowieso nicht? Unsinn! Die Technik kann jeder lernen, sagen Experten

Geht es um neue Technik, winken Oma, Opa oder die Großtante oft ab. „Dafür bin ich zu alt“, heißt es. Ein Irrtum, sagen Experten: Man müsse die Geräte nur nutzen wollen – und im Alltag tatsächlich brauchen.

Technische Geräte würden in Studien ganz unterschiedlich angenommen, sagt Marten Haesner. Er leitet die AG Alter und Technik der Forschungsgruppe Geriatrie an der Berliner Charité. „Das liegt aber weniger am Alter oder an der Technik-Akzeptanz.“ Entscheidend sei der individuelle Nutzen. Wer die Vorzüge etwa eines Tablets entdeckt, ist oft begeistert. In einer Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom gaben etwa 50 Prozent der Senioren mit Smartphone an, das Gerät erleichtere ihren Alltag. Und jeder Vierte (25 Prozent) erklärte, er könne sich ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen.

Doch welche Geräte brauchen Senioren wirklich? Barbara Keck von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen wirbt vor allem dafür, das Internet zu nutzen. „Gerade wenn man älter wird, wenn die Wege beschwerlicher werden, bietet das Internet sehr viele Möglichkeiten.“ Elektrogeräte bestellen, Behördenformulare ausfüllen, Öffnungszeiten oder das Wetter abrufen. Wichtig ist die Kommunikation mit Familie und Freunden: „Mailen, Bilder von den Enkeln bekommen, Erfahrungen austauschen – das nutzen und schätzen Ältere sehr“, sagt Keck.

Welches Gerät man dafür wählt, hänge von den Bedürfnissen ab: Wer für sein Ehrenamt viel mit Texten arbeitet, sei mit einem Laptop gut beraten. Wer viel unterwegs ist und gerne ein schnelles Foto macht, dürfte ein Smartphone oder Tablet praktisch finden. „Wir empfehlen die Geräte, die die gesunde Lebensführung unterstützen, die es ermöglichen, dass ältere Menschen länger zu Hause leben können“, sagt Wissenschaftler Haesner.

Aber auch Apps sind Älteren behilflich: Das gilt für Navigationsdienste, Reiseführer oder die Taschenlampen-Funktion des Smartphones. Hinzu kommen viele Möglichkeiten im Gesundheitsbereich: „Die Technik bietet für sensorische, motorische und kognitive Defizite Lösungen“, sagt Haesner. Dazu zählen Apps zur Spracherkennung für Menschen mit Sehschwäche, Apps, die ans Trinken erinnern oder Armbänder, die Schritte zählen.

Spezielle Senioren-Modelle seien kein Muss. „Sinnvoll ist das, wenn ein Gerät etwa über größere Buchstaben verfügt und der Senior das braucht, weil er nicht mehr gut sieht, oder wo das Handy hörgerätekompatibel ist“, so Erhard Hackler von der Deutschen Seniorenliga . Ansonsten wollten Senioren keine Sondermodelle. Geräte wie Smartphones, Tablet oder Notebooks lassen sich ohnehin individuell einstellen, auch für Menschen mit Seheinschränkungen.

Doch wie begegnet man Skepsis? Die Experten sind sich einig: Es braucht Menschen, die einem die neuen Geräte erklären und die Senioren auch im weiteren Gebrauch beraten. Beim Kauf von Geräten sei oft die Buchung eines Installationsservices ratsam, der die wichtigsten Funktionen einrichtet, sagt Keck. „Das kostet natürlich etwas, aber ich würde lieber bei der Technik sparen und stattdessen in guten Service investieren.“ Die Deutsche Seniorenliga empfiehlt, sich für den Kauf – etwa eines Smartphones – viel Zeit zu nehmen und sich zu nichts drängen zu lassen. Kaufkriterien seien etwa, ob ein Gerät leicht verständlich ist, gut in der Hand liegt und das Display kontrastreich ist.

Olivia Konieczny

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