zur Navigation springen

Digital

08. Dezember 2016 | 10:51 Uhr

Schwere Computerspiele : Hauptsache hart?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jeder Schritt könnte der letzte sein: Während viele Computerspiele leichter und zugänglicher werden, regiert anderswo brutale Härte

Ein düsteres Schloss auf einem Berg, ein einsamer Held mit Schwert und Schild. Hinter jeder Ecke lauern Monster, die das Heldenleben in Windeseile beenden – wenn der Spieler nicht höllisch aufpasst. Wer „Dark Souls“ zum ersten Mal sieht, mag es für ein Spiel für Masochisten halten. Fans bietet die düstere Rollenspielserie dagegen ein Erlebnis, das sie anderswo nicht finden. Und das nicht trotz, sondern wegen des hohen Schwierigkeitsgrads.

Neben der aktuellen Episode „Dark Souls 3“ gibt es zurzeit noch viele andere schwere Spiele: Von den knallharten Taktikgefechten gegen Aliens in „XCOM 2“ über das Plattformgehüpfe von „Super Meat Boy“, das nur mit höchster Präzision zu schaffen ist, bis hin zu Survival-Simulationen wie „Ark“ oder „Dust“, in denen jeder Fehltritt stundenlange Arbeit zunichte machen kann.

Dass solche Spiele so beliebt sind, „hat sicher auch mit Ehrgeiz zu tun“, sagt Ralf Hebecker, Professor für Gamedesign und -produktion an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. „Erfolg bedeutet in schweren Spielen etwas, man erkämpft etwas, das andere nicht haben – das ist immer reizvoll.“ Außerdem können sich fortgeschrittene Spieler von Gelegenheitsspielern abgrenzen. Schließlich sind Videospiele heute kein Randgruppen-Hobby mehr. „Die Spieler werden unvorbereitet und ohne große Tutorials einfach hineingeworfen“, erklärt Niels Boehnke von der Stiftung Digitale Spielekultur das Prinzip. „Dark Souls“ traut dem Spieler da viel Reflexion und Frustrationstoleranz zu.“

Ähnliches gilt zum Beispiel auch für die Taktikschlachten von „Dota 2“ und „League of Legends“: Bis Anfänger hier mit erfahrenen Spielern halbwegs mithalten können, vergeht jede Menge Zeit. Populär sind die Titel aber trotzdem – oder gerade deshalb. Boehnke hält das für eine Reaktion: „Entwickler haben Anforderungen in den vergangenen Jahren gesenkt, das hat die Spiele zugänglicher gemacht.“

Einerseits eine gute Entwicklung - manche Spielemacher hätten es jedoch mit der Einfachheit etwas übertrieben. Spiele wie die aktuelle „Batman“-Serie blenden zum Beispiel auch nach zehn Stunden Spielzeit noch die Tastenkombination für den nächsten Angriff ein. Kein Wunder, dass viele Zocker sich da unterfordert fühlen. „Schwierigkeit ist bei vielen Spielen rausgeflogen und durch Zugänglichkeit um jeden Preis ersetzt worden“, schreibt Edmund McMillen, Entwickler von „Super Meat Boy“ im Entwicklermagazin „Gamasutra“. Die Herausforderung bleibe auf der Strecke.

Wer diese Form von Spielerlebnis selbst ausprobieren will, muss aber nicht gleich zu den richtig schweren Titeln greifen. Fürs Erste hilft es auch, in einem „normalen“ Spiel einfach den Schwierigkeitsgrad hochzuregeln. Bei den meisten Titeln ist das mitten im Spiel problemlos möglich – und lässt sich später auch wieder rückgängig machen. Tutorials und andere Hilfen lassen sich häufig abschalten.

Nur etwas für Experten ist der sogenannte Hardcore-Modus, den es inzwischen in vielen Spielen gibt: Damit gibt es nach dem virtuellen Tod keinen Neustart. Wer scheitert, fängt von vorne an. Umgekehrt gibt es aber auch Spieler, die auf den Stress schwerer Bosskämpfe und Hüpfpassagen keine Lust mehr haben. Allerdings ist die Spielewelt inzwischen so vielschichtig, dass auch für solche Zocker gesorgt ist. Von Spöttern werden Titel wie „Gone Home“ oder „Firewatch“ gerne „Walking Simulator“, also „Gehsimulator“ genannt. Tatsächlich gibt es in den Titeln zwar eine Welt zum Erkunden, aber keine Kämpfe und andere Gefahren. Im Mittelpunkt steht dagegen die Geschichte, die es zu erleben gilt.

zur Startseite

von
erstellt am 12.Okt.2016 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen