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volle Kultur-Hütte in sandhof : Von Rieckschen „Wortmeldungen“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Zum Konzert mit Liedermacher Wolfgang Rieck hatte der Heimatverein Wooster Heide nach Sandhof geladen

Selbst ist der Mann, ist die Frau! Für die Mitglieder von Vereinen ist das quasi Artikel Eins der Satzung, eine Selbstverständlichkeit. Aber manchmal darf die Tätigkeit auch nur darin bestehen, das Feld für jemand anderen zu bestellen und dann die Beine gemütlich unterm Tisch auszustrecken. So war die Lage, als zum Wochenende der Liedermacher Wolfgang Rieck aus Rostock in Sandhof die Klampfe schlug und dazu einfach wunderschön sang.

Es war kein Rock- und kein Schunkelkonzert, Riecks Lieder zielten nicht auf den Rhythmusnerv, sie gingen an die Seele und oft auch an unseren Sinn für feingesponnenen Humor. Ein neuer, jüngerer Vorstand des Heimatvereins Wooster Heide hatte zu diesem Konzert eingeladen und an die fünfzig Menschen fanden den Weg nach Sandhof. Sie lauschten, lachten, sangen hier und da ein bisschen mit und verkonsumierten auch ein Bierchen. Im Internet sei er auf Wolfgang Rieck aufmerksam geworden, berichtete der Vereinsvorsitzende Ingo Ganske. Sein Eindruck sei gewesen, dass der Rostocker, der seit Beginn des Jahrtausends sogar Konzerte für Kinder anbietet, ein Programm vorstellen könne, das generationenüberspannend Anklang finde.

Geht man davon aus, dass auch Qualität Menschen jeden Alters überzeugt, so ist Ingo Ganskes Plan ebenfalls aufgegangen. Allein Wolfgang Riecks Biographie spricht für topsolide Grundlagen in seinem musikalischen Genre, für Erfahrung und Anerkennung von außen. In den Singeclubs der DDR begann das mehr oder weniger öffentliche musikalische Leben des Jungen von der Küste. Und hörte man an diesem Abend seine schöne, klangvolle Stimme, dann wunderte es auch nicht, dass ihn dieses Talent in die weitere Ausbildung seiner stimmlichen Fähigkeiten führte und er darüber hinaus das Instrument für die musikalische Begleitung schlechthin fand, die Gitarre. „Angeturnt“ von den Beatles und von Liedermachern wie Biermann taucht der 1953 Geborene in den musikalischen Spirit der Zeit ein, bildet ab 1975 mit einem Kollegen das Duo „Piatkowski und Rieck“ und setzt in der Palette der vielen Strömungen dieser Zeit, mit gewissen Einschränkungen sei dies gesagt, auf die der Folklore. Das Duo singt plattdeutsche Lieder oder Lieder auf Platt, die Rieck aber selbst verfasst hat. 1993 wird der Sänger dann Mitglied der bekannten Gruppe Liederjan. Er sei der „vierte dritte Mann“ des Trios geworden, sagt Rieck schmunzelnd. Als solcher stemmt er rund acht Jahre lang siebenhundert Auftritte mit der Gruppe, nimmt mehrere CDs auf, bis er 2001 als Solist einen neuen Abschnitt seiner Laufbahn beginnt. Mehr als nur eine Fußnote seines Lebens ist auch die Ausbildung in Gesang und klassischer Gitarre, die Rieck zehn Jahre lang am Konservatorium in Rostock durchschreitet.

Aber dieser Mensch der Musik und des Gesangs zeigte sich in Sandhof ganz unverkennbar auch als Mann des Wortes. Und so schön, voller Sentiment und mit Seemannstimbre in der Stimme auch die Titel gesungen waren, die oft ums Maritime kreisten – besonders eindrucksvoll waren doch die Lieder, die „der singende Mann“ Rieck selbst komponiert und geschrieben hat. Die poetische Eindringlichkeit mancher Chansons erreichte beispielsweise das Stück „Un sei danzt...“, das Rieck als Spannungsbrücke unmittelbar vor der halbstündigen Pause bot. Zum niederdeutschen Text inspirierte ihn die Barlach-Skulptur „Tanzende Alte“ (1924). Das Lied war eine fast stürmische, dennoch untergründig melancholische Hymne auf die reine Lebensfreude, die einfach nur ist, die nicht fortschreiten muss und die zweckfrei ist, die singt und tanzt, fern der Sorge. Im Gespräch verriet der Künstler bescheiden, dass er seine Texte als „Wortmeldungen“ zu allgemein menschlichen Themen verstehe. Dass er unverkennbar gegen den Materialismus unserer Zeit ansingt, das wollte er so nicht sagen.

 

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