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Feldbefreiung im Zeichen der Knolle
RÖBEL - Jochen Fritz trägt einen Schutzanzug und hält ein Mikrofon in der Hand: "Das muss vom Acker", sagt er und zeigt auf das Feld bei Zepkow im Müritzkreis, auf dem die Firma BASF seit April die Genkartoffel Amflora anbaut. Fritz hat die Demonstration und Feldbefreiung der Initiative "Gendreck weg!" angemeldet. Zehn seiner Mitstreiter stecken ebenfalls in Schutzanzügen. Sie warten auf den geeigneten Zeitpunkt, um ihre Aktion zu starten - die Gen-Knollen aus dem Boden reißen und in Müllsäcke packen.
Ebenso am Feldrand: Mitarbeiter der Firma BASF. Mit Firmenkäppis, Bierbänken und Imbiss. "Wir verurteilen die Feldzerstörung der Aktivisten, wir wollen einen friedlichen Dialog", sagt BASF-Sprecherin Susanne Benner. Verstärkung hat BASF vom Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter und der Initiative Grüne Vernunft. Gentechnik-Gegner und -Befürworter halten sich in etwa die Waage, insgesamt tummeln sich an die 50 Personen am Feldrand.
Und: Es wird diskutiert und argumentiert. "Amflora enthält Resistenzgene gegen Antibiotika, sogar die Weltgesundheitsorganisation warnt davor", sagt Matthias Ristel von "Gendreck weg!" Das sei alles Unsinn, winkt Matthias Pohl ab, er ist bei BASF für die Zulassungsanträge zuständig.
"Die Koexistenz von Gen- und Bio-Kartoffeln ist ein Ammenmärchen", lautet ein weiterer Vorwurf der Amflora-Gegner. "Bei der Ernte bleiben Knollen auf dem Acker zurück, die zu Pflanzen auswachsen", erklärt Fritz. Damit würden Flächen, auf denen gentechnisch veränderte Kartoffeln freigesetzt wurden, zu Risikostandorten für die gentechnikfreie Kartoffelzüchtung. "Aber Wissenschaftler haben Amflora zugelassen - das ist eine sichere Sache", insistiert Susanne Benner von BASF. Außerdem gehe es hier um Arbeitsplätze. Die Gentechnikgegner befürchten, dass es zu einer Vermischung mit herkömmlichen Kartoffeln kommt. "Damit wird den Verbrauchern die Wahlfreiheit genommen", argumentiert Ristel.
Während am Rand des Feldes heftig diskutiert wird, schleichen sich zwei Aktivisten auf den Acker und buddeln einige Knollen aus. Von den 38 anwesenden Polizeibeamten spurtet die Hälfte durch die kniehohen Kartoffelpflanzen. Triumphierend schwenkt der Feldbe freier seinen gefüllten Müllbeutel. Gleichzeitig schlagen zwei Demonstranten einige hundert Meter weiter zu. Die Beamten werden auf Trab gehalten.
"Landwirte, Züchter und die Stärkeindustrie - keiner will das Zeug haben", sagt Feldbefreiungs-Initiator Fritz. "Da müssen wir auch nicht mit BASF diskutieren." Während vier Aktivisten im Polizeibus verschwinden, buddelt schon wieder einer im Feld. Die Bilanz: "Sechs Aktivisten wurden zur Identitätsprüfung festgenommen", sagt Wencke Hinterschuster von der Polizeidirektion Neubrandenburg. Es bestehe der Verdacht der Sachbeschädigung und des Diebstahls.
Dann starten die BASF-Mitarbeiter ihre Aktion. Sie lassen Luftballons mit Botschaften wie "Gentechnik=Zukunft" und "Dialog statt Zerstörung" in den Himmel steigen. Die Gentechnik-Gegner packen ihre Plakate ein. "Aktion gelungen", sagt Fritz - sie haben mal wieder Aufmerksamkeit erregt. "Jetzt fahren wir los und holen die anderen im Polizeirevier ab."
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