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Digital

04. Dezember 2016 | 19:24 Uhr

Das Tamagotchi wird 20

vom
Aus der Onlineredaktion

Um das Haustier der Großstadt musste man sich vom Zeitpunkt des Schlüpfens an wie um ein echtes Lebewesen kümmern

Eine Erfindung wie das Tamagotchi musste aus Japan kommen. Gerade in eng besiedelten Großstädten wie Tokyo konnte man schon in den 90er-Jahren an Haustiere kaum denken. Hier sprangen Tamagotchis als perfekter Ersatz ein. Sie waren kleine digitale Tiere, mit den grundlegenden Bedürfnissen: Schlaf, Hunger, Sauberkeit und Unterhaltung. Anders als klassische Spiele gab es bei ihnen aber keine Pausetaste. So ging das „Spiel“ unaufhaltsam weiter und das neue „Haustier“ meldete sich mit penetranten Pieptönen bei jedem Unwohlsein – egal ob der Besitzer gerade in der U-Bahn, im eigenen Kinderzimmer oder in der Schulbank saß. Von Schulverboten für die Spielzeuge bis zu Zeitungsanzeigen für Tamagotchi-Sitter sorgte dieses Spielzeug für die ungewöhnlichsten Entwicklungen.

Im November 1996 ging das erste Tamagotchi in Japan über die Ladentheke – wenige Monate später wurden denn auch Amerika und Deutschland vom Fieber gepackt. Über 40 Millionen Tamagotchis konnte Bandai weltweit alleine im Jahr 1997 verkaufen – mehr als ein virtuelles Haustier pro Sekunde. Für Bandai war es die Rettung. Gegen Ende der 90er- Jahre war das Geschäft mit den Power Rangers auf dem absteigenden Ast und eine Übernahme durch den damaligen Konsolenhersteller SEGA stand bevor. Das neue Trendspielzeug beseitigte die finanziellen Sorgen des Unternehmens im Handumdrehen. Die Erfinderin selbst bekam von diesem Erfolg aber kaum etwas ab. Aki Maita war eigentlich gar nicht als Entwicklerin beim Spielzeughersteller Bandai angestellt. 1990 wechselte sie in die Verkaufs- und Marketingabteilung des Unternehmens, entwickelte in ihrer Freizeit aber das Tamagotchi-Konzept. Trotz des großen Erfolges behielt Aki Maita ihre einfache Position in der Marketingabteilung – es gab keine Beförderung und auch keine Gehaltserhöhung. Mit dieser Idee rettete sie aber nicht nur ihren Arbeitgeber und veränderte den Alltag zahlreicher Teenager, sondern zeigte einen Ausblick in die Zukunft der mobilen Spiele. Die Tamagotchis boten eine komplett andere Art des Spielens, die erst vor Kurzem durch Smartphones mit stetigen Push-Nachrichten wieder aufgelebt ist. Der Spieler verliert sich nicht in einer Spielwelt, sondern das Spiel wird Teil der eigenen Welt. Mit regelmäßigen Erinnerungen strukturiert es den Tag – ein Konzept das heute Social Games wie „Clash of Clans“ oder „FarmVille“ wieder aufgreifen. Dies macht für Aki Maita auch den Erfolg ihrer Erfindung aus: „Das Tamagotchi ist von einem abhängig. Ich glaube, dass es für Menschen sehr wichtig ist, etwas zu finden, worum man sich kümmert.“

Genauso schnell wie das Tamagotchi die Welt eroberte, zog es sich aber auch wieder vom Markt zurück. Schon um die Jahrtausendwende waren die Verkaufszahlen auf einen Bruchteil zurückgegangen und Wiederbelebungsversuche scheiterten. Hierzulande hatten erst Spiele wie Nintendogs und dann Smartphones mit all ihren Apps den digitalen Tiere den Rang abgelaufen. Seit dem letzten Jahr hat Bandai schließlich eine zeitgemäße Heimat für ihre Tamagotchis gefunden – als App für Smartwatches. Auch dort ist es heute aber nur noch ein Spiel unter vielen und nicht mehr das Ein und Alles für den Besitzer.


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