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Beruf & Karriere

05. Dezember 2016 | 05:30 Uhr

Zurück in den Job : Mamas und ihr schlechtes Gewissen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Viele Mütter kehren nach der Geburt möglichst schnell in den Job zurück – kein leichter Weg

Wenige Wochen nach der Geburt ihres ersten Kindes saß Wera Burkhardt wieder in Vorlesungen und bereitete sich auf das Staatsexamen vor. Sie stand unter dem Druck, ihr zweites Studium schnell zu beenden. „Ich habe damit gehadert, dass ich 31 war und noch keinen Beruf hatte“, erzählt die Freiburgerin. Wie bei vielen Frauen in diesem Alter kam alles zusammen: Der Wunsch, eine Familie zu gründen und der Druck, beruflich weiterzukommen.

Das Thema Elternzeit ist für viele junge Familien zentral. Dabei spielen finanzielle, karrieretechnische und pädagogische Erwägungen eine Rolle – und eigene Kindheitserfahrungen. Bei Wera Burkhardt dominierte der Impuls, es anders zu machen. Sie ist mit vier Geschwistern auf dem Land aufgewachsen, die Mutter blieb zu Hause. „Ich habe mir damals mein Leben anders vorgestellt“, sagt die heute 36-Jährige. Sie wollte eine gleichberechtigte Arbeitsteilung mit ihrem Mann, einen Job und finanzielle Unabhängigkeit.

Zwei Wochen nach der Geburt begann ihr Sohn mit der Eingewöhnung bei der Tagesmutter, fünf Wochen später fing das Semester wieder an. „Ich habe mein Kind schrecklich vermisst“, so die Mutter.

Die Psychologie-Professorin Fabienne Becker-Stoll rät davon ab, Kinder im ersten Lebensjahr außerfamiliär betreuen zu lassen. Babys brauchten so viel Zuwendung, dass dies selbst von einer feinfühligen Kita schwer zu gewährleisten sei, erklärt die Direktorin des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP) in München. Im Alter zwischen einem und zwei Jahren kommt es dagegen auf das Kind an. Eltern könnten zum Beispiel auf dem Spielplatz beobachten, ob die Kleinen Kontakt zu Gleichaltrigen suchen oder sich lieber verstecken. „Es gibt auch Kinder um die 18 Monate herum, denen mit der Mama alleine zu Hause die Decke auf den Kopf fällt“, berichtet Becker-Stoll. Die Frage sei immer, was zu einem bestimmten Zeitpunkt am besten zum Kind und seinen Eltern passt.

Viele Jahre zu Hause zu bleiben, wie es früher üblich war, sei jedoch nicht notwendig, so die Diplom-Psychologin. Im Gegenteil: „Ab zwei bis zweieinhalb Jahren profitieren alle Kinder vom Besuch einer Krippe.“ Sie unterstreicht, dass sich die außerfamiliäre Betreuung nicht negativ auf die Bindung der Kinder zu den Eltern auswirke. „Rein physische Anwesenheit hat noch nichts über die Bindung zu sagen.“ Viel mehr komme es darauf an, wie die gemeinsame Zeit gestaltet wird.

Angela Dovifat von der Berliner Goldnetz gGmbH weiß, dass die Länge der Elternzeit ein schwieriges Thema ist. Sie ist Projektleiterin der Infothek beruflicher Wiedereinstieg und berät Menschen, die wieder in ihren Job einsteigen wollen. Zum größten Teil sind das Mütter. „Die Gewissensfrage ist da“, stellt die Betriebswirtin und systemische Beraterin fest. Aber es spielten auch andere Faktoren eine Rolle. „Ich glaube, das ist eine Generations- und Schichtfrage.“ Nur wenn ein Partner gut verdient, könne der andere mehrere Jahre zu Hause bleiben. Auch ein Ost-West-Unterschied sei noch spürbar. Für Klientinnen, die in der ehemaligen DDR geboren wurden, sei es viel selbstverständlicher, schnell wieder zu arbeiten. Auch zwischen Stadt und Land gebe es Unterschiede. In einer Großstadt stünden Frauen oft unter dem Druck, möglichst bald wieder in den Beruf einzusteigen: „Ich habe den Eindruck, dass die Gesellschaft eher treibt.“ Häufig gerieten die jungen Mütter dadurch in eine Überforderungssituation.

 

 

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erstellt am 15.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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