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Bauen & Wohnen

10. Dezember 2016 | 08:01 Uhr

Lesertelefon : Länger in eigenen vier Wänden wohnen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Woher bekomme ich Zuschüsse für einen altersgerechten Umbau? Wer kann mich beraten? Experten beantworteten gestern die Fragen unserer Leser.

Allgemeines/Wohnraumanpassung

Wir interessieren uns seit einiger Zeit für altengerechte Wohnungen und haben auch schon einiges angeschaut. Dabei tauchte immer wieder der Begriff barrierefrei auf. Was bedeutet das eigentlich?
Eine Wohnung ist beispielsweise barrierefrei nutzbar, wenn die Durchgangsbreite von Innentüren mindestens 80 Zentimeter breit ist. Rollstuhlgerecht nutzbar ist sie aber erst, wenn die Durchgangsbreite von Türen mindestens 90 Zentimeter breit ist. Außerdem müssen Gebäude und Einrichtungen stufenlos erreichbar sein, es gibt Vorgaben für die Gestaltung von Treppen inklusive Handläufen sowie die Gestaltung von Bädern und Toiletten.

Barrierefreie Wohnungen sind nicht zwangsläufig für behinderte Menschen vorgesehen. Durch Merkmale wie bodengleiche Duschen und niveaugleiche Erreichbarkeit zu Balkonen und Terrassen sind sie komfortabel und so für jedes Alter geeignet. Wichtig sind auch barrierefreie Zugänge zu Garagen oder Stellplätzen.

Kann ich als Mieter eine Wohnraumanpassung eigenständig vornehmen oder muss ich eine Genehmigung dafür haben?
Für alle baulichen Änderungen in der Wohnung benötigen Sie als Mieter eine Erlaubnis Ihres Vermieters. Auch wenn die Beseitigung von Schwellen und der Einbau einer modernen Dusche für die Wohnung an sich eine Verbesserung darstellen, liegt die Entscheidung beim Vermieter. Nach Paragraf 554 a Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), muss der Vermieter einen Umbau genehmigen, wenn dieser erforderlich ist, damit Sie bei einer bestehenden Behinderung die Wohnräume nutzen können. Der Anspruch auf Umbau bezieht sich nicht nur auf die Wohnung, sondern auch auf den Zugang und den Keller.
Der Vermieter darf beim Auszug den kostenpflichtigen Rückbau verlangen. Die mündliche Genehmigung für die Maßnahme gilt nicht, vereinbaren Sie den Umbau unbedingt schriftlich. Sie benötigen diese auch für die Vorlage bei der Pflegekasse.

Ich bin 82 Jahre alt und würde gern noch einige Jahre in meiner Wohnung bleiben. Wie kann ich meine Wohnsituation an mein Lebensalter anpassen?
Die Wohnung kann mit Hilfsmitteln so eingerichtet werden, dass eine selbstständige Haushaltsführung auch mit körperlichen Einschränkungen möglich ist. Einzelne Räume werden umgestaltet, zum Beispiel wäre das der Einbau einer bodengleichen Dusche oder auch eine geänderte Möblierung für größere Bewegungsflächen. Auch die Verbreiterung der Türen, der Abbau von Schwellen, die Verbesserung der Türbedienung und der Lichtschalter in Greifhöhe sind umsetzbar. Lassen Sie sich hierzu umfassend beim Sozialamt, dem Behindertenbeirat, einer Wohnraumanpassungsstelle oder auch beim Mieterbund beraten.

Wie kann man den Alltag mit möglichen Hilfsmitteln erleichtern?
Schon kleinere Hilfsmittel tragen zur Selbstständigkeit bei und ermöglichen so den Verbleib in den eigenen vier Wänden. Das können im Badezimmer Haltegriffe und Badewannenlifter, Sitzhilfen in der Dusche oder auch Rampen zum Hauseingang sein. Es gibt nach Paragraf 139 SGBV ein sogenanntes „Hilfsmittelverzeichnis“. Maßnahmen hieraus werden bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen von der Pflege- oder Krankenkasse anteilig bezahlt. Eine Liste der Hilfsmittel finden Sie im „Hilfsmittelverzeichnis“ unter www.gkv-spitzenverband.de.

Wo beantrage ich bei Pflegebedürftigkeit behindertengerechte Umbauarbeiten in unserem Haus, zum Beispiel im Bad? Benötige ich eine Bescheinigung vom Arzt?
Bei Vorliegen einer Pflegestufe ist ein formloser Antrag an die Pflegekasse ausreichend. Gegebenenfalls wird auch der Medizinische Dienst zur Begutachtung der geplanten Maßnahmen eingeschaltet. Sie erhalten von der Pflegekasse einen Zuschuss von 4000 Euro pro Maßnahme. Sollte sich der Gesundheitszustand verändern und weitere Maßnahmen nötig werden, können Sie einen weiteren Zuschuss beantragen. Außerdem können Sie eventuell auch Fördermittel oder Zuschüsse der KfW für den altersgerechten Umbau nutzen.

Worauf sollte ich bei behindertengerechten Umbauten in Bad und Dusche achten?
Wichtig ist, dass vor WC und Waschtisch eine ausreichende Bewegungsfläche von jeweils 1,20m x 1,20m vorhanden ist. Die Duschfläche von 1,20m x 1,20m kann auch als Zustiegsseite zum WC genutzt werden. Bei Rollstuhlbenutzung betragen diese Bewegungsflächen 1,50m x 1,50m. An der Zugangstür zum Bad ist im Raum diese Bewegungsfläche auch notwendig. Bei der bodengleichen Dusche entscheiden Sie sich für einen klappbaren Duschsitz oder einen beweglichen Duschhocker. Achten Sie auf Wandhaltegriff am WC und je nach unterfahrbarem Waschtischmodell auf Haltegriffe.

Finanzierung

Wie hoch sind die Kosten für eine Wohnraumanpassung und wer unterstützt uns dort finanziell, vielleicht auch von staatlicher Seite?
Die Kosten für eine Wohnraumanpassung richten sich nach dem Umfang der Umbaumaßnahmen. Bei Vorliegen einer Pflegestufe übernimmt die Pflegekasse bis zu 4000 Euro. Diese Summe wird auch ohne Pflegestufe gezahlt, wenn ein erheblicher allgemeiner Betreuungsbedarf nach Paragraf 40 SGB XI vorliegt. Bevor Sie Handwerkerverträge abschließen, müssen die Umbaumaßnahmen von der Pflegekasse bewilligt sein.
Die KfW Förderbank gewährt neben dem Kreditprogramm „Altersgerecht Umbauen“ grundsätzlich auch Zuschüsse für altersgerechte Umbauten. Diese sind aber für 2016 bereits ausgeschöpft.

Das Landesförderinstitut Mecklenburg-Vorpommern fördert barrierefreies Wohneigentum durch zweckentsprechende Modernisierungen und Instandsetzungen mit Darlehen in dafür ausgeschriebenen Gebieten (Fördergebietskulisse). Gefördert werden Maßnahmen zur Beseitigung von Barrieren. Das Darlehen beträgt je nach Wohnfläche bis maximal 43 000 Euro je Wohnung. Die Konditionen werden am Bewilligungstag festgelegt und liegen 0,4 Prozent über dem KfW-Programm 151 (Energieeffizient Sanieren). Für vor 1990 fertiggestelltes Wohneigentum gibt es außerdem noch ein Zusatzdarlehen für barrierefreies Wohnen von bis zu 15 000 Euro.
Zusätzlich gibt es nichtrückzahlbare Zuschüsse für barrierereduzierende Anpassungen wie Veränderungen der Raumgeometrie, Verbreiterung von Türen, Umbau von Bädern sowie Nachrüstung mit Aufzügen. Die Zuschusshöhe richtet sich nach der Maßnahme.

Welche Maßnahmen kann ich für einen altersgerechten Umbau mit einem Bausparvertrag finanzieren?
Sie können alle altersgerechten Umbauten, soweit sie Wohnzwecken dienen, mit einem Bausparvertrag finanzieren. Das können Aus- und Umbaumaßnahmen sein oder auch die altersgerechte Sanierung des bestehenden Bades. Selbst der Erwerb eines eigentumsähnlichen Dauerwohnrechts in einem Seniorenwohnheim gehört dazu. Sollten die Maßnahmen schnell erforderlich und finanzierbar sein, bieten Vorfinanzierungskredite die schnellste und günstigste Lösung. Sie besparen den Bausparvertrag im Nachhinein, können aber bereits die günstigen Darlehenszinsen nutzen.

Wie kann ich die altersgerechte Modernisierung meiner Mietwohnung finanzieren, wenn ich keine Pflegestufe habe?
Eine Wohnungsanpassung bedeutet erhebliche Kosten. Mit einem Bausparvertrag können Sie den altersgerechten Umbau bequem finanzieren. Auch Mieter können auf diese Weise die Anpassung ihrer Wohnung vornehmen, vorausgesetzt der Vermieter ist damit einverstanden. Zusätzlich bieten einige Städte und Gemeinden Förderprogramme für eine altersgerechte Wohnungsanpassung an. Sie reichen von besonders günstigen Darlehen bis zur vollständigen Kostenübernahme. Auskünfte erteilen die Seniorenbeauftragten der Städte sowie Wohnungs- und Sozialämter.

Beratung

Wer berät mich zu meiner persönlichen Wohnsituation?
Das Beratungsangebot ist vielfältig und regional sehr unterschiedlich. Es gibt Wohnberatungsstellen, Pflegestützpunkte, Seniorenservicebüros, Beratungs- und Koordinierungsstellen. In einem persönlichen Beratungsgespräch können Sie klären, wie ihre Wohnung an das Alter, an eine Behinderung oder eine Pflegesituation angepasst werden kann und wie solche Maßnahmen finanzierbar sind. Beratungsschwerpunkte sind Vorschläge zu Wohnungsanpassungen geeigneten Hilfsmitteln und deren Beschaffung, Informationen zur Finanzierung (Kostenträger, Zuschüsse, Fördermittel usw.), Unterstützung beim Beauftragen von Handwerkern, Aufklärung zu Wohnalternativen vor Ort.

Wo erhalte ich Unterstützung und Beratung in Pflegedingen?
Pflegestützpunkte unterstützen Sie bei allen Fragen rund um Alter und Pflege sowie Behinderung. Hier erhalten Sie eine Beratung zu Themen wie Wohnen und Hilfen im Alter, Leistungen der Pflegeversicherung, Krankenversicherung oder zu Voraussetzungen und Leistungen der Sozialhilfe. Auch bei der Erstellung einer Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung werden Sie unterstützt. Für eine persönliche Einschätzung der Situation machen die Mitarbeiter auch Hausbesuche. Regelmäßige Telefonsprechstunden ermöglichen eine Beratung auch, wenn Sie nicht direkt vor Ort wohnen. Neben den Pflegestützpunkten beraten auch die Krankenkassen und Pflegeleistungsanbieter. Die Berater sind gut geschult und geben wichtige Tipps, zum Beispiel auch bei der Antragstellung einer Pflegestufe.
In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 14 Pflegestützpunkte, zum Beispiel in Schwerin, Grevesmühlen, Ludwigslust, Parchim, Rostock und Güstrow.

Service: Kontakte

www.architektenkammer-mv.de
www.lbs.de
www.kfw.de

KfW-Hotline 0800 53 99 002
www.foerderdatenbank.de
www.pflegestuetzpunktemv.de
www.nullbarriere.de

Unsere Experten:

Marion Bartz, LBS Ostdeutsche Landesbausparkasse AG

Hanno Ecklebe, Architekt

Karen Trojan, Pflegestützpunkt Schwerin













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erstellt am 11.Okt.2016 | 23:14 Uhr

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