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Digital

10. Dezember 2016 | 02:08 Uhr

Calliope mini und SmartSchool

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

An deutschen Schulen gibt es in Sachen IT großen Nachholbedarf. Ein Mini-Computer für alle Drittklässler könnte ein guter Anfang sein

Die Eintrittskarte in die digitale Welt passt in eine Kinderhand. Sie ist ein Mini-Computer auf einer Platine, der aussieht wie ein sechseckiger Stern – und wird bald in immer mehr Ranzen von Grundschulkindern zu finden sein. „Calliope mini“ heißt das Teil, das Drittklässlern in Deutschland spielerisch beibringen soll, wie IT funktioniert. Und nebenbei Lust aufs Programmieren machen. „Es soll ein alltägliches Tool werden, das man ganz selbstverständlich im Unterricht einsetzt – wie einen Zirkel“, sagt der Kölner Unternehmer Stephan Noller, der den Kleinstcomputer mit Mitstreitern entwickelt hat.

Beim nationalen IT-Gipfel am 16. und 17. November im Saarland wird „Calliope“ erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Neuerung passt da hin, denn der Gipfel mit rund 1000 erwarteten Teilnehmern nimmt in diesem Jahr digitale Bildung in den Fokus. Für Noller, der im Beirat Junge Digitale Wirtschaft des Bundeswirtschaftsministeriums sitzt, ist klar: „Unsere heutigen Schulkinder werden später massiv von IT-Techniken umgeben sein. Je früher sie digitale Inhalte lernen, desto besser.“ Mit „Calliope“ sollen die Kinder anders als bei Smartphones und Laptops eine „zugängliche Technik“ bekommen. Sie sollen lernen, wie ein Computer aufgebaut ist, wie er funktioniert und wie man Programme erstellt: Ein Tore-Zähler für den Kicker zu Hause, ein Schrittzähler für Sport oder den Bau eines Roboters. „Wir wollen, dass die Kinder sich im Umgang mit dieser Technik souverän fühlen“, sagt Noller, der das Board an einer Kölner Grundschule erarbeitet hat.

Es hat 25 rote Lämpchen und zwei programmierbare Buttons, einen Lage- und Bewegungssensor plus Kompass und kann über ein Bluetooth-Modul mit anderen Geräten kommunizieren. Ein kleiner Bildschirm, Lautsprecher und Mikro gehören auch dazu.

Der Mini-Computer wird seit kurzem bereits an zwei Grundschulen im Saarland getestet. Im Februar 2017 soll das Board dann für alle dritten Klassen an der Saar verfügbar sein, kündigt der saarländische Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) an. Voraussetzung sei, dass die Lehrer vorher Schulungen gemacht haben. Die Produktionskosten eines „Callope mini“ liegen zwischen 10 und 15 Euro.

Beim Saarland wird es nicht bleiben, sagt Noller. Es gebe bereits konkrete Vorbereitungen mit Bremen– und Gespräche mit etlichen anderen Bundesländern, darunter auch mehreren großen. „Wir wollen mit der Initiative das Bildungssystem in seiner Breite erreichen. Es soll keines dieser Leuchtturmprojekte werden.“

Schließlich seien alle Kinder betroffen: „Sie werden in 20 Jahren zu großen Teilen neue Berufe lernen müssen“ Er geht davon aus, dass in den nächsten ein bis zwei Jahren der Mini-Computer alle Grundschulen erreicht hat. Weil Digitales so wichtig ist, fordert Noller zudem die Einführung eines neuen Schulfaches: Digitalkunde.

Beim IT-Gipfel fällt auch der Startschuss für das Projekt „SmartSchool“ an zwei weiterführenden Schulen im Saarland. „Die Konzepte sehen eine Digitalisierung im kompletten Schulablauf vor“, sagt die Beauftragte der Staatskanzlei für Hochschulen, Wissenschaft und Technologie, Susanne Reichrath. Vom digitalen Klassenbuch bis zur digitalen Mensa. Auch die „SmartSchool“ solle ein „bundesweites Vorzeigeprojekt“ werden, meint sie.

Um Klassenzimmer digital fit zu machen, hat Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) gerade ein Fünf-Milliarden-Euro-Programm geschnürt: Es soll über einen Zeitraum von fünf Jahren an die rund 40 000 deutschen Schulen fließen, um diese technisch aufzurüsten: Mit Breitband, Wlan und Geräten.

Digitale Bildung müsse in der Schule beginnen und sich durch das ganze Berufsleben fortsetzen, fordert der Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom, Bernhard Rohleder. Er fordert, dass in einem ersten Schritt die Technologien „in allen Schulen flächendeckend“ ausgerollt werden und dann digitale Kompetenzen standardmäßig in die Lehrerausbildung eingebaut werden.

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