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Digital

05. Dezember 2016 | 05:31 Uhr

Handy-Sucht : Im Bann des Displays

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nachrichten von Freunden, Likes auf Facebook: Handys sorgen täglich für Überraschungen und machen so süchtig

Chatten, surfen, spielen, shoppen oder den Partner fürs Leben suchen: Mit dem Smartphone ist so einiges möglich. Das kann allerdings zum Problem werden: Wer nicht aufpasst, wird zum Sklaven seiner Nutzungsgewohnheiten. Denn so wie Glücksspielautomaten oder Games manche Menschen abhängig machen, kann auch die Handy-Nutzung überhandnehmen.

Was dabei passiert, erklärt der Informatiker Alexander Markowetz von der Universität Bonn: „Ich führe eine Handlung aus, und dann gibt es eine Überraschung.“ Die Handlung ist der Knopfdruck zum Aktivieren des Displays, die Überraschungen können vielfältig sein, sind Nachrichten von Freunden, Likes auf Facebook oder das Erreichen des nächsten Levels beim Online-Spiel.

Soviel Zeit verbringen wir mit unserem Handy (Doku)

Der Körper schüttet dabei das Glückshormon Dopamin aus. Es sorgt dafür, dass wir immer wieder zum Display greifen. „Das ist maximale Belohnung mit minimalem Aufwand“, erläutert Michael Knothe vom Fachverband Medienabhängigkeit. Doch ist man gleich abhängig, nur weil man häufig auf sein Smartphone schaut? „Nein“, sagt Kai Müller, der als Psychologe in der Spielsucht-Ambulanz des Mainzer Uniklinikum arbeitet. „Sorgen machen sollte man sich dann, wenn sich alles ums Handy dreht und man auch schöne Tätigkeiten unterbricht, um aufs Display zu gucken“, so Müller. Die Beschäftigung mit dem Handy darf also nicht das Hobby beeinträchtigen oder soziale Kontakte ersetzen. Wer zwar viel chattet, aber weiter in den Sportverein geht und die Schule schafft, habe eher kein Suchtproblem.

Anders als etwa Spielekonsolen oder Gaming-PCs können Smartphones überall hin mitgenommen werden. Natürliche Pausen gibt es nicht mehr. „Es ist wichtig, konkrete Auszeiten zu definieren“, rät Psychologe Müller. Denn auch wenn es keine Sucht ist, berge die übermäßige Smartphone-Nutzung Nachteile. „Wenn ich alle 20 Minuten auf mein Handy sehe, leiden meine Produktivität und mein Glücksempfinden“, warnt Alexander Markowetz, der eine App namens Menthal entwickelt hat, die auf Handys das Nutzungsverhalten misst. Bisher läuft die App auf 300 000 Smartphones. Demnach schaue ein Nutzer im Schnitt 88 Male täglich aufs Display, in 53 Fällen folgt eine Aktion.

Menthal: App misst Handy-Sucht

Die ständigen Unterbrechungen torpedieren die Konzentration. Anti-Yoga nennt Markowetz das: „Beim Yoga begibt man sich in eine orthopädisch wertvolle Position und fokussiert den Geist. Beim Smartphone-Surfen nehmen viele Menschen eine orthopädisch absurde Haltung ein und suchen die Zerstreuung.“ Durch Selbstkontrolle könnten die Nutzer ihr Handy-Verhalten in den Griff bekommen: Markowetz rät, den Griff zum Smartphone möglichst umständlich und überflüssig zu machen. Das bedeutet zum Beispiel: Armbanduhr und Wecker statt der entsprechenden Handy-funktionen nutzen und das Smartphone unterwegs in den Rucksack statt in die Hosentasche stecken. Psychologe Müller empfiehlt zudem, Offline-Tage einzulegen, an denen man die mobile Datennutzung ausschaltet. Und ins Bett oder an den Esstisch gehörten Handys sowieso nicht.

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erstellt am 19.Feb.2016 | 21:00 Uhr

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