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Digital

01. Oktober 2016 | 12:23 Uhr

Riesenschaufenster für Kleine : Amazon startet Store für handgefertige Produkte

vom
Aus der Onlineredaktion

Kunsthandwerker können selbstgemachte Waren anbieten und sich präsentieren

Handgemachte Einzelstücke für ein Millionenpublikum – das kennen Online-Einkäufer in Deutschland bisher vor allem von Plattformen wie Dawanda oder Etsy. Jetzt öffnet auch Amazon seine Verkaufskanäle in Europa für Kunsthandwerker und ihre selbstgefertigten Produkte. Handgefertigte Ledertaschen, selbstgenähte Baby-Bettwäsche oder ausgefallener Schmuck – der Versandriese will sich seinen deutschen Kunden von einer neuen Seite zeigen.

In dem neuen Store soll es Fotos, ausführliche Anbieter-Profile und Möglichkeiten zu persönlichen Kontakten mit den Kunsthandwerkern geben. „Hier geht's nicht um Same Day Delivery“, also die Auslieferung noch am Tag der Bestellung, wie Markus Schöberl sagt, der bei Amazon das deutsche Geschäft mit der Händler-Plattform Marketplace verantwortet. Die Kunden könnten mit ihrem Einkauf die Arbeit lokaler Kunsthandwerker unterstützen und die Geschichte hinter den Produkten entdecken.

Dazu gehören auch Angelina Erhorn und Stine Paeper aus Hamburg. Die beiden jungen Frauen haben sich auf Möbel- und Wohnaccessoires spezialisiert und vertreiben ihre Produkte online. Ein stationäres Geschäft haben sie nicht. Wie viele Kunden es aber werden, bleibe abzuwarten, sagt Erhorn.

Ein regelrechter Ansturm allerdings könnte gerade kleinere Anbieter vor große Herausforderungen stellen, weiß man bei Amazon. Viele fertigen ihre Produkte nur mit einer Handvoll Mitarbeitern und haben kaum größere Lagerkapazitäten. Die Internet-Shopper müssen sich also vielleicht auf etwas Wartezeit einstellen, bis Nachschub gefertigt ist.

Bereits vor knapp einem Jahr hatte Amazon einen ähnlichen Store in den USA gestartet – mit großem Erfolg, wie Schöberl sagt. Konkurrenten wie die Plattform Etsy könnten den Wettbewerb deutlich zu spüren bekommen. Aber auch bei Amazon selbst ist die Konkurrenz riesig: Rund zwei Millionen Marketplace-Händler sind über die Amazon-Seiten aktiv und buhlen um die weltweit gut 300 Millionen Kunden. Kommen Verkäufe zustande, verdient der Konzern über Gebühren mit. Für die Kunsthandwerker liegen sie zum Start bei zwölf und ab 2018 bei 15 Prozent, wie Schöberl sagt. Ob sich das für die Kleinunternehmer rechnet, wird abzuwarten bleiben. Auch wenn handgefertigte Qualität wieder höher im Kurs steht, ist nämlich die Ausgabenbereitschaft der Verbraucher nicht unbedingt massiv gestiegen, wie eine junge Unternehmerin deutlich macht: „Jeder will Nachhaltigkeit, aber keiner will dafür bezahlen.“

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