zur Navigation springen

Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

04. Dezember 2016 | 19:21 Uhr

Kläden/Dobbertin : Sträfling versteckt sich in Wirtshaus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

In loser Folge berichtet Horst Alsleben über die Geschichte Dobbertins. Heute: Der verschwundene Gasthof in Kläden

Das kleine Dorf Kläden, nicht ganz zwei Kilometer nordwestlich von Dobbertin an der Landstraße von Goldberg nach Sternberg gelegen, gehörte ehemals zum Dobbertiner Klosteramt. Neben einer Wassermühle am Mildenitzbach gab es am Klädener See, der heutigen Klädener Plage, auch eine Schäferei. An diesem damals für das Dobbertiner Kloster strategisch so wichtigen Ort kreuzten sich die Fernwege von Parchim nach Güstrow und von Sternberg nach Goldberg.

Bereits 1728 ließ der Klosterhauptmann Obrist Leutnant Joachim von Bassewitz in Kläden einen Forsthof mit Krug anlegen. Damals war der dortige Gasthof eine beliebte Ausspanne für Reisende mit der Postkutsche, aber auch manch unliebsamer Gast besuchte die Gastwirtschaft als Unterschlupf. Genau an der Straßenkurve befand sich die vor 260 Jahren erbaute alte Forstscheune. Hier sollen sich in den Jahrhunderten spannende und interessante Geschichten abgespielt haben, wie aus den alten Klosterakten und dem Klagebuch des Dobbertiner Klosteramtsgerichts zu entnehmen sind.

Die Forstscheune hatte in den Jahrhunderten viele Stürme und Unwetter überstanden, doch 1996 verschwand sie einfach und mit ihr der einstige Gasthof. Beim Abbruch haben die damaligen Besitzer sogar den historisch wertvollen Sturzriegel oberhalb eines Sprossenfensters – mit der Inschrift „Ach Herr sei gnädig und las diesem Hause Heil widerfahren Anno 1748“ – verschwinden lassen und haben damit einen Teil der Klostergeschichte vernichtet.

Ab 1773 hatte Förster Rudolf Jacobsen mit seiner Frau die Gastwirtschaft im Forsthof geführt. Schon im Januar des Jahres wurde Jacobsen erstmals wegen einer Anzeige des Herzoglichen Stadt-Gerichts zu Goldberg in die Amtsstube des Neuen-Amtshauses im Kloster Dobbertin vorgeladen. Dort waren mit dem Klosterhauptmann August Friedrich von Strahlendorff und dem Syndikus Dr. Peter Zander die wichtigsten Personen des Klosteramtsgerichtes anwesend. Das Protokoll führte damals der Actuar Joachim Schröder als Amtsschreiber der Klosterveraltung.

Doch was war geschehen, dass der Förster mit seiner kranken Frau eiligst zum Klosteramt kommen musste? Es war aus dem Goldberger Stadtgefängnis – nicht aus dem Dobbertiner Klostergefängnis – der Schneider Guthmei ausgebrochen. Nun lag im Klosteramt gegen den Förster Jacobsen als Gastwirt eine Anzeige „wegen unterlassener Meldung“ vor. Statt den Arrestanten zu suchen, wollten die Goldberger die Angelegenheit wieder einmal durch das Klosteramtsgericht in Dobbertin lösen lassen. Doch die Klostervorsteher handelten sehr schnell, um den Fall ebenfalls los zu werden und das Kloster nicht in Verruf zu bringen. Daher war das Protokoll nur zehn Seiten lang.

Folgendes war geschehen: In der Gaststube hatten sich an dem Abend neben dem Wirt zwei einheimische Fischer und der Bäcker Boll aus Dobbertin aufgehalten. Es kamen noch vier Knechte, die die Nacht beim Förster blieben. Erst sehr spät erschienen der Goldberger Schneider Guthmei mit einem Knecht und dem Juden Wulff. Der Jude Wulff und der Knecht sollen am nächsten Tag die Anzeige gemacht haben. Der entwichene Goldberger Schneider Guthmei habe im Wirtshaus genächtigt und dabei verlauten lassen „man solle ihn nicht verraten, aber in den nächsten Tagen seinen Schwiegervater, den Chirugen Lefers und den Weber Jacob Jantzen von ihm grüßen.“ Die Befragung des Försters begann mit einer Ermahnung, nur die reine Wahrheit zu sagen. Auf die letzte Frage, er müsse doch die Leute aus dem nahen Goldberg kennen, antwortete Jacobsen, dass ja nicht alle Goldberger seinen Krug aufsuchen. Das Protokoll wurde eiligst durch den Klosterboten dem Herzoglichen Stadt-Gericht in Goldberg übergeben. Als Anhang war zu lesen: „Alles weitere möge doch in Goldberg geschehen, da der Schneider ja nicht aus dem Klostergefängnis entwichen sei...“ Zum weiteren Werdegang dieser Gerichtssache war danach nichts mehr zu erfahren.

Einst hatte das Klosterdorf Kläden auch einen Schulraum und eine Schulmeisterwohnung. Doch nach der Schulordnung des Klosteramtes von 1886 wollten keine unverheirateten Lehrer dort unterrichten. Doch den fünf Kilometer langen Schulweg bis nach Dobbertin, dazu bei jedem Wetter und in Holzpantoffeln, konnte man den Kindern nicht zumuten. So entschied der damalige Klosterhauptmann Carl Friedrich von Lützow 1903, da der zweite Dobbertiner Lehrer Popp ein Fahrrad besitze, könne er am Nachmittag den Weg schneller zurück legen und dort unterrichten. Damit war das Problem Lehrermangel in Kläden vorerst gelöst.

Einige ältere Klädener werden sich auch noch erinnern können, dass es einst mitten im Dorf zwischen dem Forsthof und der Schäferei einen Friedhof gab. Und vor 145 Jahren errichteten die Klostermaurer noch eine beheizbare Kapelle. Diese kleine Kapelle steht heute noch, wurde aber ab 1975 als Ferienheim verpachtet und wird heute privat genutzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen