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Bauen & Wohnen

09. Dezember 2016 | 16:29 Uhr

Lesertelefon: Eigenheim finanzieren : Reicht mein Geld fürs eigene Haus?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wie viel Eigenkapital ist bei einem Immobilienkauf erforderlich? Wie kann man einen Bausparvertrag optimal nutzen? Experten beantworteten gestern Leserfragen.

Ich lebe allein, möchte mir in Schwerin eine Eigentumswohnung kaufen. Woher bekomme ich Informationen? Was kann eine solche Wohnung kosten?
Informationen erhalten Sie zum Beispiel im Internet, bei Banken und Kreditinstituten. Gehen Sie mit offenen Augen durch die Stadt und sehen Sie sich die Baustellen genau an. Rechnen Sie mit einem Quadratmeterpreis zwischen 1300 und 2700 Euro. Abhängig von Lage und Ausstattung können es auch andere Preise sein. Für die Finanzierung von Eigentumswohnungen gelten dieselben Bedingungen und Voraussetzungen wie für Häuser.

Ich bin Ende 60, will mein Haus für 40 000 Euro modernisieren. Wie kann ich die Eigenheimrenten bekommen?
Die Eigenheimrente kann bekommen, wer sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist und regelmäßig vier Prozent seines Vorjahresbruttos in einen entsprechenden Vertrag einzahlt. Da Sie nicht mehr berufstätig sind, kommt die Eigenheimrente für Sie nicht infrage. Trotzdem können Sie eventuell eine Förderung bekommen, und zwar in Form eines zinsverbilligten Kredites von der bundeseigenen Förderbank KfW. Wegen des niedrigen Zinsniveaus ist diese Variante allerdings nicht immer sinnvoll. Was möglich ist, ist ein so genanntes Kleinstdarlehen von einer Bausparkasse bis zu einer Summe von 30 000 Euro – sogar ohne Grundbucheintrag.

Wir werden heiraten, bekommen Nachwuchs, sind beide als Lehrer tätig. Wir möchten uns ein bestehendes Haus auf dem Land kaufen. Wie viel Geld müssen wir gespart haben, damit wir das finanzieren können?
Das ist davon abhängig, was das Haus kostet und wie viel Geld Sie für die Sanierung benötigen. Es sollten 20 bis 25 Prozent Eigenkapital vorhanden sein – bezogen auf die Anschaffungs- und Sanierungskosten. Als Eigenkapital zählen neben Sparguthaben auch bezahlte Grundstücke und Guthaben in Bausparverträgen.

Angenommen, ich brauche einen Sanierungskredit von 100 000 Euro. Wie hoch wäre dann die Summe aus Zins- und Tilgungsbeiträgen im Monat?
Kalkulieren Sie mit rund 450 Euro pro Monat, wenn Sie den Kredit in etwa 21 Jahren zurückgezahlt haben wollen.

Ich wohne in einem Haus in bester Lage, habe zwei Töchter. Wenn ich versterbe, würde eine Tochter das Haus übernehmen, müsste die andere entsprechend auszahlen. Wie spart sie dafür am besten?
Sie könnte einen Bausparvertrag abschließen, und zwar über die Summe, die der Schwester zusteht. Kommt der Vertrag in die Zuteilung, kann sie mit der Bausparsumme – also mit Guthaben und Darlehen – ihre Schwester auszahlen. Dann zahlt sie das Bauspardarlehen mit dem günstigen Darlehenszins zurück.

Wie ich gehört habe, gibt es für den privaten Wohnungsbau verschiedene Förderungen und sogar Zuschüsse. Gibt es irgendwo eine Übersicht, damit ich mich vorinformieren kann?
Schauen Sie unter www.baufoerderer.de. Das ist ein Info-Portal des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, wo alle Fördermittel beschrieben sind, die häufigsten Fragen dazu beantwortet und Vergleiche angestellt werden. Was die Eigenheimrente betrifft, können Sie unter www.bausparkassen.de den Förderrechner aufrufen und sich ausrechnen lassen, wie viel Eigenheimrente Sie bekommen könnten.

Wir wollen unser Reihenendhaus verkaufen, weil wir demnächst ins betreute Wohnen gehen. Wie stellen wir den Verkauf an, ohne dass wir Stress haben?
Sie können einen Makler beauftragen, der nur diejenigen Leute zu Ihnen schickt, die ein wirkliches Kaufinteresse haben. Alternativ oder parallel können Sie eine Anzeige in die Zeitung setzen. Außerdem können Sie sich deswegen an Ihre Hausbank wenden.

Wie lange sollte man sich die momentan die niedrigen Zinsen sichern?
Möglichst lange; das können 20 oder mehr Jahre sein. Die Zinsfestschreibung hängt auch von Ihrer individuellen Situation ab: sei es, dass Sie eine Erbschaft erwarten, sei es, dass Sie einen oder mehrere Bausparverträge haben oder Sondertilgungen wünschen.
Zu überlegen wäre auch, einen Bausparkombikredit zu wählen. Sofern Sie zulagenberechtigt sind, können Sie die Eigenheimrente in die Finanzierung einbeziehen. Für die Zinsfestschreibung gibt es keine Standardlösung. Sprechen Sie mit einem Finanzierungsberater.

Wir sind nicht verheiratet, wollen uns ein Haus kaufen. Gibt es etwas Besonderes zu beachten?
Sie können gemeinsam eine Immobilie kaufen und finanzieren – ob Sie verheiratet sind oder nicht, spielt dafür keine Rolle. Sie sollten allerdings für sich selber klären, was passiert, wenn die Beziehung auseinander geht und diesen Fall entsprechend vertraglich absichern.

Mein Mann und ich sind seit kurzem in Rente. Wir haben jetzt das Angebot, einen Bungalow zu kaufen. Sind wir kreditwürdig?
Kreditwürdigkeit ist vor allem eine Frage der Bonität. Das heißt, dass Sie in der Lage sind, Zins und Tilgung dauerhaft zu zahlen. Nach der neuen EU-Kreditrichtlinie müssen die Banken die Bonität ihrer Kunden noch genauer prüfen. Grundsätzlich ist eine Finanzierung in Ihrem Fall möglich. Sprechen Sie zunächst mit Ihrer Hausbank. Holen Sie sich aber auch ein oder zwei Angebote von anderen Banken.

Wir wollen eine Immobilie kaufen, haben drei Kinder. Zu welcher Finanzierungsvariante raten Sie?
Sie sollten auf jeden Fall die Riesterförderung einbeziehen. Neben den Grundzulagen für sich und Ihre Frau in Höhe von jeweils 154 Euro bekommen Sie für jedes Kind die Kinderzulage, abhängig vom Geburtsjahrgang der Kinder 185 Euro pro Jahr oder 300 Euro.

Wie viel eigenes Kapital müssen wir mitbringen?
Wer Geld gespart hat, erhält dafür momentan kaum Zinsen. Setzt man also mehr eigene Mittel bei der Finanzierung ein, gehen nur geringe Erträge verloren. Das spricht dafür, mehr als den üblichen 20-Prozent-Eigenanteil bei der Finanzierung zu wählen. Bei höherem Eigenkapitalanteil sind bessere Konditionen möglich.

Die Bank riet uns zu einer Tilgung von zwei Prozent pro Jahr. Was meinen Sie dazu?
Sie hat recht: der Tilgungssatz sollte jetzt nicht zu niedrig angesetzt werden. Üblich ist ein Prozent. Aber die derzeit extrem niedrigen Hypotheken-Zinsen schaffen bei gleichbleibender Monats- oder Jahresbelastung finanziellen Freiraum. Immobilienkäufer sollten diesen unbedingt nutzen. Denn je niedriger der Zinssatz, desto länger dauert die Rückzahlung des Darlehens. Heute kann man ruhig über drei Prozent Tilgung nachdenken. Planen Sie die Tilgung in jedem Fall so, dass Ihre Immobilie spätestens bis zum Eintritt in die Rente abbezahlt ist.

Kann ich mir meine Traumimmobilie leisten?
Rechnen Sie durch, was Sie derzeit an Kaltmiete zahlen und was Sie zusätzlich jeden Monat problemlos sparen können, ohne sich einzuschränken. Höher darf die monatliche Rate Ihres Immobilienkredites keinesfalls sein. Sie sollten niemals zu knapp kalkulieren, denn auf Dauer kann es zu familiären Spannungen führen, wenn immer nur gespart werden muss. Der Anteil von Zinsen und Tilgung sollte 40 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens nicht übersteigen.

Wir wollen zum Hauskauf einen KfW-Kredit nutzen. Können wir parallel die staatliche Eigenheimrenten-Förderung einsetzen?
Ja, das ist möglich.

Sind die staatlichen Riester-Zulagen zeitlich befristet?
Beim Riester-Bausparvertrag erhalten Sie in der Anspar- und der Finanzierungsphase Zulagen. Beim Riester-Darlehen gibt es die Zulagen, bis das Darlehen getilgt ist.

Mein Mann und ich haben jeder einen Geld-Riester-Vertrag. Können wir denn beide Verträge nutzen, um uns im nächsten Jahr ein Haus zu kaufen?
Ja, Sie können das Geld aus beiden Verträgen als Eigenkapital einsetzen und sich mit einem Riester-Darlehen die Förderung weiter sichern.

Ich bin angestellt, mein Mann selbstständiger Handwerker. Können wir den Wohnriester für unseren Hauskauf nutzen?
Ja, Sie sind als rentenversicherungspflichtige Angestellte unmittelbar förderberechtigt. Weil Sie förderberechtigt sind, ist es auch Ihr Mann. Er kann ebenfalls einen Vertrag abschließen und die Förderung bekommen.

Unsere Experten: Frank Cohnen vom Verband der Privaten Bausparkassen und Andreas Kohl von der Stiftung Warentest
Weitere Informationen: www.bausparkassen.de, www.kfw.de, www.test.de

 

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erstellt am 05.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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