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Digital

02. Dezember 2016 | 21:03 Uhr

Technik : Einfach-Handys leben weiter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nicht jeder will oder braucht den Minicomputer namens Smartphone. Vielen reicht das klassische als „Dumbphone“ geschmähte Handy

Im Laden von Cem Caliskan reihen sich die Smartphones aneinander. Um ein klassisches Gerät zu finden, muss man den Handyshop-Besitzer gezielt drauf ansprechen. „Ich verkaufe nicht viele von diesen Geräten“, sagt der Unternehmer aus Erkrath.„Aber wenn, dann ausschließlich an Senioren.“ Die Modelle, die Caliskan im Angebot hat, haben große Tasten und sind zum Beispiel mit SOS-Buttons ausgestattet. Damit kann der Besitzer mit nur einem Knopfdruck Hilfe rufen.„Auch werden diese Geräte meist mit Ladestationen geliefert“, erklärt Caliskan. Damit entfalle das für ältere Menschen doch eher umständliche Anschließen des Ladekabels. Dass die Zielgruppe bei seinen Geräten ziemlich eindeutig ist, zeigen auch weitere Funktionen. So sind die angebotenen Geräte kompatibel mit Hörgeräten, und der Klingelton kann sehr laut gestellt werden. Das war es dann aber auch schon mit den Funktionen: „Viel mehr als Telefonieren und SMS-Schreiben ist mit diesen Geräten für rund 50 bis 80 Euro nicht möglich“, sagt der Experte.

Zwischen dem klassischen Handy und dem modernen Smartphone gibt es noch die Klasse der sogenannten Featurephones, die etwas mehr können als nur Telefonieren und SMS versenden, aber eben auch nicht frei durch Apps erweitert werden können. „Das sind Geräte, die auch einen Touchscreen haben, aber eben nicht mit den weit verbreiteten Betriebssystemen wie Android oder Apples iOS operieren“, erklärt Ralf Trautmann vom Telekommunikationsportal „Teltarif.de“. Doch wer glaubt, dass diese Geräte nur ein Nischenprodukt kleiner Hersteller sind, der irrt.

„Für diese Featurephones ist der weltweite Markt tatsächlich relativ groß, auch Smartphone-Hersteller wie Samsung oder LG bedienen diese Sparte“, sagt Trautmann. Sogar Nokia-Telefone werden noch produziert – allerdings mittlerweile von Microsoft. Doch Neuerscheinungen unter den Featurephones finden neben den gefeierten Smartphones meist keine große Beachtung. Selbst die Hersteller verzichten in diesem Bereich in der Regel auf große Ankündigungen oder Vorstellungen.

Die Zielgruppe bei einfacheren Mobiltelefonen beschränkt sich bei weitem nicht auf Senioren. „Auch Menschen, die lange reisen und deshalb auf hohe Akkulaufzeiten angewiesen sind, oder Handynutzer, die eben nicht ständig ihr teures Smartphone mit sich führen wollen, gehören zu den Käufern solcher Telefone“, erklärt Ralf Trautmann. Und manche Eltern kaufen Featurephones auch als Einsteigergeräte für ihre Kinder. Davon rät Markus Merkle allerdings ab. Der Mitarbeiter des von der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen mitgetragenen Jugendportals „Handysektor.de“ empfiehlt für die ganz Kleinen spezielle Kinderhandys und danach lieber ein günstiges Smartphone. Schließlich nutzen die Jugendlichen das Gerät eher für Messenger-Apps und soziale Netzwerke. Featurephones unterstützen diese Funktionen nicht unbedingt oder nur eingeschränkt.

Allerdings sind auch bei Featurephones die vergleichsweise niedrigen Anschaffungspreise um die 50 Euro durchaus ein Kaufargument. Es gibt auch solche Geräte mit Kameras, E-Mail-Programmen und Browsern zum Surfen im Internet. Aber: „Das Surfen ist ziemlich nutzerunfreundlich und erinnert an die gedrosselte Geschwindigkeit, wenn beim Smartphone das Datenvolumen aufgebraucht ist“, gibt Merkle zu bedenken. Auch die Leistung der Kamera kann mit den meisten Smartphones nicht mithalten.

Einige Geräte eignen sich aber durchaus als Musikplayer.„Featurephones sind etwas für Leute, die mit einem großen Touchscreen nicht gut zurechtkommen und die keinen Wert auf Schnickschnack legen“, fasst Markus Merkle zusammen.

Tobias Wienke

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