zur Navigation springen

Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

04. Dezember 2016 | 07:05 Uhr

Regionale Schule Lübz : Vor Abbruch viele Schadstoffe entdeckt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Erst im Februar rückt bei leerstehendem Teil der Regionalen Schule in Lübz der Bagger an, um sie einzuebnen.

Von innen ist der kurz vor dem Abbruch stehende Teil der Regionalen Schule kaum wiederzuerkennen. In dem großen Plattenbau aus den 1970er-Jahren mit einem umbauten Raum von rund 15000 Kubikmetern gibt es beispielsweise zwar noch ein Geländer auf der nach oben führenden Treppe, aber fast alles andere ist raus – Gas, Wasser und Heizung abgeklemmt, kein Strom mehr, Kabelbäume durchtrennt, Toiletten- und Waschbecken zerschlagen, keine Gardinen und keine Tafeln mehr. Außerdem nur noch nackte Betonfußböden ohne Belag, mehr noch: Zum großen Teil aufgebrochen, weil unter dem Estrich vielfach Styropor zur Dämmung verbaut war, der extra entsorgt werden muss. Zusammen mit den über doppelt so dicken Platten vom Dach kommt allein durch dieses Material von einer rund 5000 Quadratmeter großen Nutzfläche eine Menge von 150 Kubikmetern zusammen. „Und merken Sie, dass es hier riecht?“, fragt Bauleiter Frank Eisenkolb vom beauftragten Abbruchunternehmen, der Hagemann GmbH. In der Tat ist sofort beim kurzen Betreten des Gebäudes ein starker Geruch zu vernehmen. Eisenkolb zufolge handele es sich dabei um so genannte Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die in früher produzierter, in vielen Räumen der Schule unter dem Estrich verlegter Dachpappe vorkommen. Sie sind stark krebserregend. Vor dem Abbruch des Gebäudes muss die Pappe deshalb entfernt werden. Die Ausdünstung hängt allerdings weiter im Raum, auch wenn der Sondermüll längst entfernt und sicher verpackt ist. Nach Auskunft von Fred-Jan Salomon, Leiter des Fachbereiches Bau bei der Stadt Lübz, handele es sich bei genanntem Baustoff nicht um gleich aussehenden, hochwertigen Bitumen – ein Destillationsprodukt aus Erdöl – sondern giftige, aus (zur DDR-Wirtschaft passend) Braunkohle hergestellte Teerpappe. Das Problem, für sie gesundheitsschädlichen Teer verwendet zu haben, bestehe auch bei alten Straßen.

Doch damit nicht genug, was die Schule betrifft: Die Fugen zwischen den Gasbetonplatten der Fassade und dem Grundgerüst aus Beton wurden zu DDR-Zeiten mit so genanntem Morinol-Kitt abgedichtet, der in etwa heutigem Silikon entspricht. Ihn gab es mit Asbest und asbestfrei. Vorherige Untersuchungen zeigten, dass die Fugen in Lübz leider diesen ebenfalls lungengängigen und damit krebserregenden Schadstoff enthalten, so dass er unter vollem Atemschutz herausgekratzt wird.

1993 erhielt das jetzt kurz vorm Abbruch stehende Gebäude aus Energiespargründen rundherum neue Fenster und wurde von außen mit einer Schicht aus Mineralwolle sowie alles abdeckenden Platten versehen. Die Platten enthalten zwar keine Schadstoffe, müssen jetzt aber flächendeckend von einem Gerüst aus entfernt werden, um an die Mineralwolle zu gelangen – sie ist Sondermüll. Der gestrigen Bauberatung zufolge wird im Februar ein Bagger anrücken, um das Gebäude zu beseitigen.

zur Startseite

von
erstellt am 22.Nov.2016 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen