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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

09. Dezember 2016 | 10:39 Uhr

Werder : Windrad in Werder Weg geebnet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Gemeindevertretung stimmt für Bau einer neuen Windkraftanlage 1000 Meter vom Ortsrand entfernt.

Ulrich Wandschneider ist nicht nur Gemeindevertreter in Werder, sondern auch Teilhaber der Werder Wind & Wärme GmbH, die schon lange plant, in der Gemeinde ein neues Windrad mit einer Gesamthöhe von 200 Metern im bestehenden Eignungsgebiet zu errichten. Davon abgesehen, dass darüber letztlich das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) als Genehmigungsbehörde befinden muss, verhindert den Bau weit vorher eine so genannte Veränderungssperre, die drei von sieben Gemeindevertretern im August beschlossen hatten (wir berichteten). Angewandt wurde dabei diese zunächst ungewöhnlich wirkende, aber gesetzlich korrekte, vorher mit der kreislichen Kommunalaufsicht beratene Möglichkeit, weil vier Gemeindevertreter einschließlich Bürgermeister befangen und deshalb von der Entscheidung ausgeschlossen waren – unter anderem deshalb, weil auf ihrem Grund und Boden schon Windräder stehen und Wandschneider außerdem noch Verbindung zum Investor hat.

Die Werder Wind & Wärme GmbH nutzte die im Baugesetzbuch stehende Möglichkeit, nach dem im Sommer gefallenen Beschluss den Antrag zu stellen, ihrem Vorhaben als Ausnahme zuzustimmen. Darüber wurde am Mittwochabend auf der Gemeindevertretersitzung beraten. Obwohl nur Wandschneider als Befangener in diesem einen konkreten Fall den Raum hätte verlassen müssen, folgten ihm von sich aus zwei weitere Gemeindevertreter, der Bürgermeister blieb. Zwei stimmten letztlich mit Ja, die Ausnahme zu erteilen, einer votierte dagegen, einer enthielt sich der Stimme. Damit war der Antrag des Investors angenommen, „weil eine Enthaltung nichts zählt“, so Gemeindekoordinatorin Kerstin Pornhagen.

Laut Fred-Jan Salomon, Leiter des Sachgebietes Bau beim Amt Eldenburg Lübz, würde das geplante Windrad am Rand des beabsichtigten „Potenzialsuchraums“ 1056 Meter von der dichtesten Ortsrandbebauung entfernt entstehen – 56 Meter mehr als der Wert, der in Zukunft gelten wird. Der Abstand zur Wohnbebauung neben der Milchviehanlage Greven beträgt jedoch nur 835 Meter. Die Schallbelastung würde bei beiden Orten unterhalb des zulässigen Wertes liegen.

Das Gesetz sieht außerdem vor, dass pro Tag ein Schattenschlag von 30 Minuten geduldet werden muss. An der Wohnung neben der Milchviehanlage läge er Berechnungen zufolge zwar um zwei Minuten höher, was laut Salomon jedoch mit einer automatisch arbeitenden Abschalteinrichtung zu regeln sei. Ungleich problematischer sei, dass der abschließende, alles regelnde Entwurf des Planungsverbandes Westmecklenburg zu den künftigen Windeignungsräumen noch nicht vorliege.

Die Frage eines Gemeindevertreters, ob es sich um eine Einzelfallentscheidung handele und mit der Zustimmung anderen Anlagen nicht automatisch Tür und Tor geöffnet werde, bejahte der Bauingenieur. Zudem handele es sich um einen Kompromiss.

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erstellt am 24.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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