zur Navigation springen

Digital

05. Dezember 2016 | 21:40 Uhr

Computerspiele : Spiele lieber später kaufen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fehlende Features und Inhalte, Bugs und ein relativ hoher Preis: Warum es sich lohnt, Videospiele nicht am Erscheinungstag zu erwerben

1,2 Milliarden Euro: So viel Geld haben Computerspieler in Deutschland 2015 für neue virtuelle Abenteuer ausgegeben. Das geht aus Zahlen des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) hervor. Die Frage ist nur: Wie viel Spiel gibt es für dieses Geld? Zumindest die großen Hits kosten zum Start 60 bis 70 Euro, als Sammler-edition mit Extras gerne noch mehr. Wer jedoch ein paar Monate wartet, bekommt selbst erfolgreiche Spiele oft deutlich günstiger.

Das war nicht immer so, gerade auf dem Konsolenmarkt. Doch seit es dort alle Titel auch als Download gibt, hat sich das geändert. „Auf digitalen Marktplätzen entscheiden nicht mehr die Händler über den Preis, sondern Entwickler oder Publisher direkt“, erklärt Lewis Ward, Forschungsdirektor für den Bereich Gaming beim Marktbeobachter IDC.

Vorreiter in Sachen digitaler Schlussverkauf sind Marktplätze für PC-Spiele wie Steam oder GOG. Selbst aktuelle Titel gibt es hier bei großen Verkaufsaktionen manchmal für nur ein paar Euro. Und auch auf der Konsole sind seit dem Start von Playstation 4 und Xbox One deutlich mehr Sonderangebote zu finden als zuvor. Immun gegen sinkende Preise scheinen nur Nintendo-Hits wie „Mario Kart“, die auch Jahre nach dem Launch noch immer 50 bis 60 Euro kosten.

Anderswo profitieren geduldige Spieler von niedrigeren Preisen – und bekommen oft auch noch bessere Spiele. Denn selbst Titel großer Hersteller kämpfen bisweilen mit Startproblemen, die erst später per Update repariert werden. „Von Seiten der Entwickler ist es völlig klar, dass es solche Fehler gibt, das ist im Risikomanagement quasi eingeplant“, sagt Jörg Müller-Lietzkow, Professor für Medienökonomie und -management an der Universität Paderborn. „Das sollen natürlich nur kleine Fehler sein, die einen Titel nicht unspielbar machen – solche Fälle gibt es aber auch immer wieder.“

So lief etwa „Batman: Arkham Knight“ für den PC bei Verkaufsstart auf kaum einem Rechner sauber. In „Halo: The Masterchief Collection“ funktionierten die meisten Multiplayer-Modi nicht.

Selbst technisch saubere Spiele wie der Rollenspiel-Hit „The Witcher 3“ wurden im Laufe der Zeit noch verbessert. Späte Käufer von „The Witcher 3“ bekommen zudem nicht nur ein besseres Spiel, sondern auch ein umfangreicheres: Die „Game of the Year Edition“ enthält neben dem regulären Spiel auch zwei kostenpflichtige Erweiterungen.

Ähnliche Angebote gibt es nach einiger Zeit auch bei anderen Spielen, oft unter Titeln wie „Game of the Year Edition“ oder „Legendary Edition“. Und Online-Rollenspiele wie „Star Trek Online“ und „Star Wars: Knights of the Old Republic“, für die früher neben dem Kaufpreis noch eine Monatsgebühr fällig wurde, gibt es inzwischen teils gratis.

Warum kaufen viele Spieler neue Titel dann trotzdem am Tag eins? Meistens liegt das daran, dass sie einfach nicht warten wollen. Doch sowohl für das schnelle Zuschlagen als auch fürs Abwarten gibt es gute Gründe – je nach Spiel, Spieler, Publisher und Erwartung. „Spieler müssen da am Ende für sich selbst abwägen, was ihnen wichtiger ist“, sagt Müller-Lietzkow. „Wollen sie direkt dabei sein und mitreden können, oder wollen sie ein ausgereiftes, durch einen Patch verbessertes Produkt, auf das sie vielleicht ein halbes Jahr warten müssen?“

Tobias Hanraths

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen