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Digital

05. Dezember 2016 | 11:28 Uhr

Verluste : Blackberry sattelt um

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Smartphone-Pionier will sich künftig auf Software konzentrieren. Marktanteil geschrumpft

Es ist das Ende einer Ära: Der Smartphone-Pionier Blackberry wird nach andauernden Verlusten keine Computer-Handys mehr selbst entwickeln. Diese Arbeit solle an Partner ausgelagert werden, kündigte Blackberry-Chef John Chen an. Ein Beispiel für die neue Strategie sei ein Gemeinschaftsunternehmen in Indonesien, in dem Blackberry sich auf die Software-Entwicklung fokussiert. Schon das jüngste Modell DTEK50 war eigentlich ein Telefon des Herstellers Alcatel mit Blackberry-Logo.

Blackberry hatte die Anfangsjahre des Smartphone-Geschäfts geprägt, seine Geräte wurden jedoch von Telefonen mit dem Android-System von Google sowie dem iPhone von Apple in die Bedeutungslosigkeit verdrängt. Der Marktanteil war zuletzt an die Marke von 0,1 Prozent geschrumpft. Im vergangenen Geschäftsquartal wurde Blackberry noch 400000 Telefone los. Chen richtet Blackberry vor allem auf das Geschäft mit Software und Dienstleistungen für Unternehmen aus und will so im laufenden Geschäftsjahr aus der Verlustzone kommen. Er hatte wiederholt angekündigt, dass er das Hardware-Geschäft fallen lassen werde, wenn es nicht aus den roten Zahlen kommt. Erwogen wurde auch, das eigene Betriebssystem aufzugeben und auf Android umzusteigen.

In dem Ende August abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal verbuchte Blackberry einen Verlust von 372 Millionen US-Dollar nach einem kleinen Gewinn von 51 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Der Umsatz fiel von 490 auf 334 Millionen Dollar. Analysten hatten zwar mit höheren Erlösen gerechnet, doch unter dem Strich fiel das Ergebnis besser als erwartet aus. Das Unternehmen hob zudem den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr an. Die Aktie legte um rund vier Prozent zu – auch angesichts der Hoffnung, dass Blackberry mit dem Verzicht auf die Hardware-Entwicklung die Kosten drücken kann. Seit Jahresbeginn hatte der Kurs allerdings 15 Prozent eingebüßt. „Wir erreichen mit unserer Strategie einen Wendepunkt“, verkündete Chen. Im zweiten Quartal sei der Software-Umsatz im Jahresvergleich verdoppelt worden.

 

Hintergrund: Aufstieg und Fall von Blackberry

Einst war der Name Blackberry praktisch ein Synonym für „Smartphone“. Die schon 1984 gegründete kanadische Firma, die erst im Geschäft mit Datenübermittlung und Kassen-Automaten war, entwickelte Ende der 90er Jahre ein mobiles E-Mail-Gerät mit einer kleinen kompletten Schreibtastatur. Es war ein Hit – und die Blackberrys prägten das frühe Design von Computer-Handys.

Damals waren Smartphones noch vor allem für Geschäftsleute und Beamte da – und ihre Begeisterung für die Blackberrys konnte auch der Handy-Riese Nokia mit seinen Konkurrenz-Geräten nicht erschüttern. Auch als Apple Anfang 2007 sein iPhone präsentierte, tat der damalige Co-Chef Jim Balsillie den neuen Rivalen öffentlich ab: Die beruflichen Smartphone-Nutzer wollten eine Tastatur mit echten Tasten statt dieser Touchscreens.

Tatsächlich erreichte der Marktanteil von Blackberry danach noch seinen Höhepunkt mit rund einem Fünftel der weltweiten Smartphone-Verkäufe – doch der Niedergang war da schon nicht mehr aufzuhalten. Das bei Blackberry auf die Schnelle entwickelte Touchscreen-Modell „Storm“ war ein Flop. Auch im zweiten Anlauf schaffte es Blackberry  im Jahr 2013 nicht, ein erfolgreiches Smartphone mit berührungsempfindlichem Bildschirm zu liefern.

 

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erstellt am 29.Sep.2016 | 21:00 Uhr

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