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Flüchtlinge

27. September 2016 | 02:11 Uhr

Rasche Integration gescheitert : Erst 200 Flüchtlinge in MV haben Arbeit

vom

7560 arbeitssuchende Migranten landesweit registriert, nur 23 Prozent davon sind Fachkräfte

Die Hoffnung auf eine rasche Eingliederung der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt Mecklenburg-Vorpommerns erfüllt sich nicht.  Ende August waren 3100 Flüchtlinge landesweit als arbeitslos registriert, teilte die Bundesagentur für Arbeit gegenüber unserer Redaktion mit. Zusammen mit den 4460 Menschen, die  sich  in beruflichen Eingliederungskursen und anderen Integrationsmaßnahmen befinden, gibt es etwa  7560 arbeitssuchende Flüchtlinge  im Nordosten. Die meisten kommen aus Syrien.

Seit Januar 2016 konnten aber erst 200 Schutzsuchende in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gebracht werden. „Die Erfahrung hat allerdings gezeigt, dass eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt die Basis für die Integration in die Gesellschaft ist“, sagte Margit Haupt-Koopmann, Chefin  der Regionaldirektion Nord in der Bundesagentur für Arbeit. Die Bereitschaft, Flüchtlinge einzustellen, sei  bei den Unternehmen  in Mecklenburg-Vorpommern  zwar generell vorhanden, hieß es. Doch  unzureichende Sprachkenntnisse und  fehlende Berufsnachweise   der  Bewerber sowie bürokratische Hürden würden den Berufseinstieg  erschweren.

Wie die Behörde weiter mitteilte, haben 30 Prozent der als arbeitslos gemeldeten Flüchtlinge Abitur oder zumindest eine Fachhochschulreife. Weitere 17 Prozent konnten einen Real oder Hauptschulabschluss nachweisen. Dagegen hatten 29 Prozent der Migranten keinen Schulabschluss und 24 Prozent konnten keine überzeugenden Angaben über Abschlüsse machen.

Nach Einschätzung der Bundesagentur entsprechen  23 Prozent der arbeitssuchenden Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern dem  Anforderungsniveau Fachkraft/Spezialist, dagegen wurden 62 Prozent lediglich als Hilfsarbeiter eingestuft. Zu 15 Prozent  gab es keine Angaben.

„Aber Hilfsarbeiter müssen keine Hilfsarbeiter bleiben“, sagte Margit Haupt-Koopmann.  Dass Schutzsuchende in der Mehrzahl keinen Berufsabschluss nach deutschen Standards haben, würde nicht bedeuten, dass sie keine beruflichen Erfahrungen hätten. Ziel der Agentur   sei es, durch Praktika und  berufsbegleitende Qualifizierungen Potentiale zu erkennen und zu fördern.

Nach Mitteilung des Schweriner Innenministeriums hielten sich Anfang Juli dieses Jahres 22800 schutzsuchende Migranten  in Mecklenburg-Vorpommern auf. Viele von ihnen sind Kinder.

Kommentar: Der lange Weg in den Arbeitsmarkt

Warum die  Flüchtlinge keine Lösung für den Fachkräftemangel sind

Der  Blick auf die aktuellen Arbeitsmarktzahlen ist ernüchternd. Mehr als ein Jahr nach  Angela Merkels  „Wir schaffen das“ und  dem drastischen Anstieg der Flüchtlingszahlen   in Deutschland haben  in Mecklenburg-Vorpommern lediglich  200 der Schutzsuchenden einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz gefunden.   3100 Flüchtlinge sind dagegen als arbeitslos registriert. Weitere  4460   sind ebenfalls auf Jobsuche, fallen aber in der Arbeitslosenstatistik nicht auf, weil  sie an Integrationskursen oder Qualifizierungen teilnehmen. Die reale Arbeitslosenquote unter den Flüchtlingen im arbeitsfähigen Alter beträgt im Nordosten  damit genau genommen 97 Prozent.

Dabei sind die Voraussetzungen für eine Integration in den Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern so gut wie zu keinem anderen Zeitpunkt der letzten 25 Jahre.  Die Arbeitslosigkeit liegt aktuell im Landesdurchschnitt nur noch bei neun Prozent. Es gibt im Land  559500 Jobs –  5700 Arbeitsplätze mehr als noch vor einem Jahr. 32200 sozialversicherungspflichtige Stellen sind laut Bundesagentur offen. Häufig sind es Facharbeiter, die fehlen.

Doch wer glaubt, mit den vielen Flüchtlingen  kurz- oder mittelfristig die Facharbeiterlücke stopfen zu können, der irrt. Das Hauptproblem der  syrischen Arbeitssuchenden sind die  fehlenden Sprachkenntnisse, die aber auch bei weniger qualifizierten Tätigkeiten  Voraussetzung sind. Beispielsweise müssen zumindest die Regeln des Arbeitsschutzes verstanden werden.

Eine fremde Sprache zu lernen,   wird für jenen Teil der Flüchtlinge eine besondere Herausforderung sein, der bereits in der Heimat keinen Schulabschluss hatte. Laut Arbeitsagentur sind das 29 Prozent  der arbeitslos gemeldeten  Schutzsuchenden.  Das nächste Problem sind die  fehlenden Ausbildungsnachweise.

Die Aufgaben sind lösbar. Man sollte aber wissen, dass dafür  eine lange Zeit notwendig sein wird. Doch ohne Arbeit bleibt Integration ein frommer Wunsch.

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erstellt am 20.Sep.2016 | 17:53 Uhr

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