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Digital

04. Dezember 2016 | 23:16 Uhr

Unsere Datenspur im Netz

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Datensammelei kleiner und großer Onlinedienste ist nicht automatisch schlecht / Wann wird es gefährlich?

Datenschutz ist wichtig. Das sagen Experten, das sagen Unternehmen, das sagen Politiker und Internetnutzer. Aber warum eigentlich? Und warum sammeln Firmen im Netz überhaupt so viele Daten? Was passiert damit – und wann wird es gefährlich?

„Viele digitale Dienste funktionieren nur durch die Verarbeitung von Daten“, sagt Susanne Dehmel, Expertin für Datenschutz beim IT-Verband Bitkom. Wer etwas online bestellen will, muss seinen Namen eingeben, wer bezahlt, seine Kreditkartennummer. Und ohne Adresse keine Lieferungen.

Daneben existiert allerdings noch eine zweite Kategorie persönlicher Informationen, die bei der Interaktion mit einem Dienst automatisch entstehen. Das können zum Beispiel die Inhalte von E-Mails und Nachrichten sein, Suchanfragen in Online-Shops oder der Aufenthaltsort bei einem Kartendienst. Die meisten Anbieter werten auch solche Daten aus.

Ziel ist dabei zunächst, den Service zu verbessern. „Wenn Sie ständig nach Golf-Zubehör suchen, bekommen Sie entsprechende Angebote irgendwann automatisch angezeigt“, sagt Christoph Meinel, Direktor des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam. Die Datenverarbeitung nützt hier also zuerst dem Verbraucher. „Grundsätzlich werden die Daten nicht gesammelt, um Menschen zu ärgern, sondern um ihnen jeden Wunsch von den Augen abzulesen“, so Meinel. Allerdings hört das Geschäft mit den Daten hier noch nicht auf.

Viele Anbieter treiben mit den gesammelten Informationen und daraus gebildeten Profilen Handel. „Dann bekommen Sie die Angebote irgendwann auch von anderen Anbietern“, sagt Meinel. Das kann negative Konsequenzen haben. „Was Sie kaufen, verrät aber auch immer mehr über Sie – zum Beispiel, wie finanzkräftig Sie sind“, so Meinel.

Oft verkaufen Anbieter gesammelte Daten aber auch nicht, sondern nutzen sie selbst für zielgerichtete Werbung. Das ist das zentrale Geschäftskonzept von Online-Diensten wie Google oder Netzwerken wie Facebook. „Oft ist das die einzige Möglichkeit für die Unternehmen, mit solchen Diensten überhaupt Geld zu verdienen“, sagt Susanne Dehmel. Der Nutzer profitiert davon, weil er für die Dienste kein Geld bezahlen muss.

Mit gesammelten, verkauften und für Werbung genutzten Daten kursieren über jeden Internetnutzer also zahlreiche Informationen im Netz. Wer genau was weiß, ist für den Einzelnen kaum nachvollziehbar. Das finden längst nicht alle Nutzer gut: Nach einer Studie von TNS Emnid im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) machen sich knapp zwei Drittel der Umfrageteilnehmer (63 Prozent) große oder sehr große Sorgen darüber, dass sie nicht wissen, wer ihre Daten nutzt.

Jede einzelne Information in den Datensammlungen verschiedener Online-Dienste mag noch harmlos sein. Anders liegt der Fall, wenn aus den Schnipseln ein Gesamtbild entsteht. Endgültig zur Gefahr werden solche Informationen, wenn sie in die falschen Hände geraten – zum Beispiel durch einen Hackerangriff auf die Server der Dienste. „Damit können Sie auch erpressbar werden“, warnt Meinel. Kriminelle können die Informationen aber auch zum Identitätsdiebstahl nutzen, und dann auf fremde Kosten einkaufen.

Verbraucher müssen sich also nicht nur darauf verlassen können, dass ihre Online-Dienstleister keinen Unfug mit Daten anstellen. Sie müssen auch sicher sein, dass er die Daten gut schützt. „Das liegt immer ein wenig in der Verantwortung des Konsumenten, mich darüber zu informieren, mit welchem Anbieter ich mich einlasse“, sagt Meinel.

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