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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

25. Mai 2016 | 01:22 Uhr

Erfindung aus Parchim : Spachtel bremst Elektrosmog aus

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Sigro GmbH aus Parchim entwickelt innovative Spachtelmasse / Feingrafit soll Räume gegen elektromagnetische Wellen abschirmen

Lange schien es so, als sei gegen Elektrosmog kein Kraut gewachsen. Schwer messbare Strahlungen gehen von elektrischen Leitungen, Haushaltsgeräten, Sendern und magnetischen Materialien aus. Viele befürchten, dass Zellen, Gewebe und Organe über diese elektrischen Signale beeinflusst werden können. „Immer mehr Menschen sind eletrosensibel. Wir sind sicher, dagegen kann man etwas tun“, sagt Reinhard Mohn, Geschäftsführer der Firma Sigro Parchim GmbH. Das lässt aufhorchen, denn das seit nunmehr 22 Jahren in der Eldestadt ansässige Unternehmen ist keinesfalls in der Elektrobranche, sondern im Malerhandwerk angesiedelt.

„Wir haben für uns einen innovativen Werkstoff, den expanierenden Graphit, entdeckt. Aus Naturgrafit wird durch Hitzeeinwirkung und der gleichzeitigen Einlagerung von Schwefel und Stickstoff ein Blähgraphit gewonnen, der ungeahnte Möglichkeiten eröffnet“, macht der 56-Jährige neugierig. Vor rund zwei Jahren hat er zusammen mit Partnern begonnen, eine neuartige Graphitspachtelmasse zu entwickeln, die nun kurz vor der Markteinführung steht. Als Spezialfirma für Korrosions- und Bautenschutz war zunächst das Ziel, ein Spachtelmaterial zu entwickeln, dass sich auf verschiedenen Oberflächen per Hand oder mit der Maschine auftragen lässt und für eine gleichmäßige Wärmeverteilung auf großen Flächen sorgt. „Dass Graphit außerdem über hervorragende Eigenschaften zur Abschirmung von elektromagnetischen Wellen verfügt, ist ein angenehmer Nebeneffekt“, gibt der gelernte Bauingenieur zu bedenken. Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des Bundes garantierte dem mittelständischen Handwerksunternehmen die notwendige Förderung. Vor wenigen Tagen gab es dafür bereits die erste öffentliche Anerkennung. In Schwerin überreichten Wirtschaftsminister Harry Glawe, Handwerkspräsident Peter Günther und VR-Bank-Vorstand Johannes Löning an Sigro-Geschäftsführer Reinhard Mohn einen Innovationspreis für die Entwicklung der neuartigen Spachtelmasse. „Nach einem Gutachten der Uni München ist dies eine weitere Bestätigung für den Erfolg unserer Neuentwicklung. Nun muss sich in der Praxis beweisen, dass Kunden dem Produkt vertrauen“, so der Chef. Er hofft, dass er im kommenden Frühjahr dafür auf der hochkarätigen Innovationsmesse in München werben kann.

Noch ist nicht abzusehen, wie die Innovation aus Parchim bislang schier unlösbare Probleme lösen kann. „Immer wieder wird diskutiert, dass es schwer zu realisieren ist, den Mobilfunkempfang in Räumen weitgehend zu unterbinden. In Haftanstalten, Schulen und Krankenhäusern gibt es dafür akuten Bedarf. Ich bin mir sicher, dass der Graphitspachtel eine geeignete Lösung bietet“, so Reinhard Mohn. „Und dann kann sogar die NSA nicht mehr durch Wände spionieren“, fügt er schmunlzend hinzu. Selbst in Privathäusern steige der Bedarf, Elektrosmog auszubremsen. Experten sind sich sicher, dass Elektrosensibilität zu einer Minderung der Lebensqualität führen kann.

Das Hauptfeld von Sigro bleibt der Korrosions- und Bautenschutz von Bauwerken sowie die Oberflächenbeschichtung von Kläranlagen und Trinkwassertanks. Zu wichtigen Objekten gehörten Brücken in Hamburg und Plau am See, Kühltürme und Wohnbauten in ganz Norddeutschland, öffentliche Gebäude wie die Goetheschule in Parchim und die Crown Plaza Suite in Schwerin. „Ein Auftrag hat uns sogar bis ins ferne China geführt. Dort haben wir eine große Produktionshalle von Airbus beschichtet“, berichtet Reinhard Mohn nicht ohne Stolz.

 

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erstellt am 17.Dez.2014 | 12:00 Uhr

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