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Digital

07. Dezember 2016 | 09:39 Uhr

In 72 Stunden zum Mega-Deal

vom
Aus der Onlineredaktion

Internet-Historie: Vor genau zehn Jahren kaufte Google in einer Blitzaktion die Videoplattform YouTube für 1,65 Milliarden Dollar

Der Mega-Deal wurde in einem Restaurant am Rande des Highways eingefädelt. Alles sollte möglichst unauffällig über die Bühne gehen. Vor genau zehn Jahren kaufte der Internet-Riese Google für 1,65 Milliarden Dollar die Videoplattform YouTube. Es war der bis dato teuerste Zukauf in der Google-Geschichte – und vielleicht einer der schnellsten Deals dieser Art. An einem Wochenende im Oktober 2006 wurde das Geschäft in trockene Tücher gebracht. Das Ganze habe sich innerhalb von 72 Stunden abgespielt, erinnerte sich YouTube-Mitgründer Steve Chen: „von den ersten Übernahme-Gesprächen bis zur Bekanntgabe nach Börsenschluss am Montag“.

Nur 19 Monate zuvor, im Februar 2005, hatten die drei ehemaligen PayPal-Mitarbeiter Chen, Chad Hurley und Jawed Karim YouTube gegründet, das eigentlich als Dating-Plattform starten sollte. „Die Idee war, dass sich die Leute mit Kurzvideos vorstellen“, sagte Chen. Nachdem sich aber nach fünf Tagen niemand gemeldet habe, sei der Dienst für alle möglichen Videos geöffnet worden. „Somit kamen dann auch die süßen Katzenvideos und alles andere.“ Nach den Anlaufschwierigkeiten setzte der Erfolg rasant ein: YouTube zählte nach eineinhalb Jahren etwa 100 Millionen Videoabrufe pro Tag.

Mehrere Interessenten klopften bei dem Start-up an, das mit etwa 65 Mitarbeitern im kalifornischen San Bruno agierte. „Aber Google war die richtige Wahl“, sagte Chen rückblickend. Das Start-up habe dringend Hilfe bei der Internationalisierung, aber auch in technischen Bereichen gebraucht. Mehr als 50 Prozent der User kamen nach Angaben des heute 38-Jährigen bereits von außerhalb der USA. Zudem zeichnete sich die mobile Internetnutzung als wichtiger Markt ab.

In den kommenden Jahren entwickelte sich die Plattform zum Massenphänomen. 2012 knackte der koreanische Rapper Psy mit „Gangnam Style“ als erster die Marke von einer Milliarde Abrufen. 2014 konnte man zuschauen, wie auf der ganzen Welt Menschen zu Pharrell Williams Hit „Happy“ tanzten. Und YouTube-Stars – von LeFloid bis zu Bibi mit ihrem „Beauty Palace“ – sind die Teenie-Idole von heute.

Zehn Jahre nach der Übernahme durch Google hat YouTube heute mehr als eine Milliarde Nutzer. Der Dienst steht in 76 Sprachen zur Verfügung. Minütlich werden weltweit mehr als 400 Stunden Material hochgeladen.

Allerdings, so gigantisch die Zahlen sind – ob und wie viel Geld Google letztendlich mit YouTube verdient, ist unbekannt. Die Marktforschungsfirma eMarketer schätzt, dass 2014 etwa 1,13 Milliarden Dollar Umsatz mit Werbung gemacht wurde. YouTube selbst erklärte 2015, dass die Partnerumsätze im Werbebereich im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gestiegen seien, „bereits das dritte Jahr in Folge in dieser Höhe“.

Doch YouTube steht dennoch vor Problemen: Prominente Künstler wie Lady Gaga, Coldplay oder Ed Sheeran beschwerten sich erst im Sommer bei der EU-Kommission, dass der Dienst durch seine Gratisangebote die Musik entwerte. Die Branche kritisiert, dass YouTube gemessen an seiner Größe viel zu wenig Geld abgebe.

Ein weiterer Vorwurf, der YouTube – aber auch Facebook und Twitter – gemacht wird, ist, nicht effizient genug gegen problematische Inhalte wie etwa islamistische Propaganda oder Hasskommentare vorzugehen. Nach Angaben der Google-Tochter löschte der Konzern 2014 weltweit 14 Millionen Inhalte, 2015 waren es bereits 92 Millionen.

Allerdings wächst auch die Menge des hochgeladenen Materials rasant und hat sich von 2014 bis heute vervielfacht.

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