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Digital

09. Dezember 2016 | 04:59 Uhr

Digitale Helferlein : Im Bann des Schrittzählers

vom
Aus der Onlineredaktion

Schrittzählende Armbänder liegen im Trend. Doch spornen die elektronischen Helferlein wirklich an, sich mehr zu bewegen?

Ob beherzt drauf los schreitende Menschen im Park oder Fußballmütter, die am Spielfeldrand ihre Sprösslinge anfeuern und dabei auf der Stelle marschieren: Digitales Schrittezählen ist angesagt und das Fitness-Armband aus dem Alltag vieler kaum noch wegzudenken. Eine Aussage wie „Gestern hab ich 12 000 geschafft“ erntet ohne weitere Nachfrage anerkennendes Nicken.

Doch in die allgemeine Begeisterung über die neuen Gadgets, von denen 2015 alleine in den USA mehr als 13 Millionen verkauft wurden, mischt sich erster Frust. Denn nicht immer scheinen Fitnessgewinn und Gewichtsverlust einzutreten wie erhofft. Eine Nutzerin berichtet: „Ich habe festgestellt, dass mein Armband auch Schritte zählt, wenn ich mir die Zähne putze.“ Wie verlässlich und hilfreich sind die Daten, die erhoben werden? Spornen sie nicht zumindest zu mehr Bewegung an? Immerhin zeigte eine Studie zu Jahresbeginn, dass die Nutzer von Fitness-Armbändern nach sechs Wochen im Durchschnitt 970 Schritte mehr pro Tag gehen als zuvor ohne Armband.

Doch offenbar gilt der Motivationsschub nicht für jede Zielgruppe. David Ellis, Psychologe an der Lancaster Universität, sagte der BBC: „Fitness Tracker werden häufiger von Leuten gekauft, die bereits einen gesunden Lebensstil führen und ihre Fortschritte messen wollen.“ Deshalb sei schwer zu sagen, ob sie wirklich für jeden hilfreich seien.

Andere Untersuchungen kritisieren Ungenauigkeiten der Geräte beim Ermitteln der verbrauchten Kalorienzahl, des Blutdrucks oder beim Bestimmen der Pulsfrequenz. Wer ambitioniert trainiere, riskiere möglicherweise Herzprobleme, wenn sein Puls ständig deutlich über dem angezeigten Wert liege, monierten Ärzte. Gegen eine dieser Studien zog der größte US-Anbieter, Fitbits, in diesem Frühjahr dann auch vor Gericht.

Der Mediziner Timothy Plante von der Johns Hopkins University rät, sich nicht auf den angezeigten Kalorienverbrauch zu verlassen. „Den Energieverbrauch zu messen ist eine große Herausforderung. Jeder, der diese Geräte benutzt, sollte die Ergebnisse mit Vorsicht genießen.“

Eine ganz andere Schwachstelle deckten Forscher der TU Darmstadt und der Uni Toronto auf: Viele Programme haben große Lücken im Datenschutz. Nutzerdaten können relativ einfach gehackt und manipuliert werden.

Das dürfte in den USA, wo die Tracker-Angaben bereits vor Gericht als Beweismittel zum Einsatz kommen dürfen und auch Versicherungen erste Prämien danach berechnen, noch stärkere Auswirkungen haben als in Deutschland. Hier nutzt nach Angaben des Fachverbands Bitcom auch bereits fast jeder Dritte einen Fitness-Tracker oder eine App.

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