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Digital

26. September 2016 | 10:45 Uhr

„Super Gerät“ oder „totaler Fehlkauf“? : Gefälschte Bewertungen im Netz

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Online-Bewertungen von Kunden sind subjektiv, manchmal unzutreffend und nicht selten gefälscht

Hotel, Digicam, Waschmaschine: Kunden können im Internet nahezu jedes Produkt bewerten. Das Problem: So mancher Kommentar in Online-Shops und -Portalen ist gefälscht. Professionelle Agenturen platzieren Fake-Bewertungen. Und nicht selten schreibt ein verärgerter Kunde absichtlich Negatives. Immerhin lesen fast drei Viertel (72 Prozent) der Online-Shopper vor dem Klick auf „Kaufen“ die Rezensionen anderer Kunden, wie eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom in Berlin ergab. Nur 13 Prozent erklärten, Produktbewertungen nicht zu trauen.

Kann ich mich auf Online-Bewertungen verlassen?
Ja und nein. Generell gilt: Je mehr Rezensionen ein Produkt hat, umso besser. „Kunden sollten sich möglichst immer mehrere Bewertungen durchlesen“, sagt Marie-Teresa Weber, Bereichsleiterin Verbraucherrecht und Medienpolitik beim Bitkom.

Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf erklärt: Bewertungen von Nutzern seien oft gut gemeint, aber begrenzt aussagekräftig. „Jemand findet zum Beispiel eine Kamera gut, aber kann sie nicht objektiv mit anderen Produkten vergleichen.“

Wie häufig sind Fake-Bewertungen?
Statistiken zufolge sei die überwiegende Zahl der Kommentare nicht gefälscht oder gekauft, sagt Weber. „Aber es gibt keine absolute Sicherheit.“ Fake-Kommentare seien ein Problem und ließen sich nicht ganz ausschließen, auch wenn die Portale mit technischen und juristischen Mitteln gegen sie vorgehen.

Woran erkenne ich Fälschungen?
Tauchen mehrere Kommentare mit gleichen oder ähnlichen Formulierungen auf oder stammen sie immer vom selben Nutzer, sei das ein Warnsignal, erklärt Weber. Vorsicht sei auch angebracht, wenn Texte Gefühlsausbrüche enthalten. Rechtschreibfehler hingegen seien nicht unbedingt ein Indiz für echte Bewertungen, warnt Tryba: Viele Fakes enthielten absichtlich Rechtschreibfehler, um authentisch zu wirken.

Wann profitiere ich von Bewertungen?
„Wenn ich mehrere Bewertungen lese, vergleiche und den gesunden Menschenverstand einschalte“, sagt Weber. „Es sind immer subjektive Beschreibungen eines Dritten, und so muss man an die Sache herangehen.“ Ein Vorteil sei, dass man sich einlesen und ein Gefühl dafür bekommen könne, wie andere ein Produkt finden. „Man sollte diese Bewertungen als Orientierungshilfe sehen.“ Vor allem bei größeren Ausgaben empfiehlt es sich, mehrere Quellen heranzuziehen.

Was muss ich beachten, wenn ich selbst eine Bewertung schreibe?
„Manchmal reicht ein knapper Kommentar völlig aus“, sagt Weber. In anderen Fällen sei die Bewertung umso informativer, je mehr man schreibt. Nur zu viel sollte es nicht sein: „Das liest dann keiner.“ Wichtig sei jedoch, nicht ausfallend zu werden: „Seine schlechte Laune an einem Unternehmen auszulassen, kann – wenn es beleidigend wird – sogar ein juristisches Nachspiel haben.“ Verbraucherschützer Tryba betont, sicher sei, wer nur schreibt, was er auch belegen kann. „Meine Meinung zu sagen ist okay. Aber ich muss sachlich bleiben.“

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