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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

27. September 2016 | 10:42 Uhr

Isover in Lübz : Riese liegt zerschnitten am Boden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Die Abbrucharbeiten an dem 80 Meter hohen Schlot bei Isover in Lübz sollen in dieser Woche beendet werden. Die Werksleitung ist froh über den Verlauf.

Ein Maulschlüssel mit einer Weite von 110 Millimetern? Dürfte kaum jemand schon einmal gesehen haben. Ohne ein Exemplar dieses geradezu monströsen Formats hätten die Arbeiter, die 1985 den Schornstein des damaligen Mineralwollewerkes – heute ISOVER G+H AG – errichteten, jedoch keine Chance gehabt. Sie brauchten ihn, um die Muttern der Ankerschrauben festzuziehen, die dafür sorgten, dass der 80 Meter hohe Schlot rund 31 Jahre lang senkrecht blieb. Jetzt ist das einst höchste Bauwerk in unserer Region – von Windrädern abgesehen – komplett abgetragen und wird mit Hilfe von Schneidbrennern in handliche Stücke Schrott zerlegt. Am Ende dieser Woche soll der mehrfach durch starken Wind unterbrochene Auftrag abgeschlossen werden. Er ging an eine auf die Demontage genannter Größen spezialisierte Firma aus Hürth bei Köln. „Die große Entfernung zeigt, dass wir lange Zeit darauf verwendet haben, die richtige zu finden – nicht die billigste“, sagt Thomas Weigert, Leiter des Lübzer ISOVER-Werkes. „Hauptthema ist, das bei uns geltende Sicherheitskonzept einzuhalten. Ihm zufolge beginnt zum Beispiel ein Höhenarbeitsplatz ab einem Meter vom Boden.“ Mit der Planung des Abbruchs und Neubaus der 60 sowie 30 Meter hohen neuen Schlote samt Filteranlagen begann Projektingenieur Holger Tschesche bereits vor rund zehn Jahren.

Abbruchstellenleiter Klaus Roggatz arbeitet seit gut zweieinhalb Wochen mit einem fünfköpfigen Team in Lübz. Auf die Frage, ob er den hiesigen Auftrag gerade wegen der großen Höhe als besonders gefährlich eingeschätzt hat, sagt er: „Nein. Gefährlich ist alles über 2,50 Meter – ziemlich egal, wie hoch. Wer dann abstürzt, schlägt mit ziemlicher Sicherheit zuerst mit dem Kopf auf dem Boden auf. Über die Folgen braucht man nicht weiter zu sprechen.“

Der Schornstein bestand aus insgesamt acht Röhren, jeweils mit einem Durchmesser von 2,2 und 1,10 Meter sowie 70 Zentimetern, die wiederum von einem Stahlgerüst umgeben waren. Die Konstruktion beseitigte die Abbruchfirma, indem ihre Männer von einer so genannten „Demontagegondel“ aus mit Schneidbrennern jeweils wenige Meter lange Abschnitte abtrennten. Sie wurden Stück für Stück herabgelassen. Die Einzelteile wie auch die Gondel hingen zu Beginn knapp 80 Meter hoch über dem Boden. „Der Schlot entsprach nicht mehr den Anforderungen“, sagt Tschesche. „Eine Generalsanierung wäre unverhältnismäßig teuer gewesen.“

Der Fundamentklotz hat eine Größe von 18 mal 22 mal 2,90 Meter – ebenfalls ein Gigant, der bleibt, wo er ist. Abgetragen wird jetzt nur noch der wenige Zentimeter über der Erde zu sehende Betonsockel.

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erstellt am 19.Sep.2016 | 12:00 Uhr

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