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Bauen & Wohnen

04. Dezember 2016 | 04:51 Uhr

Urteil des BGH : Bausparen: Darlehensgebühr gekippt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bausparer, die ihr Darlehen genutzt und dafür Extra-Geld gezahlt haben, bekommen das mit etwas Glück wieder

Die Deutschen sind eifrige Bausparer. Aber sind die Konditionen immer verbraucherfreundlich? In einem Grundsatzurteil zu Extra-Gebühren sagt der Bundesgerichtshof (BGH): Nein. Wer Glück hat, profitiert von der Entscheidung in barer Münze. Die Fakten von Anja Semmelroch:

Wie funktioniert das Bausparen?

Bausparen ist eine Kombination aus Geld ansparen und Geld leihen. Der Kunde verpflichtet sich, einen Teil der Bausparsumme über die Jahre selbst einzuzahlen. Die Differenz kann er nach einer bestimmten Zeit als Darlehen in Anspruch nehmen, sobald der Vertrag „zuteilungsreif“ ist. Im Unterschied zu einem normalen Immobiliendarlehen steht die Höhe der Zinsen weit im Voraus fest und der Kredit kann vorzeitig ohne Extra-Kosten zurückgezahlt werden. Bausparer haben außerdem Vorteile durch staatliche Förderung, etwa die Wohnungsbauprämie.

Wie verbreitet ist Bausparen?

Nach Zahlen des Verbands der Privaten Bausparkassen gab es 2015 knapp 30 Millionen Bausparverträge in Deutschland. Damit komme auf jeden zweiten Haushalt mindestens ein Vertrag. 2,7 Millionen Verträge wurden im vergangenen Jahr neu abgeschlossen. Unter den zwölf privaten Bausparkassen sind Schwäbisch Hall, Wüstenrot und BHW die größten. Im öffentlich-rechtlichen Bereich teilen sich acht Landesbausparkassen den Markt regional auf.

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Worum ging es vor dem BGH?

Um eine Klage von Verbraucherschützern gegen die Bausparkasse Schwäbisch Hall wegen einer Darlehensgebühr. Solche Gebühren gibt es vor allem in älteren Tarifen. Sie werden fällig, wenn der Bausparer den Kredit in Anspruch nehmen möchte. In dem Fall war eine Gebühr in Höhe von zwei Prozent der Darlehenssumme vorgesehen. Für 30 000 Euro Kredit wären das immerhin 600 Euro. Nicht zu verwechseln ist die Darlehensgebühr mit der Abschlussgebühr, die üblicherweise für Neu-Bausparer anfällt. Diese Gebühr hat der BGH 2010 bestätigt.

Was sagen die Karlsruher Richter dazu?

Sie sehen die Bausparer unangemessen benachteiligt und erklären die Klausel für unwirksam – damit ist die Gebühr mit sofortiger Wirkung gekippt. Ganz ähnlich hatte der Senat schon einmal 2014 geurteilt, als er es mit Bearbeitungsentgelten zu tun hatte, die Banken ihren Kunden unabhängig von der Laufzeit des Kredits in Rechnung stellten.

Finanzinstitute dürften Kosten, die im eigenen Interesse entstehen, nicht einfach abwälzen, hieß es damals. Für Bauspardarlehen gilt das genauso, entschieden die Richter nun, so groß seien die Unterschiede nicht. Die Bausparkassen hatten versucht, die Gebühr mit den besonderen Vorzügen ihrer Darlehen zu rechtfertigen.

Was bedeutet das für betroffene Bausparer?

Wer die Gebühr in seinem Vertrag stehen hat, muss nicht mehr zahlen – und wer schon gezahlt hat, bekommt das Geld im besten Fall von der Bausparkasse zurück. Allerdings verjähren solche Ansprüche nach einiger Zeit, frühestens nach drei Jahren. Wie es sich hier verhält, muss der BGH voraussichtlich zu einem späteren Zeitpunkt klären. Auf der sicheren Seite sind im Moment alle Bausparer, die ihr Darlehen 2013 oder später beantragt haben, sagt Bankenrechtsexperte Christian Urban von der Verbraucherzentrale NRW. Unklar ist, wie viele Kunden das sind. Inzwischen gibt es die Darlehensgebühr nach Auskunft der Dachverbände bei keiner einzigen Bausparkasse mehr. Schwäbisch Hall hat sie nach eigenen Angaben bereits 2000 abgeschafft. Wüstenrot bietet seit Oktober 2013 keine Tarife mit der Gebühr mehr an.

Ist damit beim Bausparen die Rechtslage endgültig geklärt?

Nein, denn ein heißes Eisen bleibt in der Niedrigzinsphase der Streit um hoch verzinste Altverträge. Für deren Inhaber kann es lohnen, das Darlehen trotz Zuteilungsreife nicht in Anspruch zu nehmen, um möglichst lange von den Guthabenzinsen der 90er Jahre zu profitieren – zumal normale Baukredite günstig zu haben sind. Die Bausparkassen bringt das in Schwierigkeiten. Sie haben seit 2015 bereits etwa eine Viertelmillion Verträge gekündigt. Einige Oberlandesgerichte haben sie darin bestätigt, es gibt aber auch Urteile im Sinne der Bausparer. Wer Recht hat, klärt der BGH voraussichtlich 2017.

Ombudsmann der Bausparkassen

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von
erstellt am 08.Nov.2016 | 20:45 Uhr

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