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Digital

06. Dezember 2016 | 16:59 Uhr

Urgestein der Meme-Figuren : Ein Frosch wird zum Hass-Symbol

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Zeichentrick-Figur „Pepe“ ist das Urgestein der Meme-Figuren – nun ist es in die Liste rechter Hass-Symbole aufgenommen worden

Er war einmal ein fröhlicher Zeitgenosse, der Zeichentrick-Frosch „Pepe“. Als Urgestein der Meme-Kultur (sprich: Miem) hatten die Internetnutzer mit ihm nichts Böses im Sinn, posteten sein Bild in die Kommentarspalten, wenn sie es als passende Antwort auf einen Beitrag empfanden. Mal zählte der Gesichtsausdruck, mal der Spruch, mit dem Pepes Bild verziert wurde. Doch diese friedlichen Zeiten sind vorbei: Die US-amerikanische Anti-Defamation-League, die gegen die Diskriminierung und Diffamierung von Juden eintritt, hat das Meme in seine Liste der rechten Hass-Symbole aufgenommen. Im Netz tauchten zuletzt immer mehr Varianten auf, die „Pepe the Frog“ im Zusammenhang mit rechtem Gedankengut zeigen: Pepe mit Hitlerbärtchen oder als Attentäter auf die Zwillingstürme des World Trade Centers. Auch Rechtspopulisten wie der US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump haben sich den Internet-Star zunutze gemacht.

Seit 2005 geistert die Figur des Frosches im Internet als Meme herum, der US-amerikanische Künstler Matt Furie schuf die Figur ursprünglich für seinen Comic „Boy’s Club“. Was der Urheber Furie von der Aufnahme seiner Figur in die Liste der Anti-Defamation-League hält, ist unklar. Sicher ist, dass die Verwendung urheberrechtlich geschützter Werke auch für Memes nicht eindeutig als legal einzustufen ist. In den USA ist eine Nutzung und Veränderung solcher Bilder für private Zwecke unter dem Dach der Meinungsfreiheit geschützt. Ob darunter auch die Verwendung eines Memes auf der offiziellen Twitter-Seite eines Politikers wie Trump fällt, ist fraglich. Hierzulande jedenfalls begehen Nutzer Urheberrechtsverstöße, wenn sie Bildchen wie dieses ohne Einverständnis ihres Erschaffers bearbeiten und weiterverbreiten. Mit der EU-Urheberrechtsreform soll die Gesetzeslage an die Massenkultur im Internet angepasst werden. Statt einer pauschalen freien Nutzung geht es um die Frage, ob auf ein Fair-Use-System wie in den USA oder eine Bagatellgrenze, die die Nutzung in einem vertretbaren Rahmen für private Zwecke erlaubt, zurückgegriffen werden kann, oder ob eine Art Kulturflatrate, also eine Pauschalabgabe an Rechteinhaber, eingeführt wird. Nach Einschätzung des Urheberrechtsportals irights.info könnte das Meme auch unter die Kunstfreiheit oder Parodie fallen, die mit dem Urheberrecht partiell vereinbar wäre. Im Hinblick auf die EU-Urheberrechtsreform sprechen Internetfirmen wie Mozilla sich nun klar für die sogenannte Memefreiheit aus. Der Entwickler des Firefox-Browsers startete eine Kampagne, in der er auf die Notwendigkeit einer Legalisierung von Memes hinweist. „Die Gesetze zum Urheberrecht in der EU wurden 2001 verabschiedet“, heißt es bei Mozilla. „Damals hatten die meisten von uns noch kein Smartphone. Die Regeln müssen aktualisiert und harmonisiert werden, damit im Internet Platz zum Basteln, Entwickeln, Teilen und Lernen ist. Bildung, Parodie, Panorama, Remix und Analyse sollten nicht rechtswidrig sein.“

Anja Christiansen

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