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Digital

24. August 2016 | 14:10 Uhr

Gefährliche Handymanie : Unfallursache Smartphone

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schnell eine SMS am Steuer tippen oder beim Stadtgang den Weg auf dem Smartphone checken – mailen, simsen und telefonieren am Lenkrad oder Gehsteig führen zu immer mehr Unfällen. Schätzungen zufolge sind zwei Millionen Verkehrsunfälle darauf zurückzuführen. Eine Aufklärungskampagne der Verkehrswacht will jetzt vor den Gefahren warnen.

Ähnliche Unfälle können tödlich enden, doch die 17-Jährige hatte noch vergleichsweise Glück: Mit ihrem Blick aufs Smartphone gerichtet überquert sie die Straße, ein Autofahrer kann nicht mehr ausweichen und fährt sie an. Die junge Frau stürzt, sie kommt mit leichten Blessuren davon. Abgelenkt vom Smartphone - diese Unfallursache findet sich immer wieder in Polizeiberichten. Dabei geht es nicht mehr nur um telefonierende Autofahrer, sondern eben auch um Fußgänger.

Die Verbreitung von Smartphones - also internetfähigen Mobiltelefonen - hat in den vergangenen Jahren rasant zugenommen. Der Branchenverband Bitkom geht davon aus, dass sechs von zehn Bundesbürgern ab 14 Jahren gelegentlich ein Smartphone nutzen. „Die Leute werden unaufmerksamer“, sagt Petra Reetz, Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Konzernweit versorgen 6500 Fahrer die Hauptstadt mit U-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen. Abgelenkte Fußgänger, die noch knapp vor der heranquietschenden Tram über die Gleise laufen, sind für die Fahrer nicht neu. 1979 kam der erste Walkman auf den Markt, seither sind viele Fußgänger mit Musik auf den Ohren unterwegs. Die BVG machte schon vor Jahren mit der Kampagne „Achte auf deine Linie!“ auf Gefahren aufmerksam. Als Problem ist jetzt hinzugekommen, dass Smartphone-Nutzer auch mit den Augen nicht mehr auf den Verkehr achten. Stattdessen rufen sie im Gehen E-Mails ab oder schreiben WhatsApp-Nachrichten. Das hat auch der Auto Club Europa (ACE) beobachtet. Im Sommer 2013 analysierten ehrenamtliche Helfer das Verhalten von insgesamt etwa 30 000 Kraftfahrern, gut 36 000 Fußgängern und mehr als 13 000 Radfahrern an Zebrastreifen. Fehler machten dort alle drei Gruppen, auch die Fußgänger: „Im Mittel mehr als 13 Prozent der Erwachsenen schalten am Zebrastreifen gedanklich völlig ab und schlendern über die Straße, ohne vorher nach links und rechts geschaut zu haben“, bilanzierte der ACE. Und ergänzte: „Dabei sind sie häufig mit ihrem Smartphone beschäftigt.“ Die Polizei führt keine Statistiken darüber, wie oft Smartphones bei Unfällen eine Rolle spielen. Aus dem Polizeipräsidium Stuttgart heißt es aber: „Vermutlich haben diese Unfälle zugenommen, alleine schon aufgrund der ansteigenden Verbreitung der Geräte (...).“ Für Autofahrer werden ein 60-Euro-Bußgeld und ein Punkt in Flensburg fällig, wenn sie mit dem Handy am Steuer erwischt werden. Wer als Radfahrer telefoniert, muss 25 Euro zahlen. Für Fußgänger gibt es solche Strafen nicht, der Gesetzgeber sieht sie trotzdem in der Pflicht. Der Sprecher des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR), Sven Rademacher, verweist auf die Straßenverkehrsordnung. Paragraf 1 lautet unter anderem: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“„Gefühlte Unterforderung“ - das ist für den ADAC-Verkehrspsychologen Ulrich Chiellino ein Grund dafür, dass sich Fußgänger mit dem Smartphone ablenken. Er empfiehlt: Einfach mal schauen, was um einen herum passiert - sei es, andere Leute zu beobachten oder auf erste Frühlingsvorboten zu achten. Hauptsache ist, die Augen aufzumachen.

 

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