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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

03. Dezember 2016 | 12:39 Uhr

Unwetter : Sturm zog Schneise der Verwüstung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Über Plau am See geht am Dienstagabend das schwerste Gewitter seit Jahrzehnten nieder / Anwohner sind geschockt

Dienstagabend gegen 18.30 Uhr in der Seeluster Bucht am Plauer See: Der schwülwarme Sommertag war einem stürmischen Abend gewichen. Anwohner und Urlauber, die hier Quartier genommen haben, fiebern einer gemütlichen Fußballrunde entgegen. Dann ist es schlagartig vorbei mit WM-Fieber und der Idylle am Südwestufer des Sees. „Eine Windhose, möglicherweise war es auch ein kleiner Tornado, zog über den See direkt auf unsere Bucht zu“, erzählt Veronika Pommer. Sie wohnt schon Jahre hier, kennt stürmische Tage, an denen sich die uralten Bäume landeinwärts neigen. „Aber so was habe ich noch nicht erlebt.“ Mit dem Sturm türmten sich meterhohe Wellen auf dem am Nachmittag noch spiegelblanken See. Und dann traf der Sturm aufs Land. Erst flogen Zweige, dann Äste, schließlich brachen Bäume um oder wurden entwurzelt.

„Das Ganze hat keine drei Minuten gedauert. Dann sah es hier überall aus, wie nach dem Krieg. Wir hatten Angst. Um unser Leben. Ehrlich, sowas habe ich noch nicht erlebt“, berichtet Klaus-Dieter Jeziorski. Er und seine Frau – sie hatten sich wie alle anderen Anwohner rechtzeitig in ihr Haus zurückgezogen – müssen mit ansehen, wie die knorrigen Äste alter, hoher Kiefern unter der Wucht des Sturms wie Streichhölzer vom Stamm brechen und auf ihr Haus geschleudert werden. „Die Äste krachten auf das Dach, wurden darüber hinweggetrieben und stürzten auf der anderen Seite in den Garten. Es war furchtbar“, erzählt Ingeborg Jeziorski. Wie furchtbar, sieht das Ehepaar, als der Sturm nachlässt. Das Dach ist noch da. Doch etliche Steine und Firstziegel sind gebrochen oder vom Dach geschleudert worden. Glück im Unglück, weiß Klaus-Dieter Jeziorski, der noch gestern Vormittag die Schäden von einer Dachdeckerfirma beheben ließ.

Fünf Häuser weiter stehen die Bewohner vor den Trümmern, das ihr Zuhause ist: Eine Kiefer, die ebenfalls wasserseitig auf ihrem Grundstück stand, stürzte um. Die Krone, die am Giebel entlangschrammt, schafft sich Platz. Schäden an Dach, Fenstern und Fassade sind noch gar nicht zu ermessen.

Bei einer jungen Familie in der Nachbarschaft spielen sich derweil dramatische Szenen ab. Ricarda Hackbusch ist mit den zwei Kindern, fünf und sechs Jahre, um diese Zeit allein zuhause. „Wir standen oben und konnten den Sturm durch die festverschlossenen Fenstern spüren“, erzählt die junge Mutti. Draußen nichts als der Lärm des Sturms. „Die Kleinen zitterten und schrien vor Angst. Und dann“, erinnert sich die Plauerin, kippte die riesige Eiche unten am Hang um.“ Sie sei nicht gebrochen. Nein, samt Wurzel habe sich der Baum aus dem Boden gehoben. Ricarda Hackbusch und ihre Kinder, die im Keller Schutz gesucht hatten, hörten, wie die Eiche niedersaust. Haarscharf zwischen ihr Haus und das der Nachbarn. Die Schäden – die sich am Ende in Grenzen halten – interessieren sie nicht. Sie will einfach nur ihre beiden Kinder in Sicherheit bringen…

Gestern Morgen begann das Aufräumen. An mehreren Ecken in Plau. Wobei es die Seeluster Bucht und hier die seenahen Grundstücke im Philosophenweg am stärksten getroffen hat. Überall gesplittertes Holz, Äste, kaputte Zäune, ausgespülte Wege. Es wird wohl mehrere Tage dauern. „Das Wichtigste aber ist, dass niemand verletzt wurde“, sagt Bauhofsleiterin Kathrin Weber. Die Sachschäden könne man beheben.

 

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erstellt am 09.Jul.2014 | 21:30 Uhr

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